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Region „Um Himmels Willen, Ikarus!“ als arabischsprachige Produktion
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12:38 25.02.2019
Mohamed El Hagrasy in "Um Himmels willen Ikarus" Quelle: Dieter Kemper
Hannover

„Ich will hier endlich raus“, sagt Moustafa Farag El Banna zu Beginn der ägyptischen Theaterproduktion „Um Himmels Willen, Ikarus!“ in der Theaterwerkstatt. Er sagt es als Ikarus, der seinem Vater Dädalus durch das Labyrinth folgt, in das König Minos beide verbannt hat. Und er sagt es zugleich als junger Schauspieler in Alexandria, von wo aus er für einige Minuten per Videoübertragung live zugeschaltet ist, während Regisseur Ahmed Ezzat Elalfy seine Rolle in Hannover übernimmt.

Die deutsche Botschaft verwehrte dem Studenten für das Gastspiel die Einreise – wegen einer angeblich negativen Rückkehrprognose. „Wir haben uns beim Auswärtigen Amt vergeblich für ihn eingesetzt“, sagt Sabine Trötschel von der Theaterwerkstatt. Dass Künstler nicht nach Deutschland einreisen dürfen, häufe sich seit dem Jahr 2015. Letztlich entscheide die Botschaft vor Ort nach einem persönlichen Gespräch. Trötschel mutmaßt: „Vielleicht wirkte El Banna wegen der bevorstehenden Reise nach Deutschland einfach ein wenig zu glücklich.“

Die Einreisepolitik steht dabei im Widerspruch zur deutschen Außenkulturpolitik. Das Gastspiel wird im Rahmen des Programms „Szenenwechsel“ der Robert Bosch Stiftung und des Internationalen Theaterinstituts gefördert.„Die EU-Staaten haben sich in der UNESCO-Konvention zum Schutz der Kulturellen Vielfalt zur Vorzugsbehandlung von Entwicklungs- und Schwellenländern und zur Unterstützung der Mobilität von Künstlern aus diesen Ländern verpflichtet“, kommentiert Thomas Engel, Direktor des Internationalen Theaterinstituts in Deutschland.

Gerade vor dem Hintergrund zunehmend rigider Einreiseregelungen sei es wichtig, das Publikum auf die schwierige Lage bei internationalen Kooperationen aufmerksam zu machen, sagt Trötschel. Die Theaterwerkstatt setzt sich bereits seit Jahren für den Austausch mit dem arabischen Sprachraum ein. Elalfy eröffnete vor sieben Jahren mit seiner ersten Regiearbeit das erste Arabische Theatertreffen im Pavillon. Er wünschte sich „Um Himmels Willen, Ikarus!“, das die Theaterwerkstatt bei einem Gastspiel in Ägypten auf Englisch spielte, auf Arabisch. Gemeinsam wurde die neue Version erarbeitet.

Neue Perspektiven

Schnell eröffnet die kulturelle Kontextverschiebung neue Perspektiven auf die Beziehung, die Vater und Sohn im Labyrinth verhandeln. Und plötzlich ist das Jugenstück auch kein reines Jugendstück mehr. Plötzlich geht es um Tradition, Freiheit und Verantwortung, um das Einrichten in historisch gewachsenen Situationen. „Gebaut haben unser Labyrinth die vergangenen Generationen“, so Elalfy. Es sei in seiner Kultur fast unmöglich, eine Vaterfigur zu hinterfragen. Seine Gruppe sei aber ohnehin auf sich gestellt, müsse sich selbst finanzieren, gehe Risiken ein. Sie streitet für Erkenntnis und Freiheit vor Ort. Nicht dorthin zurückzukehren, wäre für alle Beteiligten kontraproduktiv

Am Freitag, 29. März, und am Sonnabend, 30. März, zeigt das Boat People Projekt jeweils um 20 Uhr seine Produktion „Schwesternherz“ im Theater im Pavillon.

Von Thomas Kaestle

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