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Sie nennen es Fußball

Podcast Sie nennen es Fußball

Spüren Sie’s schon, dieses Fieber, die wachsende Vorfreude, den nationalen Taumel, dem dieses Land entgegensteuert, glühend vor Begeisterung für das Sportereignis des Jahres? Nein? Spüren Sie nicht? Ich auch nicht. Stell’ dir vor, es ist Frauen-WM, und keiner guckt hin.

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„Aber es ist in Deutschland!“, schimpft der DFB, „im eigenen Land! WM! W-e-l-t-m-e-i-s-t-e-r-s-c-h-a-f-t! Das muss euch doch interessieren!“ Was soll man da sagen? Die Squash-WM 2011 ist auch im eigenen Land. Und die WM im Standardtanz. Und im Wildwasserkanu. Mein persönliches Sportereignis des Jahres ist die Europameisterschaft im Rückwärtslaufen am 30. Juli in Fürth – kein Witz. Im eigenen Land! Vielleicht hol’ ich mir Tickets.

Aber Frauenfußball? DFB-Chef Theo Zwanziger erzählt dreimal täglich, dass er ein großer Freund des Frauenfußballs ist. Er klingt dabei ungefähr so glaubwürdig wie Angela Merkel, als sie neulich sagte, sie gratuliere zu 50 Jahren „Sportschau“ und freue sich immer auf das „Tor des Monats“. Wenn Angela Merkel auch nur einmal in ihrem Leben eine komplette „Sportschau“ von vorne bis hinten gesehen hat – ich schwöre Ihnen: dann wähle ich beim nächsten Mal FDP.

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Das Ding: Pokal Fußball-WM der Frauen, nicht käuflich

Verstehen Sie mich nicht falsch: Es geht mir nicht um Kaffeeservices, verzerrte Brustwerbung oder Chauvinismus. Ich mag die deutschen Fußballerinnen. Ich fänd’s nur einfach schön, wenn sie nicht Fußball spielen würden. Oder wenn ARD und ZDF sich dazu entschlössen, die Übertragungsgeschwindigkeit technisch um zehn Prozent zu erhöhen und die Sache nicht auch noch von Bernd „Ich war kurz weggesackt“ Schmelzer kommentieren zu lassen.

Wenn ich Frauenfußball sehe, fühle ich mich wie ein Amerikaner, der Herrenfußball guckt. Im Übrigen ist eine Frauenfußball-WM mit Deutschland in Deutschland ungefähr so spannend wie eine Präsidentenwahl in Nordkorea. Die Universität Konstanz begleitet die WM mit einer Veranstaltungsreihe unter dem schönen Motto „Frauen kicken anders“. Besser kann man das Problem nicht zusammenfassen. Schönes Wochenende!

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