Es war sicher nicht ganz einfach für den Prinzen. Beim Gastspiel der Göttinger Händel-Festspiele im Galeriegebäude Herrenhausen musste sich Heinrich von Hannover im Publikum zunächst anhören, wie die niedersächsische Kulturministerin Johanna Wanka seinen Vorfahren Georg August, auf dessen Geburtstag vor 350 Jahren man sich bei den Festspielen unter dem Motto „Händel und Hannover“ beruft, als Georg Friedrich bezeichnete – und den Versprecher gleich darauf mit ihrer preußischen Herkunft entschuldigte.
Als sei das nicht schon genug, spielte das Festspielorchester danach Werke des preußischen Kapellmeisters Carl Heinrich Graun und von Joachim Quantz, dem Flötenlehrer Friedrichs des Großen. Händel gab es nur kurz und nach der Pause, Hannover gar nicht.
Was für die Etikette ein Fauxpas gewesen sein mochte, erwies sich musikalisch als ein Schritt in die richtige Richtung und eröffnet so ein weites Tätigkeitsfeld auch für künftige Festspiele.
Dirigent Nicholas McGegan, noch bis 2011 künstlerischer Leiter in Göttingen, konnte für das Kräftemessen mit Händel sogar dessen bekannteste Oper heranziehen. „Giulio Cesare“ gehört zu den wenigen Barockwerken, die sich bis heute im Repertoire gehalten haben, aber es ist längst nicht das Einzige, das sich dem Kleopatra-Stoff widmet.
Neben Graun haben auch der Dresdener Kapellmeister Johann Adolf Hasse und Johann Mattheson, mit dem Händel während seiner Hamburger Zeit in freundschaftlicher Konkurrenz verbunden war, die Geschichte für die Opernbühne bearbeitet. Vor allem Mattheson hat dabei einen in seiner Expressivität fast modern anmutenen Tonfall gefunden, der mit Händels Meisterwerk konkurrieren kann.
Alle Stücke gaben der Sopranistin Dominique Labelle Gelegenheit zu beweisen, dass sie mit ihrem für das Repertoire ungewöhnlich fülligen Sopran derzeit zu den interessantesten Barocksängerinnen gehört. Und bei McGegan kann man schon jetzt langsam wehmütig werden, dass er mit Göttingen wohl auch Europa verlassen und hier künftig nur noch selten zu erleben sein wird. So freundlich und harmlos er mit seinem beständigen Lächeln auch anzusehen ist: Es gibt kaum einen Dirigenten, der sich so entschieden der Schwerkraft entgegenstellt. Bei ihm klingt Musik licht, leicht und leuchtend. Das wird fehlen.