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Region Konzerttipps: Das läuft im April auf Hannovers Club-Bühnen
Nachrichten Kultur Region Konzerttipps: Das läuft im April auf Hannovers Club-Bühnen
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00:15 17.03.2019
Nach 17 Uhr im Dschungel: Mogli ist als Jägerin und Sammlerin auf der Suche nach Leben. Quelle: Mogli
Hannover

In dieser Hannover-Saison der Mega-Konzerte gerät leicht aus dem Blickfeld, dass auch die Club-Bühnen der Stadt ein pralles Programm für vergleichsweise kleines Geld bieten. Kurze Gebrauchsanweisung für diese 17 Tipps: Das ist keine Bestenliste und kein Zeitgeist-TÜV, sondern eine sehr persönliche Sache – wie’n Paar getragene Socken. Wer begründen kann, dass eine Show unbedingt fehlt, meldet sich. Beim Rap – etwa Tight B. – war’s eine Abwägungssache: Wird der halbstark-humorige Sexismus durch Qualität aufgewogen? In diesem Fall: Nein.

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Bobo und Herzfeld, 28.3., Feinkost Lampe

Kein April-Gig, aber eine Nachtrag für den März: Was passiert, wenn Indie nicht mehr Indie genug ist? Dann wird aus Bobo in White Wooden Houses Bobo & Herzfeld. Sängerin Christiane Bobo Hebold hat das Selbertexten einstweilen ausgesetzt und und stürzt sich kopfüber in romantische Fremddichtung. Sie macht Lieder aus Rilkes „Ich leben in wachsenden Ringen“, aus Eichendorffs Wanderlied „Wolken, wälderwärts gegangen“, und sogar „Hoch auf dem Gelben Wagen“ wird zum Post-Pop (Gemerkt? Gelb? Post? Ein Hammerwortspiel!). Es ist keine bessere Begleitung denkbar als die von Theater- und Filmkomponist Sebastian Herzfeld auf seinem präparierten Klavier und anderen Klang(fremd)körpern. Bitte schön, das ist Uber-Indie und angewandter Radikalfeuilletonismus. Worteschleife statt Warteschleife. Besuch besonders empfehlenswert für Kunstgeschichtestudenten auf Jobsuche und Deutschlehrer auf Sinnsuche. Und für alle anderen auch.

Die weiteren März-Tipps finden Sie hier.

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Ozaka Bondage, 2.4., Kulturpalast

Da dödelst du in der Frankfurter Szene so ein bisschen mit Beats, Synthies und einem Saxofon rum. Aber dann, bei der Art Basel, hat plötzlich einer die Idee, die Band Ozaka Bondage in Spiegelkostüme à la Daft Punk zu stecken – und BÄM! Kleider machen nicht Leute, aber sie machen, dass Leute hingucken. Jetzt, so heißt es, bleibt der Spiegelfummel im Schrank, aber sie haben sich was Neues designen lassen. Wird interessant. Oder wie der Name sagt: fesselnd. Video-Tipp: „Secrets“.

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Bars And Melody, 3.4., Musikzentrum

Teenager-Kreisch-Alarm! Rapper Leondre „Bars“ Devries und Sänger Charlie „Melody“ Lenehan haben mal die UK-Show „Britain's Got Talent“ aufgemischt. Die Jungs sind so ein Youtube-Phänomen mit drölf Brilljürden Followern. Der nicht ganz ernst gemeinte Videotipp: „Hopeful“. Live in Bristol im Jahr 2014. Da hatten sie „Britain's Got Talent“ noch nicht gewonnen, und ihre Unschuld (musikalisch!) noch nicht verloren.

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The Gardener & The Tree, 7.4., Lux

Eigentlich ist die Band nichts Besonderes – aber das besonders gut. Der kratzige Indie-Folk-Pop spielt in der Reihe dieser April-Tipps am Mainstream-Ende des Stilspektrums. Aber die Stimme von Sänger Manuel Felder sticht dann schon deutlich heraus. Der knödelt so ein bisschen australisch. Obwohl er mit seiner Band aus der Schweiz kommt. Aus Schaffhausen. Rheinfall statt Reinfall. Der satte Sound der Band sollte ausgezeichnet ins Lux passen. Video-Anspieltipp: „Movin“ vom Heitere-Festival in Zofingen.

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Paul Weber, 8.4., Kulturpalast

Es heißt, Bob Dylan sei eine Inspiration von Paul Weber. Zum Glück (des Autors) hört man das nicht übermäßig deutlich heraus. Die Gemeinsamkeit besteht aus Kerl und Klampfe. Aber wenn Weber der Nobelpreis angetragen würde, er würde ihn bestimmt abholen. Und Dylan gibt der Welt nach Kräften das Gefühl, ihrer überdrüssig zu sein. Weber nicht. Der singt: „Ich bin da für dich, wenn du mich brauchst.“ Dylan würde sich die Zunge abbeißen... Videoanspieltipp: „Heimat“.

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Meadows, 10.4., Centrum (Lindener Markt)

Sänger Christoffer Wadensten aus dem schwedischen Örebro ist schon als Support der Parlotones im Lux gewesen. Jetzt bekommt er seine eigene Show – und zwar im Centrum am Lindener Markt. Und da passt er auch hin. Das kann eines der schönsten Sänger-mit-Klampfe-auf-Barhocker-Konzerte der Saison werden. Wer übrigens die Netflix-Serie „13 Reasons Why“ (deutsche Fassung: „Tote Mädchen lügen nicht“) gesehen hat, wird Meadows Stimme wiedererkennen. Als Videoanspieltip einmal mehr ein Kleinod aus den Hamburger Küchensessions (von 2016): „Dream of You“.

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Mogli, 11.4., Musikzentrum

Mogli heißt eigentlich Selima Taibi. Und sie kommt aus Frankfurt und nicht aus dem Dschungel. Aber ein Jäger und Sammler ist sie vielleicht trotzdem. Und ruhelos. Als Zwölfjährige, so die Legende, ist sie nach der Schule heimlich zum Vorsingen für eine Kinderrolle in die Frankfurter Oper gegangen. Erst als die den Part hatte, hat sie ihrer Mutter, einer Berufsmusikerin, davon erzählt. Zuletzt hat sie mit ihrem Partner Felix Starck einen dieser ghelben amerikanischen Schulbusse gekauft, zum Monstercamper umgebaut und über eine achtmonatige Reise durch beide Amerikas darin eine Doku fürs Kino gedreht. Jetzt kommt sie mit den Songs des Soundtracks ins Musikzentrum. Die Lieger klingt weniger nach Aussteiger-Romantik als nach Einstiegsdroge fürs Genre Folktronica. Betörend. Videoanspieltipp: „Strobe Lights“ aus dem Columbia Theater in Berlin.

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Alice Phoebe Lou, 13.4., Faust 60er-Jahre-Halle

Südafrikanerin aus Kaptstadt, aber auch schon in Paris und Berlin zu Hause gewesen. Sie hat schon mal abgelehnt als Support mit Coldplay auf Tournee zu gehen. Weil sie die Kommerzialisierung nicht mag, so will's die Legende. Es scheint glaubwürdig, wenn man dieses Detail kennt: Alice Phoebe Lou ist zur Waldorfschule gegangen. Hier das Codewort, um Hannovers Waldi-Schläfer-Agenten rechtzeitig zum Konzert zu wecken: Ich schaue in die Welt/I do behold the world (... und: ja, wir auch Codewörter tanzen). Video: „She“ aus dem Silent Green. Das ist ein früheres Krematorium in Berlin. Wow!

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Hot Club de Linden, 17.4., Schenker

Gute Gelegenheit für alle, die das Schenker am Schwarzen Bären noch nicht kennen, den Laden mal auszuchecken. Es gastiert der Hot Club de Linden. Nils Brederlow (Sax), David Mohr (akustische Gitarre), Lars Bernsmann (elektrische Gitarre) und Johannes Keller (Kontrabass) spielen Flott-Jazz à la Django Reinhard, gleichermaßen verschwitzt wie verschmitzt. Video: „Dark Eyes“, live im Bronco's. Das ist ja gleich nebenan beim Schenker.

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Joules the Fox, 19.4., Kulturpalast

Joules the Fox – eigentlich Julia Fuchs – zeigt, dass der Jazz-Rock-Pop-Studiengang an der HMTMH in Hannover nicht nur überqualifizierte Gitarrenanfängerlehrer produziert. Fox/Fuchs hat da (aber auch anderswo) studiert. Jetzt tingelt sie mit den Singer/Songwriter-Balladen ihres ersten Soloalbums „Blue Hour“ (noch) über kleinere Bühnen, nicht selten barfuß. Wahrscheinlich klingen die Lieder nicht zufällig so wie das Gefühl, wenn man barfuß über eine Wiese läuft. Auch mal bei Regen. Und auch mal, wenn’s kalt ist. Video-Anspieltipp: „Casting Shadows“ aus ihrem Leipziger Sofar-Konzert.

Opener des Abends im Kulturpalast ist Eliza Rickman, die mit tremolierender Stimme kleinen, scheinheiligen Arien freien Lauf lässt. Das klingt im ersten Moment manchmal nach Sally Oldfield. Welches Vergnügen, wenn sich aber bald die Erkenntnis einstellt: Rickmann nennt sich ohne Übertreibung eine „Princess that has been through some shit“.

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HAIÓN, 21.4. Béi Chéz Heinz

VW, Daimler, Peugeot, nehmt euch mal ein Beispiel an der Musik!!!1! Es ist doch wirklich nicht so schwer, die Mobilität mit Strom voranzubringen. Während die Autoindustrie mit dem Kabel in der Hand die Steckdose nicht findet, geht die vollektrifizierte Tanzflächenmobilität schon in die vierte, fünfte Generation. So ein ganz neues Ding: HAIÓN aus Osnabrück. Fünf Leute, die ohne Gitarre und Gitarristenpose auskommen. Es groovt, rumst und perlt wie Sau. Der Anspieltipp heißt „Leave“.

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Lion Sphere, 23.4., Lux

Die Berliner Band um Sänger Joel Montagud klingt mal so gar nicht nach Berlin. Viel zu unaufgeregt, zu unangestrengt. Berlin-Pop hört sich sonst so oft irgendwie nach November oder Februar an. Lion Sphere klingt nach Juli, August. Und die Band hat soundmäßig mehr drauf, als die Frisuren vermuten lassen. Folkflausen im und auf dem Kopf, ja. Aber auch Jazz in der Hinterhand und Groove in den Beinen. Videoanspieltipp: „Caravan“, live in den Berliner Emil-Berliner-Studios aufgenommen.

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Omer Klein Trio, 25.4., Jazz-Club

Der Jazz-Club hat im April-Programm viel sehr jazzigen Jazz auf dem Zettel. Nichts dagegen, aber manchmal ist das für Nichtjazzer eine einigermaßen hermetische Veranstaltung. Die hier aber sind ein Tipp für alle Musikfans ohne Stilscheuklappen: das Omer Klein Trio. Klein stammt aus Netanja in Israel, und irgendwie hört man, wie er mit seinen Melodien und Rhythmen die Heimat vermisst. Weil in Jazzkreisen dieses „spielte schon mit...“ so eine große Rolle spielt: Im Fall von Klein sind das zum Beispiel Größen wie Avishai Cohen und Meshelle Ndegeocello. Nach New York hat Klein inzwischen in Düsseldorf ein Zuhause gefunden, wo er auch fürs Theater komponiert. Videoanspieltipp mit Band: „Our Sea“, aufgenommen in der Fattoria Musica in Osnabrück.

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Ryan Sheridan, 26.4., Musikzentrum

Guter Flott-Pop kann so simpel sein. So scheint es. Aber die Leichtigkeit hat sich der Ire Sheridan in Jahren als Straßenmusiker antrainiert. Das Gitarrenspiel ist so perkussiv, dass Schlagzeug eigentlich nie fehlt -praktisch nin der Fußgängerzone. In der Heimat hat er Nummer-eins-Hits. Hier wächst die Polularität jetzt allmählich. Die Show musste wegen der großen Nachfrage vom Lux ins Musikzentrum verlegt werden. Videotipp: „Jigsaw

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Highest Sea, 27.4., Nordstadtbraut

Es gibt diese Bands, bei denen in manchen Momenten das Songwriting nur noch die Kulisse für den Ausdruck einer Haltung ist. Die Berliner Combo Highest Sea um Singer/Songwirterin Leila Zanzibar hat in ihren melancholischen und bis knapp vor der Schwulstgrenze verhallten Liedern solche Momente. Da verschüchtert sich Zanzibar so eindringlich, als hätte sie Angst, sie könnte der Welt zu viel werden. Siehe Video „The Bride of Misfortune“ vom Berliner Torstraßenfestival. Nach Lage der Dinge steht das Zuviel aber nicht zu befürchten. Die Talentspürnasen vom Orga-Team Fake Empire haben die Berliner dankenswerter ins Nordstadtbraut 30167 (E-Damm 87) eingeladen. Gute Gelegenheit, den Laden mal anzuschauen, wenn man noch nicht da war.

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Lalibella, 27.4., Faust/Der Nachbarin Café

Lalibella aus Wolfsburg bringt aus der Autostadt eingängigen und nicht untypischen Frauen-Deutsch-Klampf-Pop mit. Nur, dass die Texte viel besser sind. Echte Geschichten. Echte Typen. Nichts nach dem Böhmermann-Klischee „Menschen, leben, tanzen, Welt“, sondern „Wie ein alter Turnschuh kurz vor Würzburg auf der A 3“. So etwas will ich. Ich kenn die Ecke von früher, wenn ich Kreuz Biebelried nur höre, stellen sich immer noch spontan die Nackenhaare auf. Deshalb ist das auch der Videoanspieltipp: „Kurz vor Würzburg“, eine Sofa-Aufnahme aus Gifhorn.

Von Volker Wiedersheim

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