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Musik für aufgerissene Autofenster

„Donots“ im Capitol Musik für aufgerissene Autofenster

Mit „Karacho“: Die Punkrock-Band „Donots“ lässt im Capitol die Bürgerschreck-Maske rutschen. Frontmann Ingo Knollmann spottet sogar über das gesittete Publikum und wünscht sich „asoziales Gruppenschwitzen“. Eine Konzertkritik von Thomas Kaestle.

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Ohne Platitüden: Die Donots im Capitol.

Quelle: Jan Philipp Eberstein

Hannover. Ingo Knollmann gibt sich größte Mühe, den Geist des Punk heraufzubeschwören. Der Frontmann der Punkrocker Donots spottet über das gesittete Publikum im Capitol, wünscht sich „asoziales Gruppenschwitzen“ und wilde „Circle Pits“ vor der Bühne. Er gibt den bösen, schmutzigen Bürgerschreck.

Das aktuelle Album „Karacho“ macht es den jungen Fans, die nicht seit Jahren mit der Band aufgewachsen sind, leicht, diese Pose auch textlich nachzuvollziehen. Erstmals präsentiert die Band sich mit deutschsprachigen Songs. Und die sind fast durchgängig düster, erzählen vom Alleinsein der Außenseiter, der Kaputten. Aber auch von Trotz in der Trostlosigkeit. Gleich die beiden Eröffnungsstücke des Konzertes zeigen die Richtung an: „Ich mach nicht mehr mit“ und „Dann ohne mich“.

Freche Punkrocker: Die Band „Donots“ trat im Capitol auf – und trieb sein Publikum an.

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Die Texte sind für ihr Genre durchaus gelungen. Die Donots vermeiden die Platitüden vieler deutscher Kollegen, bringen die Dinge nüchtern, aber plastisch auf den Punkt. Er habe sich nächtelang Bands wie Pur angehört, erzählte Knollmann nach der Veröffentlichung des Albums. Um zu wissen, was er nicht will, um eine eigene deutsche Songsprache zu finden. Das zeigt: Die Donots sind weit weg vom Punk der 1980er mit seinen drei Akkorden und seiner Alles-egal-Einstellung. Auch musikalisch weiß diese Band genau, was sie tut. Auf der Basis von treibenden Beats und aggressiven Gitarren schwankt sie schlau zwischen Versatzstücken aus Stadionrock, Britpop und der richtigen Dosis an Punk-Zitaten. Das ist Musik für aufgerissene Autofenster und genervte Eltern.

Der Abend im Capitol macht die Musiker sichtlich zufrieden. Mehr als einmal betont Ingo Knollmann, wie dankbar sie für solche Augenblicke seien, die ihnen zeigten, warum sie auch nach 20 Jahren noch auf der Bühne stünden. Nach und nach bröckelt die Pose des bösen Punkmusikers. Dahinter steckt ein nachdenklicher, engagierter und liebevoller Bürger. Der während eines Songs eigenhändig im Publikum Spenden für die Kampagne „Kein Bock auf Nazis“ sammelt und Werbung für die Wasserinitiative „Viva con Agua“ macht. Und der sichtlich gerührt ist von der achtjährigen Juliette, die mit ihrer Mutter auf der Empore in der ersten Reihe steht und mitsingt. „Solange Menschen in deinem Alter auf Punkrock-Konzerte gehen, ist die Welt noch nicht verloren“, sagt der Sänger.

Von Thomas Kaestle

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