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Kultur Kleists „Penthesilea“ in Salzburg
Nachrichten Kultur Kleists „Penthesilea“ in Salzburg
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00:15 02.08.2018
Ist weniger mehr? Sandra Hüller und Jens Harzer in einer Szene aus „Penthesilea“. Quelle: dpa
Salzburg

Es sind Sätze wie Sinfonien. Wenn Heinrich von Kleist beschreibt, wie die Amazonenkönigin Penthesilea im Kampf wie von Sinnen ihren Geliebten, den griechischen Feldherrn Achilles, tötet, dann tönen auch seine Verse bei aller Präzision wie im Rausch: „Sie schlägt, die Rüstung ihm vom Leibe reißend, / Den Zahn schlägt sie in seine weiße Brust, / Sie und die Hunde, die wetteifernden, / Oxus und Sphinx den Zahn in seine rechte, / in seine linke sie.“ Bei Kleist erwächst das Drama weniger aus der Handlung – es lebt vor allem vom Klang und Rhythmus seiner Sprache. Da kann es kaum verwundern, wenn die Titelheldin von „Penthesilea“ sich nach ihrer halbbewusst begangenen Tat am Ende mit einer allein aus Worten geschmiedeten Waffe selbst tötet.

„Penthesilea“: Die erste Theaterpremiere bei den Salzburger Festspielen

Und darum ist es auch nur konsequent, wenn der Regisseur Johan Simons das lange als unaufführbar geltende Stück als erste neue Schauspiel-Premiere der diesjährigen Salzburger Festspiele in einer radikal reduzierten, allen szenischen Beiwerks entkleideten Version auf die Bühne bringt. Vor allem hat Simons aus dem Erzähldrama, in dem die Ereignisse fast immer von Priestern und Fürsten beider Parteien geschildert werden, ein intimes und direktes Zwei-Personen-Stück gemacht: Sandra Hüller ist Penthesilea, Jens Harzer ist Achilles – mehr ist hier für diese vielleicht sonderbarste aller Liebesgeschichten nicht nötig. Die Bühne ist ein unkenntlich gemachter Nicht-Ort, der nur von einem schmalen Leuchtstreifen ganz vorn beleuchtet wird. Die Kostüme beschränken sich darauf, wenig Stoff effektvoll zu platzieren, es gibt keine Musik, kaum Geräusche – stattdessen: Sprache, Sprache, Sprache.

Da trifft es sich, dass Jens Harzers Stimme bei dieser Aufführung im alten Salzburger Landestheater weitgehend immun ist gegen das dort permanente Knarren der Zuschauersitze, das den Abend aufdringlich begleitet. Seine Partnerin ist oft weniger gut zu verstehen. Packend ist dagegen ihr dezent eingesetztes Spiel: Sandra Hüller, die auch im Kino mit Filmen wie „Toni Erdmann“ und zuletzt „In den Gängen“ kleine Wunder vollbringt, ist Spezialistin für die lässige Hysterie, für schnippische Stärke, für das sachlich servierte große Gefühl. Gemeinsam gelingt den beiden Schauspielstars ein beeindruckender Abend. Um sich wirklich für Kleist zu begeistern, muss man dessen Stück allerdings wohl noch einmal nachlesen. Es lohnt sich.

In der kommenden Saison ist die Salzburger Produktion am Schauspielhaus Bochum zu sehen.

Von Stefan Arndt

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