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Zurück auf den Pausenhof
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Bad Religion spielen im Capitol Zurück auf den Pausenhof

Endlich: Die Urväter des Punkrock gaben sich am Sonntag im Capitol die Ehre. Eine ganze Reihe treuer Fans hatte die Band Bad Religion zum Schwarzen Bär gezogen – und sie mit einem Konzert beglückt.

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Begeisterten die Fans im Capitol: die Kultband Bad Religion.

Quelle: Hagemann

Hannover. Gestandene Männer mit breitem Kreuz in schwarzen T-Shirts, so weit das Auge reicht: Auf den ersten Blick scheint man am letzten Sonntag dieses Julis der Adresse des Veranstaltungsortes – Schwarzer Bär – alle Ehre machen zu wollen. Grund des Zusammentreffens ist das Konzert der Urväter des Punkrocks, Bad Religion, im Capitol Hannover. Die wirken magnetisch auf jene Generation, die mit den sechs Jungs groß geworden ist. Mit ihren provokanten Shirts, auf dem das Bandlogo – ein Verbotsschild mit Kruzifix – zu sehen war, waren sie einst die Helden auf dem Pausenhof.

Das war zu Beginn der achtziger Jahre, inzwischen ist die Band rund um den Evolutionsbiologen und Leadsänger Greg Graffin seit 33 Jahren im Geschäft. Aus vollem Haar wurde Halbglatze, aus Sixpack ein Bäuchlein – aber musikalisch sind die Punkrocker so temporeich wie eh und je. Und das gilt auch für diesen Auftritt zu fünft – Gitarrist und Gründungsmitglied Greg Hetson ist aus unbekannten Gründen nicht mit auf Tour gegangen.

Das fällt aber nur optisch auf, weil er immer der einzige war, der zwischen den statischen Kollegen auch mal ein bisschen Bewegung bot. Greg Graffin geht zwar gerne mal über die Bühne, Bassist Jay Bentley schüttelt auch schon mal den Kopf, und Brooks Wackerman verausgabt sich am Schlagzeug. Brett Gurewitz und Brian Baker an den Gitarren allerdings sind eher die ruhigeren Vertreter der Kultband.

Das schmälert das Konzertereignis aber noch lange nicht. Im ausverkauften Capitol wird schon beim ersten Song heftig getanzt und gefeiert. Und das, obwohl bei dem Song aus dem neuen Album „True North“ nicht alle textsicher sind. Das gibt sich aber spätestens bei „I Want to Conquer the World“ vom vierten Studioalbum, das der Sänger unter Publikumsgrölen als „20th century song“ ankündigt. Die Band präsentiert eine wunderbar gemischte Setlist aus den inzwischen 16 Studioalben. Aus mehr als 200 Liedern mixen sie ein „Best Of“ zusammen. Die Punkband kann es sich erlauben, in der ersten halben Stunde einige Klassiker durchzuknüppeln – man hat ja genug davon!

Die Band, die sicherlich mehrere Generationen von Musikhörern für politische und gesellschaftliche Themen sensibilisiert hat, schafft die perfekte Symbiose aus Ernsthaftigkeit und Spaß – und das in einem irren Tempo. Bloß Sekunden lassen sie den Zuschauern für den Applaus, dann wird wieder losgerockt. Ab und zu streut Graffin mal ein paar persönliche Sätze ein und macht sich über die „cheap seats“ im Oberrang des Capitols lustig. Ansonsten zählen nur die Inhalte in der Musik, auch für die Fans. Einige wenige Smartphones werden gezückt, das Kommunikationsbedürfnis mit den Daheimgebliebenen weicht dem momentanen Erleben mit Freunden und Bekannten neben einem.

Der Abend ist absolut stimmig und nach gut zwei Stunden und vier Zugaben zu Ende. Glückliche und verschwitzte Gesichter gibt es überall, aber dem ein oder anderen wird Greg Hetson doch gefehlt haben. Es hätte eben doch noch wilder, aufregender und spezieller sein können.

Agnes Beckmann

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