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Schweißtreibend

Dick Brave & The Backbeats bringen die Fifties ins Capitol


Ungeachtet der Temperaturen tänzeln junge Frauen in Ballerinas und Petticoats auf das Capitol zu, als wäre der schneidende Novemberwind ein laues Sommerlüftchen. Warum dicke Pullover oder Jacken tragen, mögen sie sich gedacht haben. Schließlich warten drinnen fünf Typen, die ihnen ordentlich einheizen: Dick Brave & The Backbeats kurieren mit ihrer „Rock ’n’ Roll Therapy“ jedweden Kälteschock im Nu.
Foto: Schweißtreibend: Dick Brave & The Backbeats bringen das volle hannoversche Capitol mit ihrer Fifties-Show zum Kochen

Schweißtreibend: Dick Brave & The Backbeats bringen das volle hannoversche Capitol mit ihrer Fifties-Show zum Kochen

© Martin Steiner

Hannover. Schon nach der dritten Nummer, der Rockabilly-Version von Pinks Hit „Get the Party Started“, ist das Publikum dahingeschmolzen. Die Tour der fünfköpfigen Rockabilly-Band ist nach dem Titel des zweiten Albums benannt. Wie das Debüt „Dick This“ enthält es Coverversionen von Popklassikern und aktuellen Hits im Fifties-Sound.

Die Idee mag nicht neu sein, aber die Art und Weise, wie Dick Brave und seine Musiker sie umsetzen, ist charmant und witzig. Dazu muss man wissen, dass Dick Brave das Alter Ego von Schmusepopsänger Sasha ist. Wie er kommen auch seine Bandkollegen nicht aus Kanada, sondern aus Deutschland und spielen unter den Pseudonymen Adreano Batolba (Gitarre), Mike Scott (Piano), Phil X Hanson (Bass) und Matt L. Hanson (Schlagzeug). Mit dem Publikum wird grundsätzlich denglisch gesprochen („Are you sick because of Dick?“). Alle haben Spaß an der Maskerade. Noch mehr aber an der Musik und der Show.

Dick Brave muss bei seinem Auftritt im ausverkauften Capitol in Hannover zwar ab und an Tee trinken und sich die Nase putzen, aber er scheint sich tatsächlich selbst mit seiner Musik zu therapieren und witzelt und tanzt auf der Bühne, bis das Bowling-Hemd ganz verschwitzt ist. Nur die etwas ungelenken Handstandversuche auf dem Klavier könnten auf eine kleine körperliche Unpässlichkeit hindeuten. Ansonsten ist alles lässig in Hüften und Knien.

Songs wie „Just the Way You Are“ von Bruno Mars oder „Sitting, Waiting, Wishing“ von Jack Johnson gibt Dick Brave mit Hüftschwung und viel Sexappeal in der Stimme einen frischen Kick. Adeles „Rolling in the Deep“ will dagegen nicht so richtig in die Jukebox-Schablone passen. Andererseits gelingt das Experiment vortrefflich bei Depeche Modes „Just Can’t Get Enough“. Endlich ist dieses Lied tanzbar! Gleiches gilt auch für die ebenso mutige Interpretation von „Give It Away“ von den Red Hot Chili Peppers, die jedem, der bei diesem Lied allenfalls mit dem Kopf im Takt wuselt, Beine macht. Dazu trägt die hervorragende Band ihren Teil bei, allen voran Gitarrist Batolba, der sich vor allem bei Brian Setzer von den Stray Cats einiges abgeguckt zu haben scheint.

Und dann, fast am Ende, tritt doch noch Sasha ins Rampenlicht: Dick Brave singt Elvis’ „You Were Always on My Mind“ und klingt plötzlich ganz wie der deutsche Schmusepopper aus dem Westfälischen. Um alles wieder geradezurücken, wird das Publikum mit „Great Balls of Fire“ krachend in die kalte Nacht verabschiedet.

Kerstin Hergt

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