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Podcast: Das Ding In einem Zug (III)
Nachrichten Kultur Podcast: Das Ding In einem Zug (III)
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18:06 05.08.2011
Von Imre Grimm
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Vor meinem inneren Auge erschienen Mützenmanns Innendarmgeschwüre. Sie sahen aus wie getrocknete Apfelringe. Mützenmann riss sein Salztütchen auf. Jetzt geht das mit dem Ei wieder los, dachte ich, ich will sterben, hier und jetzt, im ICE zwischen Hamm und Bielefeld. Mützenmann schüttete das Salz in seinen Bohnenkaffee to go. Er rührte den Kaffee mit dem Plastikrührer um und trank. Nichts geschah. Er sah aus dem Fenster. Ich fragte mich, ob man Innendarmgeschwüre davon bekommt, wenn man seinen Kaffee mit Salz trinkt. Und ob Mützenmann seine Eier wohl mit Zucker aß.

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Zwei Teenagermädchen mit schwarzen Kapuzenshirts polterten durch den Mittelgang. „Weißt du, wo ich ihn kennengelernt habe?“, fragte die eine. „Im Internet, bei ,World of Warcraft‘.“ – „Bei ,World of Warcraft‘?“, fragte die andere. „Colin und Manu haben sich bei der Love-parade kennengelernt, da war die noch in Berlin.“ Mützenmann schreckte hoch. „Berlin!“, sagte er. „Ich muss nach Berlin.“ „Na denn is ja jut“, sagte das eine Kapuzenmädchen, „Dortmund wär’ jetzt blöd.“ – „Er muss sich Innendarmgeschwüre weglasern lassen“, erklärte die Frau mit den Apfelringen.

Der Podcast zum Herunterladen:

Die Kapuzenmädchen sahen aus, als hielten sie Innendarmgeschwüre für irgendwas Cooles aus dem Internet. „Wow, lasern“, sagte die eine. Der ICE rollte in Hannover ein. Ich packte meinen Kram zusammen, Mützenmann trank gesalzenen Kaffee. Die Bremsen quietschten. Ich stieg aus. Das Letzte, was ich von ihm hörte, war das Ei. Er klopfte es von innen gegen das Zugfenster. Schönes Wochenende!

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Mützenmann klopfte sein hartgekochtes Ei gegen das Zugfenster. Ich beschloss, mich dazu zu äußern. Ich stellte mir vor, wie mir Mitreisende weinend vor Dankbarkeit um den Hals fallen würden. Für einen kurzen Moment fühlte ich mich wie Mahatma Gandhi oder Mutter Teresa oder Shah Rukh Khan oder irgendein anderer Inder in einfacher Kleidung.

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Neulich bin ich Zug gefahren. Von Köln nach Hannover. Von einer überschätzten in eine unterschätzte Stadt. Von der deutschen Hauptstadt der Zwangsbespaßung in die 22-Uhr-Licht-aus-Funmetropole.

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Fakt der Woche: Das koreanische Wort für Hundefutter ist „Kebap“. Aber was ich eigentlich sagen wollte: Es ist Sommer. Sommer erkennt man daran, dass Chefredakteure in Editorials von Magazinen kein Jackett tragen.

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