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Wieso Sarah Connor besser als je zuvor ist

Konzert in der Swiss Life Hall Wieso Sarah Connor besser als je zuvor ist

Sarah Connor ist zurück auf der Bühne. Am Mittwochabend stellte sie in Hannover ihr Album "Muttersprache" in der Swiss Life Hall vor und zeigte, warum ihr Comeback zu Recht alle Erwartungen übertroffen hat.

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Ist erwachsen geworden: Sarah Connor bei ihrem Auftritt in der Swiss Life Hall.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Als Sarah Connor vor gut zwölf Jahren bei "Wetten dass..." auf die Bühne ging, um ihren damaligen Hit "From Sarah with Love" zu singen, staunte das Publikum hinter Kameras und Fernsehbildschirm nicht schlecht: Ein schwarzer Hauch von nichts umflatterte die blonde Sängerin, kleine Stoffflämmchen verhüllten notdürftig - und das im ZDF.

Entpuppte sich der Teenie-Star jetzt etwa als deutsche Ausgabe der amerikanischen Skandal-Nudel Britney Spears? Doch das sollte ein Irrtum sein. Während Spears ihre Karriere mit Alkohol und Drogen zuverlässig zugrunde richtete, steht Connor heute noch - oder besser: wieder - auf der Bühne. Selbstbewusster und zufriedener als zuvor.

Dass sie einmal deutsche Songs vortragen würde, damit hat die Sängerin aus dem niedersächsischen Delmenhorst selbst nie gerechnet. "Hätte nie gedacht, dass es sowas gibt - Ich singe euch ein deutsches Liebeslied", singt sie gut gelaunt in der ausverkauften Swiss-Life-Hall.

4000 Fans wollen das hören, viele sehen nicht so aus, als hätten sie schon für Sarah Connor geschwärmt, als die noch Titel wie "Let's get back to bed - boy", "Bounce" oder "Living to love you" sang.

Und tatsächlich: Als Connor fragt, wer denn zum ersten Mal auf einem ihrer Konzerte ist, gehen fast bei zwei Drittel der Zuschauer die Arme hoch.

Eine Erklärung dafür zu finden ist nicht schwer. Mit dem Album "Muttersprache" ist Connor im vergangenen Jahr ein Comeback gelungen, mit dem wohl kaum jemand gerechnet hat.

Sarah Connor ist zurück auf der Bühne. Am Mittwochabend stellte sie in Hannover ihr Album "Muttersprache" in der Swiss Life Hall vor und zeigte, warum ihr Comeback zu Recht alle Erwartungen übertroffen hat.

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Von den floskelhaften, englischen Pophits ihrer Teenie-Zeit hat sie sich verabschiedet, jetzt schreibt, produziert und singt Connor selbst - auf Deutsch. Und wirkt dabei nicht nur erwachsener, sondern auch ehrlicher und näher.

Auf der Bühne erzählt sie von ihrer besten Freundin "Pille", der sie das Lied "Meine Insel" gewidmet hat. Sie singt in "Anorak" davon, dass man mit dem Heulen auch mal aufhören muss und sich aus dem alten Anorak befreien, der eh nie ganz gepasst hat.

In "Kommst du mit ihr" klingt die bittere Erfahrung einer Frau heraus, die verlassen wurde, und "Wie geht glücklich" betrauert eine verlorende Liebe - "Liebe ist eben das allumfassende Thema bei mir". Connors Ehe mit Marc Terenzi ging 2010 in die Brüche.

Ihr Song übers Sterben "Das Leben ist schön" soll es sogar in die Top Ten der meistgespielten Lieder auf Beerdigungen geschafft haben. Das sagt sie zumindest. "Ich wusste auch nicht, dass es sowas gibt." Doch die Fans lieben den gefühlvollen Song. Erst muss Connor ihren Gesang immer wieder unterbrechen, um dem zarten Chor aus dem Publikum mehr Raum zu geben, dann schließt die Nummer mit lautem Applaus.

Aber viele ihrer Songs sind hoffnungvoll. Wie "Mit vollen Händen", aus dem man heraushört, dass Connor mit sich und ihrem Leben jetzt im Reinen ist. Das kommt bei den Fans an, vor allem bei den vielen Frauen Mitte 30, die sich selbst zwischen den Textzeilen wiederfinden. Immer wieder enthemmtes Gekreische, das Connor auch mal grinsend mit "Na Leute, wir sind hier doch hier nicht bei Tokio Hotel" kommentiert.

Ihr Stil ist wuchtiger geworden, raumgreifender. Hüllte Connor ihre Soulstimme früher in Funk und verspielten Pop, so begleiten sie jetzt zwei Schlagzeuge und E-Gitarren.

Und selbst die alten Songs, die sie als nostalgische Zeitreise nochmal rauskramt, wirken wie Blättern im Fotoalbum - gleicher Text, reifere Interpretation. Selbst "From Sarah with Love" klingt selbstbewusster als früher. 

Den Tüllfummel hat sie nun allerdings im Schrank gelassen. Besser so. Denn nicht nur Dandyhut und Karohemd passen nun besser zu ihr, sondern auch die Musik.

 Sarah Connor tritt am 27. Mai beim NDR 2 Plaza Festival auf. Karten gibt es in den HAZ-Ticketshops.

Von Isabel Christian

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