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Das Sammelalbum

Terry Hoax bleibt eine Band und meint es „Serious“

Von Uwe Janssen

Stilkunde im Schnelldurchlauf: Terry Hoax bleibt eine Band und meint das „Serious“. Das Album ist ein Sammelsurium von Stilen und Stilfragmenten, von Britrock bis Schmalzballade und Türkpop, melodieverliebt, harmonieselig, hymnisch, detailreich – aber auch ecken- und kantenfrei.
Foto: Im März auf der Bühne: Terry Hoax.

Im März auf der Bühne: Terry Hoax.

© Handout

Hannover. Für viele Exrockbands war es die Entdeckung der Nuller Jahre: das Comeback. Früher mal groß gewesen, zerstritten, Ärger verraucht und dann schön laut die Nostalgieglocke geläutet und den alten Fans Herz und Portemonnaie geöffnet – Genesis hat es getan, Police auch, Queen hat sogar den unersetzlichen Freddie ersetzt. Nur: Der Wille, wirklich wieder eine Band zu sein, kam bei den meisten nicht auf. Platte, Tournee, Kohle, und schon hatte der Spaß ein Ende.

Als die hannoversche Band Terry Hoax – sicherlich zwei Nummern kleiner, aber für die hiesige Rockszene vor 20 Jahren  eine große und wichtige Nummer – vor vier Jahren ihre Wiedervereinigung bekannt gab, ein Album veröffentlichte und Konzerte gab, sah es zunächst nach einer quirligen Spontanidee mit geringer Halbwertszeit aus. Zumal das Comeback sich rund um die Abschiedskonzerte von Fury in the Slaughterhouse abspielte, bei denen die einstigen Weggefährten um Sänger Oliver Perau im Vorprogramm auftraten. Einen Langzeitplan hatte die Band auch damals nicht. „Einfach nur Musik machen“ habe man wollen, sagt Oliver Perau heute. Doch vor allem Perau fand nachhaltigen Gefallen daran, wieder Terry Hoax zu sein. Er schrieb weiter Lieder, die Skizzen wuchsen im Probenraum zu Songs, und irgendwann saß die Band (nach einigen Umbesetzungen) im Peppermint-Studio Hannover und nahm das zweite Album auf. Nun ist es draußen, und so unverbindlich wie der Titel des Rückkehreralbums „Band of the Day“, so verbindlich ist der Name jetzt: „Serious“.

Ernsthaftes Durchhaltevermögen ist die eine, musikalische Identität eine andere Sache. Tatsächlich findet die Band vom ersten Ton an den eigenen Sound. Was vor allem an Oliver Perau liegt und seiner kehlig-schmirgelnden Stimme, die seinen Songs elegante Bedeutsamkeit verleiht und die er seit Jahren konsequenterweise auch in seinem Croonerprojekt als Juliano Rossi einsetzt. Im Pop findet man solche Stimmen selten, Michy Reincke („Taxi nach Paris“) hat so eine, und Take-That-Sänger Mark Owen. Und Perau. Ein Pfund, mit dem man wuchern muss.

So kreist „Serious“ unablässig um diese Stimme, in Songs, die ein Sammelsurium von Stilen und Stilfragmenten sind, von Britrock bis Schmalzballade und Türkpop, melodieverliebt, harmonieselig, hymnisch, detailreich – aber auch ecken- und kantenfrei. Gerade die Gitarren: immer da, aber zu oft brave Begleiter, wo sie auch mal energische Rempler sein müssten. Wer Terry Hoax live erlebt hat, weiß, dass in dieser Band die Sau steckt. Nur raus durfte sie auf „Serious“ nicht. Das wird beim Heimspiel am 23. März im Capitol sicher ganz anders sein.

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