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Region Rebekka Bakken singt im Theater am Aegi
Nachrichten Kultur Region Rebekka Bakken singt im Theater am Aegi
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14:04 25.03.2019
„Ha!“: Rebekka Bakken im Aegi. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Rebekka Bakken ist keine Musikerin, die einen Song einfach abbricht. Sie wird nicht einmal nervös, als bei ihrem Konzert im Theater am Aegi kurz nach Beginn des neuen Titels „Shelter“ plötzlich ihr Mikrofon ausfällt. Sie stutzt, schlendert rhythmisch zu dem ihres Gitarristen, greift es sich als Ersatz, bis ihr ein neues gebracht wird, singt während des fliegenden Wechsels kurz in beide. Und dann ist Bakken natürlich auch niemand, der einfach weitermachen würde, wenn alles wieder funktioniert. Mitten im Song entfährt ihr ein triumphierendes „Ha!“.

Ausdrucksstark: Rebekka Bakken bei ihrem Auftritt im Theater am Aegi

Die dann folgende Textzeile von „Shelter“ passt gut zur Szene: „A toast to the one I could be.” Bei Bakken scheint jederzeit alles möglich, mit großer Selbstverständlichkeit auf der Bühne und mit ebenso großer musikalischer Offenheit in ihren Kompositionen. Der grandios leichtfüßige und zugleich detailversessene Blues von „Shelter“ enthält Spuren von Funk und Jazz, fährt in Kopf und Körper zugleich. Eine Jazzmusikerin jedenfalls möchte Bakken nicht sein, auch wenn sie immer wieder als solche kategorisiert wird, weil sie sich von zahlreichen Kooperationen innerhalb dieses Szene inspirieren lässt.

Brillante Musiker

Innerhalb der drei Oktaven ihrer klaren, wandlungsfähigen Stimme finden unbeschwerte Pop-Balladen ebenso Platz wie röhrender Bluesrock oder abgründiger Soul. Den 600 Fans im Aegi stellt sie unter anderem Songs ihres neuen Albums „Things You Leave Behind“ vor, die zwar auf ihre urbanen Jahre in New York zurückschauen, aber in der Weite der norwegischen Heimat aufgenommen wurden, ungekünstelt und analog eingespielt mit brillanten Musikern, die auch auf der Bühne beeindrucken – allen voran Ola Gustafsson an der elektrischen Gitarre und Rune Arnesen am Schlagzeug.

Bakken beginnt gleich mit den neuen Stücken, dem kraftvoll souligen „Closer“ zum Beispiel. Oder dem bluesigen „Black Shades“, in dem sie zu komplex rumpelnden Drums und einer betörend pumpenden Orgel ihren ganzen Tonumfang ausreizen kann. Das mit der neuen alten Heimat Norwegen kokettierende „Things You Leave Behind“ fügt all dem noch eine hypnotische Portion düsteres Varieté hinzu. Im melodramatischen „Hotel St. Pauli“ scheinen Element Of Crime gemeinsam mit Velvet Underground über den nächtlichen Kiez zu schlendern, im zwischen sehr langsamem Walzer und Trauermarsch mäandernden „Sound Of Us“ klingt ein wenig Nick Cave an.

Trockener Charme

„Wenn man mit Scheuklappen herumläuft, entgeht einem doch eine Menge“, sagte Bakken einmal über Musikstile. Sie kommentiert ihre Songs auf der Bühne mit trockenem Charme, genießt es dabei sichtlich, vom Publikum gefeiert zu werden und wird nicht müde, auf die Bedeutung ihrer großartigen Band hinzuweisen. Dass sie ein wenig aufgekratzt wirke, liege an dem Antiallergikum, das sie in einer Hamburger Apotheke gekauft habe, sagt Bakken. Das darin enthaltene Pseudoephedrin mache sie unruhig. Doch auch dagegen findet sie während des Konzertes eine pragmatische Alltagslösung: ausreichend Rotwein.

Am Dienstag, 26. März, um 20 Uhr spielen The Analogues die Songs des „White Album“ der Beatles im Theater am Aegi.

Von Thomas Kaestle

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