Hannover. Es ist ein seltsames Bild: Vorne auf der Bühne der hannoverschen AWD-Hall bearbeiten die fünf Musiker der Band Dream Theater schwitzend ihre Instrumente und feuern aus allen Rohren laute, rasende Tonfolgen ab. Und im Saal stehen 2500 Fans und lauschen konzentriert, fast andächtig dieser satten Klangdusche. Progressive Metal ist nichts für Tänzer, Stagediver, Crowdsurfer und Headbanger. Denn hat man gerade ein kopfschüttelnswertes rhythmisches Konstrukt ausgemacht und mit dem Mähnenschleudern angefangen, hat die Band schon wieder das Tempo gewechselt. Seit etwa 20 Jahren bringt die US-Kombo lange, komplizierte Stücke in bestechender Virtuosität auf die Bühne, immer wogend zwischen sinfonischer Wucht und Vollgas-Metal, immer jenseits gängiger Songstrukturen, stattdessen gespickt mit Wendungen und Windungen, schnell und hakenschlagend.
Und da es bei solcher Musik auch immer um schneller, höher, weiter geht, ist die Verpflichtung des neuen Schlagzeugers keine Überraschung. Mike Mangini war mal Weltrekordler im Schnellschlagzeugspielen. Er sitzt in Hannover nicht hinter einem Schlagzeug, sondern hat sich in einen Gerüstbau voller Trommeln und Becken vor, neben und über sich verschanzt, aus dem er herausschaut wie aus einem Kiosk. Und hier scheint zu gelten: Wer das meiste Zeug hat, darf auch am meisten Krach machen. Mangini – er ist Schlagzeugprofessor am Berklee College of Music in Boston – dominiert die Songs nicht nur, er beherrscht sie mit seinen unablässigen Fills und Breaks. Streckenweise wirken die anderen Musiker wie Statisten beim großen Schlagzeugabend von Mike Mangini, und dass absolute Könner wie die Bandgründer John Petrucci an der Gitarre und John Myung am Bass sich zu reinen Mitspielern von Manginis Drumshow degradieren lassen, wirkt vor allem im ersten Teil des Abends befremdlich. Als der rasende Taktgeber dann nach einer Stunde auch noch ein Schlagzeugsolo spielen darf, ist man froh, dass die anderen vier überhaupt noch wiederkommen.
Die Fans bejubeln Mangini für seine Einlagen. Schließlich ist er eine Show für sich. Doch Teamgeist, bei Prog-Rock-Bands eigentlich ganz wichtig, sieht anders aus. Er hat ja noch Zeit, sich einzufügen. Wird hoffentlich schnell gehen. Aber schnell kann er ja.
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