Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur So war das Konzert im Gartentheater
Nachrichten Kultur So war das Konzert im Gartentheater
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 14.08.2018
Bunte Vögel: Blockflötist Stefan Temmingh, Sopranistin Dorothee Mields und die Lautten Compagney Berlin im Gartentheater. Quelle: Michael Wallmüller
Anzeige
Hannover

Vielleicht sind sie beleidigt: Die Schwalben, die zunächst noch das Gartentheater Herrenhausen umschwirren, suchen zumindest bald das Weite. Was sollen sie schon ausrichten gegen all das Zwitschern und Gurren, das Tirilieren und Jubilieren, das hier von der Bühne aufsteigt? „Birds – Vögel in der Barockmusik“ ist das Programm überschrieben, das nun die hannoversche Konzertsaison eröffnet hat. Gemeinsam mit der Sopranistin Dorothee Mields und dem Blockflötisten Stefan Temmingh beschwört die Lautten Compagney Berlin dabei tonreich Kuckuck und Nachtigall, den munteren Stieglitz und sogar einen toten Kanarienvogel.

Vogelrufe allenthalben

Führer auf dieser musikalischen Expedition ins Tierreich sind vor allem Antonio Vivaldi, der in seine Konzerte gern ornithologische Elemente integriert hat, und Georg Friedrich Händel, der in Arien wie „Sweet Bird“ auf die Symbolkraft des Federviehs setzt. Der Kuckuck tarnt sich in der dichten Kontrapunktik von Bachs „Kunst der Fuge“, und Jean-Philippe Rameau lässt ein Huhn an die Saiten eines Cembalos picken. Sein Stück aus den „Pièces de clavecin“ erklingt genau wie der mit Vogelrufen geschmückte „Frühling“ aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ in einer Bearbeitung für Kammerorchester und Blockflöte. Die Lautten Compagney um ihren Leiter und Gründer Wolfgang Katschner lässt sich von durch Besetzung und Stilen gesetzten Grenzen auch bei dieser tönenden Vogelschau nicht stoppen.

Interessanteste Entdeckung ist dabei eine kuriose Kantate von Georg Philipp Telemann: Die „Trauer-Music eines kunsterfahrenden Canarienvogels“ lässt es einmal mehr ganz unverständlich erscheinen, wie ausgerechnet dieser unerschrockene Komponist in den Ruf eines langweiligen Vielschreibers kommen konnte.

Die große Kunst der Solisten ist im Gartentheater dagegen eher zu ahnen als zu hören: Der Sopran von Dorothee Mields, der so frei und leicht klingen kann wie bei kaum einer anderen Sängerin, wirkt durch die viel zu direkte Verstärkung wie in einen Käfig gesperrt. Und Stefan Temmingh hat wie auch die Musiker der Lautten Compagney mit der schwierigen Akustik im Freien und der zunehmenden Kälte zu kämpfen, die nicht spurlos an den empfindlichen Instrumenten vorübergeht. „Zum warm werden“ empfiehlt Mields dann auch die zugegebene Telemann-Arie „Mein Vergnügen wird sich fügen.“ Ein Titel, der den Abend bestens zusammenfasst.

Von Stefan Arndt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der 36-jährige Kunsthistoriker mit armenischen Wurzeln hat in Frankfurt und Paris studiert – und kuratiert die bevorstehende Herbstausstellung des Kunstvereins

10.08.2018

Ismar Schorsch, langjähriger Kanzler des Jewish Theological Seminary in New York sowie der Memorial Foundation for Jewish Culture, über deren erste Tagung in Deutschland – und seine familiären Wurzeln in Hannover

13.08.2018

Zurück im die Neunziger: Das Neue Theater zeigt die „Golden Girls“ – mit Fernsehwerbung aus der Zeit.

10.08.2018
Anzeige