Fast zwei Jahre hat Baron Roderic von Bennigsen gebraucht, um sich von dem spektakulären Kunstraub auf seinem alten Rittergut Bennigsen bei Hannover zu erholen. Aus dem etwa 700 Jahre alten Herrenhaus erbeuteten die Täter im Oktober 2008 neben Schmuck und Familienorden auch ein Ölgemälde und eine unersetzbare Stradivari-Geige, auf der die Burgherrin spielte.
Zehn Monate musste das musikalische Ehepaar um die persönlichen Dinge bangen, ehe die Täter gefasst und die Beute sichergestellt werden konnte. Doch nun startet der Adlige mit seinem Musikfestival wieder durch: Am 7. August beginnt das 15. Sommerfestival auf dem Rittergut Bennigsen. Anders als im Vorjahr, wo der Hausherr nur eine sehr abgespeckte Version präsentierte, gibt es dieses Mal wieder drei hochkarätige Konzerte.
"Es war ein schmerzhafter Prozess. Für einen Musiker ist der Verlust seines Instruments, als würde ein Tänzer seine Beine verlieren", sagte Roderic von Bennigsen bei der Vorstellung des Festivalprogramms am Donnerstag in Hannover. Es habe lange gedauert bis er sich wieder seiner musikalischen Leidenschaft widmen konnte.
Zum Auftakt des Festivals spielt in diesem Jahr das zwölfjährige koreanische Cello-Wunderkind Ha Young Choi mit der Camerata Salzburg. "Es gibt derzeit eine regelrechte Schwemme von Musikern aus Asien mit fantastischer Begabung", schwärmte von Bennigsen. Beim zweiten Konzert ist das Cracow Philharmonic Orchestra am 22. August mit Werken von Robert Schumann und Wolfgang Amadeus Mozart zu hören. Den Abschluss macht am 5. September die mehrfach ausgezeichnete 21 Jahre alte Klaviersolistin Alice Sara Ott. Die deutsch-japanische Pianistin erhält in diesem Herbst den "Echo-Klassik" als Nachwuchskünstlerin des Jahres.
"Der Kultur wird immer weniger Raum gegeben", sagte von Bennigsen, der jedes Jahr selbst noch bis zu 15 Konzerte gibt und jeweils die Orchester bei seinem Festival dirigiert. Die Akzente lägen zu sehr auf dem Materiellen und die Kunst zahle den Preis dafür. Das Festival stemmt der Baron aus eigener Tasche. Über Geld reden will der Adlige jedoch nicht. Lieber frönt er seiner heimlichen Leidenschaft, der Schauspielerei und parodiert auf Pressekonferenzen den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki.
dpa
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