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Gute Laune beim Neujahrskonzert des Mädchenchors Hannover
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Zwei Zugaben Gute Laune beim Neujahrskonzert des Mädchenchors Hannover

Gut 1000 Gäste hatten am Sonntagvormittag schon gut gewählt: Sie waren ins Opernhaus gekommen, wo der Mädchenchor sein Neujahrskonzert gab. Nicht unbedingt punktgenau im Kalender, aber wenn Kabarettisten noch mit ihrem Jahresrückblick 2012 durch die Lande touren, sind singend vorgetragene Neujahrswünsche auch in der zweiten Januarhälfte noch erlaubt und erwünscht.

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Singende Mädchen kommen überallhin – und beim Neujahrskonzert auch ins Opernhaus.

Quelle: Michael Plümer

Hannover. Dass der Mädchenchor ausgerechnet am Wahlsonntag seine Stimme nicht abgab, sondern lieber erhob, ließ Georg Schönwälder ein paar launige Anspielungen in seine Begrüßungsworte einbauen. Das Publikum, in dem sich auch der Ehemann der gescheiterten Landtags-Direktkandidatin Doris Schröder-Köpf befand, nahm das gut gelaunt entgegen.

Schönwälder, der als Leiter des Nachwuchschores schon seit Jahrzehnten zur Stammtruppe des Mädchenchors gehört, schlug geschickt den Bogen zwischen den Jahren. 2012 war für den Mädchenchor Hannover schließlich ein ereignisreiches Jahr: Man feierte mit großem Nachhall den 60. Geburtstag des Chores und bewies bei der USA-Tournee im Herbst, dass auch ein Wirbelsturm „Sandy“ eine so tolle Truppe nicht einfach vom Winde verweht. Und 2013 bringt – hoffentlich – ebenso Großes. Das Projekt Chorzentrum ist aus dem Planungsstadium heraus, der Baubeginn in der Christuskirche steht bevor, und mit etwas Glück folgt der Einzug noch in diesem Jahr.

Wie lebendig es dann dort im Chorzentrum zugehen wird, ließ sich schon beim Auftakt ahnen, als die Kleinsten mit dem Kanon „Hallo Django“ demonstrierten, dass man in der Grundstufe und der Vorklasse des Chores nicht nur das Singen lernt, sondern auch ein Gefühl für Rhythmik und für Körperbewegung entwickelt. Was man als Mädchenchoristin immer brauchen kann, wie ganz zum Schluss in Cy Colemans „Witchcraft“ zu sehen war. Für das Neujahrskonzert hatte sich der Mädchenchor in einer „kleinen Koalition“ mit den Hannover Harmonists zusammengetan, die zunächst versicherten, wir alle seien der neue Tag, und dann mit einem Kindermedley die Entzugserscheinungen derer linderten, die um diese Zeit sonst die Sendung mit der Maus sehen. Diese A-cappella-Truppe ist aus dem Knabenchor Hannover hervorgegangen – dass zeitgleich zu diesem Konzert des Mädchenchors der Knabenchor Hannover in Hamburg beim NDR Mahlers

3. Sinfonie sang, belegt den Rang der Chorstadt Hannover. Ein bisschen ernsthafter wurde es bei den von Francis Poulenc vertonten Bittgebeten an die „Schwarze Jungfrau“. Gudrun Schröfel gewann dem Mädchenchor Hannover gewohnt sicher schillernde Klangfarben ab, ohne dabei die Form aufzuweichen.

Danach zeigte mit zwei Liedern aus Gioacchino Rossinis „La regata veneziane“ das frühere Mädchenchor-Mitglied Lena Kutzner, was in einem Mädchen an Weiblichem schlummert und dass in dieser Mezzosopranistin auch eine Figur wie Acuzena heranreift – der Beginn von „Anzoleta avanta de Regata“ klingt verblüffend nach Verdis „Troubadour“.

Die Kunst, Mischklang und Trennklang zielsicher einzusetzen, führte der Mädchenchor bei Werken von Schubert vor (anrührend das „Ständchen“-Solo von Anna Mengel). Und bei Henry Purcells „My Dearest, My Fairest“ bewiesen Katharina Held und Leo Seelemeyer, dass man in einem Spitzenchor auch lernt, Zusammenklang höher zu schätzen als solistische Selbstdarstellung.

Die Hannover Harmonist gemeindeten dann Leonard Cohens Song „Halleluja“ in die Sakralmusik ein und lieferten mit Leroy Andersons „Sleigh Ride“ das Motto des Tages, denn eine „Schlittenfahrt“ war angesagter als Claude Debussys Gruß an den Frühling, den der Mädchenchor nach Kompositionen von Edward Elgar und Maurice Ravel anstimmte.

Die Hannover Harmonists sorgten danach mit einem James-Bond-Medley für Spannung, aber der Mädchenchor Hannover setzte mit Cy Colemans „Witchcraft“ mit anschaulicher Choreografie und gesundem Selbstbewußtsein noch eins drauf (ganz ohne Chefdirigentin). Dabei geht es beim Mädchenchor Hannover doch fast ohne Zauberei. Man braucht nur Fleiß, Begabung und Begeisterung – und die Gabe, andere zu begeistern.

Der Beifall war stark. Als Zugabe ertönte „I will Follow You“. Da könnten Feministinnen, vor allem wenn sie Little Peggy March im Ohr haben, zweifeln, ob dies das Menschen- und das Mädchenbild des Jahres 2013  spiegele. Aber erstens kann man das (siehe „Sister Act“) auch als Glaubensbekenntnis nicht an den Mann, sondern an den Herrn interpretieren. Und zweitens servierten die Mädchen das so kess, dass man(n) durchaus Angst bekommen könnte.

Für die zweite Zugabe formierte sich ein Mädchenquintett zu einer A-cappella-Formation. Was die Knaben vom Knabenchor können (aus dem einige solcher Ensembles hervorgegangen sind), können die Mädchen allemal. Singende Mädchen kommen offenbar überallhin …

Die nächste Aufnahmeprüfung für dem Mädchenchor ist am Sonntag, 3 März von 12 – 12 Uhr und von 15 – 16 Uhr im Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium. Ohne Voranmeldung! Infos unter (0511) 16 11 47 1 .

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