Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur „Parsifal“ bei den Bayreuther Festspielen
Nachrichten Kultur „Parsifal“ bei den Bayreuther Festspielen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:15 01.08.2018
Aufgehellte Stimmung: Parsifal (Andreas Schager, vorn) und Gralsritter in der Schlussszene. Quelle: Enrico Nawrath
Bayreuth

Der Rausch liebt die Dunkelheit. Das mag ein Grund sein, warum sich Uwe Eric Laufenberg nach der diesjährigen Bayreuther „Parsifal“-Premiere zahlreichen Buh-Rufen ausgesetzt sah: Der Regisseur dreht im weiten Zuschauerrund des Festspielhauses das Licht auf, wenn das Orchester am Ende dieses langen Bühnenweihfestspiels flirrend den Klangteppich für einen Weg in andere Welten auslegt und ätherische Chorstimmen aus der Höhe dazu „Erlösung dem Erlöser“ verkünden. Selbst wann man Laufenbergs pseudo-aufklärerischen Blick auf Religionen alles Art folgen mag: Um diesen nun überbelichteten musikalischen Wagner-Glücksmoment ist es schon schade.

Umso mehr, weil der neue „Parsifal“-Dirigent Semyon Bychkov die Musik sehr elegant in Fluss halten und zur richtigen Zeit zum Schweben bringen kann. Das beginnt schon im Vorspiel, das zart und teilweise überraschend detailscharf in die ferne Welt der Gralsritter einführt. Allerdings ist auch hier schon am gelegentlich brüchigen Kontakt zwischen Streichern und Bläsern zu hören, dass Bychkov den Schlüssel, der die spezielle Akustik im Festspielhaus aufschließt, noch nicht gefunden hat. Immer wieder gibt es kleinere Balanceprobleme auch im Verhältnis zur Bühne. Selbst der fabelhafte Chor, von dem man eigentlich nicht genug hören kann, erscheint so gelegentlich zu laut.

Trotzdem hat der Abend vor allem musikalisch viel zu bieten. Allein der liedhaft fein gestaltete Gesang von Günther Groissböck etwa hilft sehr dabei, über die geschwätzige Leere von Laufenbergs Inszenierung hinwegzukommen. Anders als der Regisseur, der mit (zu) vielen Bildern und Symbolen vom vermeintlichen Verfall der Weltreligionen raunt, ist Groissböck als Gurnemanz ein klarer und vitaler Chronist des Geschehens. Er verbindet Textverständlichkeit und musikalische Gestaltung mit dem balsamischen Strömen einer wirklich großen Stimme. In zwei Jahren wird er deren Möglichkeiten noch weiter ausreizen können: Nach vielen Produktionen mit Bassbaritonen wird mit Groissböck 2020 wieder ein echter Bassist den Wotan im nächsten Bayreuther „Ring“ singen. Man kann sich darauf freuen.

Aufhorchen ließ auch Bayreuth-Debütant Tobias Kehrer in seinen kurzen, aber eindringlichen Auftritten als Titurel, Thomas J. Meyer wirkte als etwas zu schmerzverzerrter neuer Amfortas dagegen etwas nervös. Elena Pankratova erscheint trotz fabelhaft offener Stimme als Kundry mit sonderbar theatralischen Gesten und starken russischem Akzent manchmal wie eine Karikatur ihrer Partie. Andreas Schager ist dagegen ein souverän-kraftvoller Titelheld, Derek Welton als Klingsor sein viriler Gegenspieler. Prachtvoll besetzt sind auch die Nebenrollen – unter anderem mit der hannoverschen Mezzosopranistin Mareike Morr als Knappe und Blumenmädchen.

Von Stefan Arndt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Eröffnung der Bayreuther Festspiele mit „Lohengrin“ ist ein Opernereignis mit fabelhaften Sängern, spektakulärer Musik – und einem bewegten Bilderbuch.

26.07.2018
Kultur Bayreuther Festspiele beginnen - „Lohengrin“ im Livestream vom Grünen Hügel

Mit „Lohengrin“ beginnen am 25. Juli 2018 die 107. Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth. Einen wirklichen Skandal gab es auch diesmal nicht im Vorfeld des wichtigsten Deutschen Opern-Festivals. Aber Gründe genug, sich auf den Grünen Hügel zu freuen und sich noch um Karten zu bemühen. Groß sind die Chancen nicht – aber unmöglich ist es auch nicht.

26.07.2018
Kultur 20 Jahre Rechtschreibreform - „Alle sollten richtig schreiben“

Vor 20 Jahren wurde die Rechtschreibreform eingeführt. War das eine gute Idee? Und warum bloß schreiben heute alle falsch? Fragen an Schulbuch-Expertin Andrea Watermeyer.

26.07.2018