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Kultur Russische Nationalphilharmonie im Kuppelsaal
Nachrichten Kultur Russische Nationalphilharmonie im Kuppelsaal
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12:37 08.11.2018
Eingespieltes Team: Vladimir Spivakov und die Russische Nationalphilharmonie bei der Anspielprobe im Kuppelsaal. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Ist das die russische Seele? Mit heiligem Ernst sitzen die Streicher auch dann kerzengerade auf ihren Stühlen im Kuppelsaal, wenn sie gerade nichts zu spielen haben: Man kann schon sehen, dass dieser Pro-Musica-Auftritt eher eine Mission als ein Konzert ist. Die Streicher der Russischen Nationalphilharmonie spielen mit viel Energie und noch mehr Gefühl. Bögen werden energisch gestrichen, kraftvoll sichere Finger bringen die Saiten in allen Lagen zum Vibrieren, alles tönt jederzeit unfassbar voll und groß und rund. Es ist ein Klang wie aus einer anderen Zeit – kaum zu glauben, dass die Nationalphilharmonie erst vor 15 Jahren gegründet wurde.

Oberster Gralshüter ist dabei der 74-jährige Geiger und Dirigent Vladimir Spivakov, der das Orchester seit seiner Gründung leitet. Die Vertrautheit zwischen Musikern und Dirigent ist in Tschaikowskys „Dornröschen“-Suite ebenso zu greifen wie in Igor Strawinskys Tschaikowsky-Hommage „Der Kuss der Fee“: Hier wird ohne jedes Wanken so gespielt, wie man es zuvor gründlich einstudiert hat. Perfekt funktioniert das auch in den drei (!) Zugaben von Schnittke, Schostakowitsch und Chatschaturjan.

Umso erstaunlicher, wie weit der erste Konzertteil mit Tschaikowskys ersten Klavierkonzert von derart goldgerahmter Routine entfernt war. Der Pianist Lucas Debargue, 1990 in Paris geboren, hat eine ungewöhnliche Biografie: Er hat erst mit 20 Jahren begonnen Klavier zu spielen und katapultierte sich durch die Zusammenarbeit mit einer russischen Lehrerin und einen Preis beim Tschaikowsky-Wettbewerb bald unverhofft an die Spitze der jungen Pianistengeneration. Unkonventionell ist auch sein Spiel: Debargue pflegt einen fast improvisatorischen Tonfall, ändert gern Richtungen und Tempi und bringt damit Spivakov am Dirigentenpult mehr als einmal in Schwierigkeiten.

Willkürlich erscheint Debargues Tschaikowsky-Sicht aber keineswegs. Und sein dunkler, aber sehr offener Klavierklang ist ungewöhnlich für einen Steinway, passt aber perfekt zu dem russischen Komponisten, der fast auf den Tag genau vor 125 Jahren starb. So verbünden sich ein alter Meister und ein junger Wilder im Kuppelsaal zur rechten Zeit zu einem faszinierend-überzeitlichen Tschaikowsky-Bild.

Am 20. Dezember spielt die Cellistin Sol Gabetta bei Pro Musica im Kuppelsaal.

Von Stefan Arndt

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