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In einem Zug (I)

Podcast-Glosse In einem Zug (I)

Neulich bin ich Zug gefahren. Von Köln nach Hannover. Von einer überschätzten in eine unterschätzte Stadt. Von der deutschen Hauptstadt der Zwangsbespaßung in die 22-Uhr-Licht-aus-Funmetropole.

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Mit mir stieg ein Mann ein, ein Mittvierziger mit karierter Baseballmütze, beigefarbener „Übergangsjacke“ und DDR-Style-Jeans. Er sah aus wie Christian Ulmen in einer Comedy-Doku. Er hatte acht Koffer dabei. Die hatte er in einem Lidl-Einkaufswagen zum Zug gerollt. „Was wollen Sie denn mit acht Koffern?“, fragte der junge Typ, der ihm den Kram in den Waggon hievte. „Ich muss ins Krankenhaus nach Berlin, mir Innendarmgeschwüre weglasern lassen“, nuschelte der Mützenmann. Er roch nach einer Mischung aus Eierlikör und Nivea.

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Ich dachte: Wie lange willst du denn ins Krankenhaus? Bis 2019? Dann fing er an, seine acht Koffer zu verstauen. Das dauerte bis Duisburg. In Duisburg kam der Schaffner. „Hallohallo“, sagte der Mützenmann, „ich muss nach Berlin, mir Innendarmgeschwüre weglasern lassen. Meine Mama ist kürzlich verstorben, ich hatte nie die Zeit dazu.“ Ich konnte plötzlich die Gedanken des Schaffners lesen. Er dachte: Ich hätte damals doch mit Ursula nach Indien gehen sollen. Er sagte: „Hmhmm ...“ Und er sah aus, als würde er gleich weinen, wegen Ursula.

Der Podcast zum Herunterladen:

Der Mützenmann ließ sich in einen Sitz plumpsen. Zur Feier der verstauten Koffer gab’s jetzt Vesper. Er kramte einen in drei Plastiktüten verpackten Porzellanteller hervor. Auf dem lagen sieben Brötchen und ein hart gekochtes Ei. Ich überlegte, was wohl in den acht Koffern war. Noch mehr Brötchen? Christian Ulmens Kamerateam? Oder Mützenmanns Mutter? Ich dachte: „Wenn du jetzt anfängst, dein Ei zu pellen, dann wird einer von uns Hannover nicht lebend erreichen.“ Mützenmann klopfte das Ei gegen das Zugfenster (Teil II nächste Woche). Schönes Wochenende!

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