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00:16 17.03.2019
Guter Übermaler: Bart van Poppel mit einem Höfner Violinbass. Quelle: Foto: Moritz Künster/Monsterpics

Herr van Poppel, was ist so faszinierend daran, sich der Musik anderer Autoren zu verschreiben, statt eigene Songs zu schreiben?

Ich war schon immer ein guter Übermaler. Ich habe in vielen Bands gespielt, viele eigene Songs geschrieben, manche waren sogar Hits in den Niederlanden. Aber ich war dabei immer inspiriert von den Sachen, die ich mochte. Das erste, was ich mit meinem ersten Multitrack-Rekorder machte, den ich der Band Golden Earring abgekauft hatte, war, „God Only Knows“ von den Beach Boys zu rekonstruieren. All das Wissen um Liederrekonstruktionen konnte ich schließlich jetzt für das Beatles-Werk gebrauchen.

Waren die Analogues eigentlich die erste Coverband mit dem Anspruch, keine Beatles-Pilzkopfperückenband zu sein, sondern sich auf die späte komplexe Musik zu konzentrieren?

Nein. Schon die Fab Four machten, was wir machen wollten: Nicht aussehen wie die Beatles, aber tief in ihre Musik vorzudringen. Aber sie benutzten für die Sounds digitale Keyboards. Und das erste was ich dachte, war: Lass uns das richtige Zeug verwenden, die Originalinstrumente. Das ist interessanter.

 Aber auch gefährlich, oder? Diese alten Instrumente sind doch ziemlich empfindlich und zerbrechlich.

Stimmt, es passiert zwar nicht oft, aber manchmal explodieren sie sogar. Beim Jubiläumskonzert des „Weißen Albums“ in Amsterdam im November ging der Motor einer Air-Orgel zu Bruch. Plötzlich war da Qualm und ein stechender Geruch. So mussten wir am Ende bei „Cry Baby Cry“ mit einer Hammond improvisieren.

Welcher Song auf dem „Weißen Album“ hatten Sie am meisten zu kämpfen?

Am Anfang ist alles ein Problem. Hat man die Geheimnisse eines Songs dann herausgefunden, werden sie zahm und spielbar. Am schwierigsten war es wohl, „Good Night“ auszuloten mit seinem Chor und dem orchestralen Gepräge. Das war die Sternstunde von Felix, unserem Neuen. Der ist ein Crooner wie aus dem alten Hollywood.

Hätten die Beatles als Band auch die folgenden Jahrzehnte dominieren können oder waren sie mit dem
„Weißen Album“
tatsächlich am Ende?

Ich denke, sie hatten sich verausgabt. Zwei Platten pro Jahr – mit Ausnahme von 1966, wo es nur „Revolver“ gab. Für mich war „Sergeant Pepper“ der Höhepunkt, danach ging es auf hohem Niveau leicht bergab. Sie veränderten sich, gingen musikalisch eigene Wege. Sie haben sich verzehrt, die Kerze brannte beim „White Album“ an beiden Enden, sie waren bald darauf keine Band mehr.

Zur Person

Bart van Poppel hat 2013 gemeinsam mit Fred Gehring The Analogues gegründet. Die Band, die sich auf Beatles-Songs spezialisiert hat, besteht aus Bart van Poppel (Bass, Keyboards, Gesang), Felix Maginn (seit 2018, Gitarren Gesang), Jac Bico (Gitarren, Gesang), Fred Gehrig (Schlagzeug, Gesang) und Diederik Nomden (Keyboards, Gitarren, Gesang). Am Dienstag, 26. März, spielt sie ihre „White Album“-Show im Theater am Aegi.

Von Matthias Halbig

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