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00:17 12.10.2018
Sergei Dogadin verabschiedet sich von seiner aus dem Jahr 1765 stammende Guadagini-Geige. Quelle: Heinke
Hannover

„Um die Seele einer Geige zu finden, braucht man letztlich ein ganzes Leben,“ sagt Sergei Dogadin und lächelt. Der Preisträger des Internationalen Joseph-Joachim-Wettbewerbs 2015 hatte dazu aber nur drei Jahre Zeit. So lange durfte er nämlich die aus dem Jahr 1765 stammende Guadagini-Geige spielen. Dieses wertvolle Instrument ist im Besitz der hannoverschen Fritz-Behrens-Stiftung und wird dem jeweiligen ersten Preisträger des hochkarätigen Wettbewerbs für drei Jahre zur Verfügung gestellt. In diesen drei Jahren erlebte die italienische Meistergeige eine Reise durch die Konzertsäle der Welt, verband ihren Klang mit den berühmtesten Orchestern und war für den russischen Geiger eine stets zugewandte künstlerische Partnerin.

Wer ihn in dieser Zeit gehört hatte, spürte schnell, dass zwischen ihm und dem warm klingenden Instrument eine Art Seelenverwandtschaft gewachsen war. Nun aber hieß es Abschied nehmen. Denn die Geige wandert zurück zur Stiftung, um am Ende des diesjährigen Wettbewerbs in neue Hände zu kommen. Aus diesem Anlass gab es ein Abschiedskonzert im idyllisch gelegenen Haus der Fritz-Behrens-Stiftung in Hannover-Wülfel. Ursprünglich sollte noch einmal die Stiftungs-Geige erklingen. Aber sie hatte Konkurrenz bekommen. Im Februar dieses Jahres gewann Sergei Dogadin den ersten Preis des Singapur Violinwettbewerbs. Und der ist ebenfalls mit einer dreijährigen Geigen-Leihgabe verbunden.

Auswählen durfte er dort zwischen mehreren Instrumente. War das schwierig? „Nein, es ist wie bei der Liebe. Du brauchst maximal zwei Minuten, um dich zu verlieben.“ Und es war Liebe auf den ersten Ton. So schnell entschied er sich für die neue Begleiterin, einer 1720 in Venedig gebauten Geige von Domenico Montagnana. Die stellte er nun gemeinsam mit seinem kongenialen Pianisten Mario Häring in einem unkonventionellen Kammerkonzert vor.

Das Duo spielte Werke von Claude Debussy, César Franck, Maurice Ravel und Igor Stravinsky. Erstaunlich, wie das ursprünglich für Barockmusik entworfene Instrument den satten Tonvorstellungen und leidenschaftlichen Zugriffen des Geigers in der hochromantischen Violinsonate von Franck entgegenkam. Aber auch die ausdifferenzierte Klangwelt der Debussy-Sonate oder Strawinskys lebensvolles Divertimento aus der Ballettmusik „Le baiser de la fée“ konnte Dogadin mühelos entfalten. Viel Beifall und Bravorufe für einen bemerkenswerten Abend, der zwei außergewöhnliche Musiker und eine Meistergeige zusammenbrachte.

 Sergei Dogadin wird seine neue Geige auch beim Eröffnungskonzert des Joachimwettbewerbs (Donnerstag, 11. und Freitag, 12. Oktober, um 20.00 Uhr) präsentieren. Da ist er der Solist in Paganinis Violinkonzert Nr. 1 D-Dur, op. 6. Es begleitet die NDR Radio-Philharmonie unter der Leitung von Robert Trevino. Das Konzert findet statt.

Von Claus-Ulrich Heinke

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