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Besucher pöbeln Musiker an: "Sprich Deutsch!"

In der Kölner Philharmonie Besucher pöbeln Musiker an: "Sprich Deutsch!"

In Köln haben Konzertbesucher den iranischen Cembalo-Musiker Mahan Esfahani angepöbelt. Sie pfiffen und riefen "Sprich Deutsch!". Der Veranstalter ist schockiert von diesem "ungehörigen Verhalten".

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Der iranische Musiker Mahan Esfahani ist am Sonntag in Köln aufgetreten. Er musste sein Konzert unterbrechen, weil einige Zuschauer pfiffen, klatschten und lachten.

Quelle: Bernhard Musli / Deutsche Grammophon

Köln. Der Geschäftsführer des Konzertveranstalters Concerto Köln, Jochen Schäfsmeier, sagte am Mittwoch, er habe so etwas in seiner Laufbahn noch nie erlebt. "Wenn ein Stück nicht ankommt und Leute das zum Ausdruck bringen, das ist normal", sagte Schäfsmeier. Aber am Sonntag seien die Benimmregeln in einem Konzert eindeutig verletzt worden. Es sei immer wieder losgeklatscht worden, obwohl das Stück sehr leise gewesen sei. "Es wurde auch ein bisschen gelacht und reingerufen."

Auf seiner Facebook-Seite hatte der Veranstalter direkt nach dem Konzert geschrieben: "Dass eine kleine Minderheit mit ihrem ungehörigen Verhalten das Konzert dermaßen stören konnte, erschreckt und verärgert uns gleichermaßen." Die Kölner Philharmonie kritisierte ebenfalls das Verhalten: "Wir erwarten einen respektvollen Umgang. Es kann nicht sein, dass ein kleiner Teil des Publikums den Genuss aller anderen stört und zerstört", schrieb die Kölner Philharmonie auf ihrer Facebook-Seite.

Zuschauer pfiffen und lachten

Schon während der englischsprachigen Einführung durch den Solisten Esfahani sollen Besucher dazwischen gerufen haben – zum Beispiel: "Reden Sie doch gefälligst Deutsch". Nach einigen Minuten habe der Musiker das Stück wegen Lachen, Klatschen, Pfeifen und anderer Missfallensäußerungen abgebrochen, berichtete der "Kölner Stadt-Anzeiger". Viele Zuhörer verließen den Saal.

Esfahani setzte das Konzert mit den anderen angekündigten Stücken fort. Am Ende ging ein Konzertgast nach vorne, ließ sich ein Mikrofon geben und entschuldigte sich auf Englisch bei Esfahani. Dafür habe er starken Beifall erhalten, sagte Schäfsmeier. Kurioserweise hätten einige ältere Konzertbesucher, die selbst zu den Störern gehört hätten, dabei ebenfalls geklatscht.

Der Musiker berichtete nach dem Konzert, er habe die folgende Nacht nicht geschlafen. Was er aus dem Vorfall gelernt habe: "Einige Menschen sind Dummköpfe. Einige Menschen haben Angst und reagieren mit Feindseligkeit. Einige Menschen sind verärgert, wenn sie etwas nicht sofort verstehen", schrieb Esfahani.

Veranstalter will Konzert wiederholen

In den sozialen Netzwerken rief der Vorfall ein starkes Echo hervor. Es wurde vor allem die Frage diskutiert, ob die Pöbelei im Konzertsaal Ausdruck einer neuen Fremdenfeindlichkeit sei. Als rassistisch habe er das Geschehen aber nicht unbedingt empfunden, sagte Schäfsmeier: "Es war aber natürlich ein hohes Maß an Intoleranz oder auch vielleicht an Feindlichkeit gegenüber Fremdem, wobei das jetzt eher das Stück war als der iranische Musiker." Erschreckend sei in jedem Fall gewesen, wie schnell und deutlich eine Hemmschwelle gefallen sei.

Die Kölner Philharmonie will das unterbrochene Konzert des iranischen Cembalo-Spielers Mahan Esfahani im kommenden Jahr wiederholen. "Wir haben Esfahani gleich wieder eingeladen, er wird Reichs Stück am 1. März 2017 noch mal spielen", kündigte die Kölner Philharmonie auf ihrer Facebook-Seite an.

Im Rahmen einer sonntäglichen Abo-Reihe hatte das Ensemble Concerto Köln ein Programm mit Werken von Johann Sebastian Bach, Carl Philipp Emanuel Bach sowie der Zeitgenossen Fred Frith, Henryk Mikolaj Gorecki und Steve Reich zusammengestellt. Verbindendes Element in allen Werken ist das Cembalo.

dpa/epd/wer

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