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Region Sprengel-Freunde haben den Erwerb von mehr als 70 Kunstwerken ermöglicht
Nachrichten Kultur Region Sprengel-Freunde haben den Erwerb von mehr als 70 Kunstwerken ermöglicht
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01:15 02.03.2019
Neuerworben und erstmals zu besichtigen – Wilhelm Sasnals beklemmende Impression vor dem Hintergrund des ehemaligen Konzentrationslagers Majdanek. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Beklemmend ist die Leere dieser Fläche. Wären da nicht der harte Schlagschatten des Trekkingrades im Vordergrund und die klare Kontur der Baracken und Wachtürme im oberen Bilddrittel, so würde man darin wohl eine monochrome Fingerübung in Abstraktion erblicken. Doch das Wissen darum, dass der Maler Wilhelm Sasnal dieses Bild unter dem Eindruck eines Besuches im einstigen Konzentrationslager Majdanek entworfen hat, füllt diese Fläche vor dem geistigen Auge des Betrachters mit den Grauen, das sich dort einst zugetragen hat.

Das Werk zählt, ebenso wie zwei weitere Malereien des polnischen Künstlers (Ankauf: 2018), zu den jüngsten Neuzugängen des Sprengel-Museums, auf die dessen Direktor Reinhard Spieler bei einem gemeinsamen Rundgang mit Stefan Becker, dem Vorsitzenden der Sprengel-Freunde, hinweist – einer Museumstour, die einen neuen Blick auf teils auch schon altbekannte Kunstwerke des Hauses eröffnet: darauf nämlich, wie diese dort gelandet sind. Ob die drei Sasnal-Werke in der Oberen Sammlung, ein Objektkunstwerk von Kader Attia (2017) im Untergeschoss oder die sieben metallenen „Mirror Ballons“ (2017) von Jeppe Hein im Calder-Saal: All diese Artefakte sind nur die jüngsten – und erst seit kurzem auch ausgestellten – Neuzugänge in einer langen Reihe von Kunsterwerbungen, die der Freundeskreis, genauer: der „Verein der Freunde des Sprengel-Museums“ finanziert hat.

Schon Dieter Roths kleine Skulptur mit dem bizarren Namen „Portrait of the Artist as Vogelfutterbüste“ (2000) oder das große Raumkunstwerk „Espace basculé“ von Daniel Spoerri (2008) oder auch Bogomir Eckers in der Museumsstraße prangende orangefarbene Riesenohren (2001) wurden mithilfe des Freundeskreises erworben.

„Für das Museum ist der Rückhalt der Sprengel-Freunde ganz entscheidend“, sagt Spieler und erinnert daran, dass der Freundeskreis zur Finanzierung des Erweiterungsbaus ebenso beigetragen hat wie zum Erwerb von Großkunstwerken wie Julian Rosefeldts „Manifesto“-Installation, des Lissitzky-Nachlasses oder des Umbo-Konvoluts. „In Zeiten, da wir nicht mehr über einen sicheren Ankaufsetat verfügen, ist dies besonders wichtig.“

Tatsächlich hat es nach Jahrzehnten ohne einen solchen Etat nur 2016 einmalig je 50.000 Euro von Stadt und Land gegeben; für 2019 hat nur die Stadt 50.000 Euro bereitgestellt. „Das allein würde nur den Kauf junger oder regionaler Kunst gestatten“, sagt Spieler. Um das Haus auch durch den Erwerb hochkarätiger internationaler Kunst auf einem aktuellen Stand zu halten, wäre nach seiner Einschätzung die zehnfache Summe erforderlich.

Umso wichtiger ist der Beitrag des Freundeskreises. Weil der nicht nur Kunstkäufe finanziert, sondern auch Vernissagen und Vorbesichtigungen, Kunstfeste und Kunstreisen organisiert, bekommen die Mitglieder auch etwas zurück. Bisweilen ergibt sich der Kunsterwerb daher auch bei persönlichen Begegnungen mit Kunst und Künstlern. So geht der Erwerb der Sasnal-Werke auch auf eine Polen-Reise des Freundeskreises zurück. Reisen nach Tokio und Moskau, Neapel und Tel Aviv standen bereits auf dem Programm, 2019 geht es nach Edinburgh, 2020 nach Los Angeles. „Am wichtigsten ist für uns die Kontinuität der Förderung“, sagt Spieler. Rund 120.000 Euro jährlich seien in den vergangenen Jahren durch den Freundeskreis mobilisiert worden, sagt Stefan Becker. Damit sei seit Gründung des inzwischen auf 680 Mitglieder angewachsenen Freundeskreises der Ankauf von 70 Kunstwerken ermöglicht worden.

Details zum Freundeskreis unter www.sprengelverein.de

Von Daniel Alexander Schacht

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