Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Eröffnung mit Preisträger Sergei Dogadin
Nachrichten Kultur Eröffnung mit Preisträger Sergei Dogadin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:27 12.10.2018
Joseph Joachim Violinwettbewerb: Eröffnungskonzert mit Sergei Dogadin. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Da braucht es schon den NDR, damit das populärste Konzert des „Teufelsgeigers“ Niccolo Paganini beim spektakulären Geigenwettstreit in Hannover zu hören ist. In all den Jahren hat sich kein einziger Finalist des Internationalen Joseph-Joachim-Violinwettbwerbs Hannover an Paganinis 1. Violinkonzert gewagt (von den anderen fünf Konzerten gar nicht zu reden). Vielleicht hatten sie alle gedacht, dass sie mit den obligaten Fingerübungen des Komponisten innerhalb der Vorrunden schon genug Arbeit gehabt hatten.

Jetzt kam traditionsgemäß der Sieger des vorangegangenen Wettstreits zum Eröffnungskonzert und spielte (auf Wunsch des Radiophilharmonie-Managers Matthias Ilkenhans) Paganinis D-Dur-Konzert. Sergei Dogadin ließ keinen Zweifel daran, dass es ihm nicht um geigerische Akrobatik ging, sondern dass er die Seele im Zirkusgaul sucht. Vorgegeben hat diese Ernsthaftigkeit Gastdirigent Robert Trevino, der die sonst oft arg trivial klingende Orchestereinleitung spielen lässt, als handle es sich um die Ouvertüre einer verschollenen Bellini-Oper - ob man die dann unbedingt ganz würde hören wollen, ist eine andere Frage.

Die NDR-Radiophilharmonie darf Sanglichkeit und Klangsinn beweisen und stimmt so ein auf einen Solopart, der bei allen Kunststückchen doch nach der Kunst strebt. Nicht nur das Seitenthema kann ausschwingen, aber wenn es zur Sache mit den gezupften und den gehauchten Klangeffekten geht, bedient der russische Geiger alle Erwartungen. Dass er die gefürchtet ausufernde Kadenz von Emile Sauret gnädig einkürzte, sei ihm gedankt. Immerhin hat er mit dem Andante espressivo und vor allem im springlebendigen Schlussrondo noch reichlich Gelegenheit, als Sieger dazustehen.

Als Zugabe dann, wenn schon, denn schon, noch einmal Paganini: dessen Variationen über Giovanni Paesiellos komische Oper „La Molinara“, die hörbar eine nicht nur hübsche, sondern auch fröhliche Müllerin ist.

Nach der Pause dann scheinbar der größtmögliche Gegensatz: hier der vordergründig Show-man Paganini, dort der ausholende Sinnsucher Richard Strauss. Aber dessen dreiviertelstündige Tondichtung für sehr großes Orchester „Ein Heldenleben“ verbirgt ja auch ein kleines Violinkonzert. Zwischen Kraftmeierei und der klingenden Karikatur der gackernden „Widersacher“ porträtiert Richard Strauss liebevoll „des Helden Gefährtin“.

Konzertmeisterin Friederike Starkloff intoniert das so geschmackssicher, so zartfühlend und stilvoll, dass man kaum die Strauss-Gattin Pauline darin erkennen mag, die nach Augenzeugenberichten durchaus resolut sein konnte. Darum herum bleibt Robert Trevino dem Stück die auftrumpfende Geste nicht schuldig. Die NDR Radiophilharmonie glänzt, die Instrumentalgruppen nutzen alle Chancen dieser orchestralen Meisterklassenarbeit, die den Bläsersolisten reichlich Gelegenheit gibt, mit Klangkultur und Farbigkeit zu glänzen. Der nach langen Jahren mit diesem Stück in den Ruhestand gehende Klarinettist Franz Bumann greift noch einmal zur Bassklarinette. Und wenn am Ende fast alles gesagt ist, darf Friederike Starkloff noch einmal die Sologeige als Trösterin sprechen lassen.

Starker Beifall für sie, für eine starke Gesamtleistung und für einen gelungenen Auftakt des diesjährigen Joseph-Joachim-Violinwettbewerbs: In Hannover hängt jetzt die nächsten zwei Wochen der Himmel voller Geigen. Und manchmal auch das Fegefeuer.

Von Rainer Wagner

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Komödie im Theater am Aegi eröffnet die neue Spielzeit mit Manon Straché in „Schmetterlinge sind frei“ von Leonard Gershe. Der Applaus am Ende war nur kurz.

15.10.2018

Mit dem Start der Jazz-Woche in Hannover wurde erstmalig ein Konzept für das House of Music vorgestellt. Profi-Musiker sollen dort unter anderem Übungsräume erhalten . Oberbürgermeister Schostok sagte Hilfe zu – und nannte sogar ein Wunschdatum für die Fertigstellung.

11.10.2018

Von Menschen, Maschinen und Musik: Damian Marhulets eröffnet im Sprengel Museum seine Reihe „Brilliant Darkness“

10.10.2018