Einer der Hits, ohne den bis heute kein Pur-Konzert auskommt, und zugleich der erste große Erfolg Ihrer Band heißt „Lena“. Am 29. Mai blickt nun ganz Deutschland und natürlich Hannover nach Oslo, wo Lena Meyer-Landrut beim Eurovision Song Contest singt. Schauen Sie da noch einmal besonders genau hin?
Ich habe sogar eine eigene Theorie zu der kleinen Lena. Wie alt ist sie? 18, 19 Jahre? Dann ist sie gerade auf die Welt gekommen, nachdem wir mit „Lena“ 1990 in den Singlecharts gelandet sind. Damals wurde der Song dauernd im Radio gespielt und hat sicher dazu beigetragen, dass der Name Lena innerhalb eines Jahres in der Skala der beliebtesten Vornamen von Platz zwölf auf Platz eins gestiegen ist. Ich würde sagen: Lenas Eltern waren damals bestimmt Pur-Fans.
Und wie finden Sie nun Ihre neue Kollegin Lena?
Ich bin von ihr genauso begeistert wie wohl die meisten. Sie ist süß und einzigartig. Wenn sich der Hype um den Eurovision Song Contest gelegt hat, würde ich sie einladen, mit uns aufzutreten. Vielleicht beim Abschlusskonzert unserer Sommertour am 4. September in der Veltins-Arena auf Schalke.
Roland Bless, Pur-Gitarrist und Gründungsmitglied, wird indessen nicht mehr dabei sein. Gerade haben er und die Band ihre Trennung bekannt gegeben. Warum?
Roland Bless wird sich ab sofort mit voller Kraft seinem Soloprojekt widmen, das er vor vier Jahren begonnen hat. Darauf haben sich alle Beteiligten verständigt.
Es hieß, Pur habe für die Open-Air-Tour Orte ausgewählt, an denen die Band sonst nicht spielt. In Hannover waren Sie aber immer regelmäßig zu Gast – warum dennoch ein Konzert auf der Parkbühne?
Ja, Hannover und Stuttgart sind die Ausnahmen. Wir sind so freundlich gebeten worden, im Sommer wieder in die Stadt zu kommen, dass wir nicht ablehnen konnten. Die Parkbühne kennen wir ja auch schon. Dass ist doch dieser nette Ort, wo die Leute auch draußen vor den Toren stehen und mitsingen.
... und in Stuttgart ist es für Sie als Schwaben ein Heimspiel. Hannover und Stuttgart verbindet seit ein paar Jahren auch der „Nord-Süd-Dialog“, eine VIP-Veranstaltung unter Schirmherrschaft der Ministerpräsidenten von Niedersachsen und Baden-Württemberg. Wie sehen Sie denn das Verhältnis der beiden Länder?
Der Werbeslogan für unser Bundesland heißt „Wir können alles außer Hochdeutsch“, während man das in Hannover ja am besten sprechen soll. Ich finde, das ist eine tolle Kombination: „Wir machen alles – und ihr redet dann für uns.“
Zum Kollegen Heinz Rudolf Kunze aus der Wedemark haben Sie ja ohnehin einen besonderen Draht ...
Heinz Rudolf war 1986 in der Jury des Bundesrockpreises, als wir noch Amateure ohne Plattenvertrag waren. Die gute Verbindung ist über all die Jahre geblieben. Bei unserer Tournee 2004 haben wir zusammen auf Schalke „Dein ist mein ganzes Herz“ gespielt, ein tolles Erlebnis.
Jetzt haben Sie für das Abschlusskonzert dort den ehemaligen Supertramp-Frontmann Rodger Hodgson eingeladen. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?
Die Band und ich sind große Fans von Supertramp und Rodger Hodgson.
Einige alte Bandkollegen von ihm gehen ab Herbst wieder als Supertramp auf Deutschlandtour. Freut Sie das?
Das kann das Feeling von früher nicht zurückbringen. Supertramp ohne die markante Stimme von Roger Hodgson ist für mich nicht mehr dasselbe wie damals.
Die Pur-Texte verbreiten stets Zuversicht, Lebensmut und immer eine Portion heile Welt. Dennoch haben Sie mal gesagt, Sie seien Pessimist ...
Das ist auch so, ich sehe das Glas eher als halbleer an und nicht als halbvoll. Aber ich sage mir auch: „Du darfst so nicht sein“ – und schreibe gerade deshalb solche Texte. Da ist viel für mich selbst, in den Spiegel hinein getextet.
Pur gehört seit langem zu den erfolgreichsten deutschen Bands, Lieblinge der Kritiker sind sie aber nicht unbedingt. Oft heißt es auch über die Band: „Entweder man liebt sie, oder man kann sie nicht ausstehen.“ Stört Sie das?
Diese Polarisierung ist eine Erfindung der Kritiker und der Medien. Ich erlebe zu 80 Prozent freundliche Menschen, keiner sagt: „Da kommt der blöde Engler“. Ich habe mich über das Phänomen, dass einen die Kritiker trotz großer Erfolge zerreißen, oft mit Klaus Meine von den Scorpions unterhalten. Die sehen das inzwischen viel gelassener. Da müssen wir auch mal hinkommen.
- Pur spielt am 18. Juli auf der Parkbühne. Karten gibt es für 39,05 Euro an den bekannten Vorverkaufsstellen oder unter www.hannover-concerts.de.
Interview: Stefanie Kaune
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