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Kultur So war der Auftritt der künftigen Schauspielintendantin Sonja Anders
Nachrichten Kultur So war der Auftritt der künftigen Schauspielintendantin Sonja Anders
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01:15 14.09.2018
Sonja Anders mit Uwe Kalwar, Leiter des Teams Kultur der Region und Regionspräsident Hauke Jagau. Quelle: Foto: Region Hannover/Ulrich Pucknat
Hannover

Ein „Theater der Freude“ hat Sonja Anders, die künftige Intendantin des Staatsschauspiels, jetzt als das Ziel ihrer Arbeit geschildert. „Das klingt vielleicht harmlos, dabei ist Freude aus dem Alltag fast verschwunden, und auf dem Theater ist sie fast verpönt“, sagt die Theatermacherin. Dabei sei Freude ein Affekt, der in lebendigem Kontakt und in Wechselwirkung mit dem Publikum. „Freude wird damit zu einer positiven und durchaus politischen Kraft.“

Freude hat die 53-Jährige, die derzeit noch Chefdramaturgin am Deutschen Theater Berlin unter dem früheren hannoverschen Intendanten Ulrich Khuon ist, damit jedenfalls im Haus der Region ausgelöst – bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt im Rahmen des Kulturempfangs von Regionspräsident Hauke Jagau. Der hatte zuvor die Kulturförderung der Region von immerhin 1,2 Millionen Euro geschildert, und Uwe Kalwar, Chef des Teams Kultur der Region, hat die Bedeutung von sogenannten „dritten Orten“ neben Privatleben und Arbeitsplatz, die Rolle des öffentlichen Raums also, hervorgehoben.

Genau so ein öffentlicher Ort müsse das Theater sein, knüpft Sonja Anders dort an. Das gelte „gerade in Zeiten der Sprach- und Orientierungslosigkeit“, sagt die designierte Intendantin vor den dichtbesetzten Zuschauerreihen im Regionssaal. „Das Theater muss eine Stimme sein, es muss die pluralistische Gesellschaft vernehmen lassen, muss auch die soziale Spaltung zum Thema machen.“

Das klingt sehr politisch, es ist aber ebenso ästhetisch zu verstehen. „Wie jede Kultur ist auch das die Schauspielkunst eine Brückenbauerin, sie spielt eine Rolle in der und für die Demokratie, liefert mit ästhetischer Erziehung eine Antwort auf den Populismus.“

Wie sich solche Ansprüche im Spielplan niederschlagen, wird man erst im nächsten Jahr sehen. Doch einige Akzente setzt die künftige Intendantin schon in ihrer Rede im Regionshaus – sowohl im Umgang mit dem Publikum als auch mit Blick auf die Orte des Theaters in Hannover. Das Theater müsse wieder „ein bisschen das Erzählen“ erlernen, sagt sie, mit didaktischen Partizipationsangeboten müsse man es indes nicht übertreiben. „Das Publikum ist emanzipiert, es nimmt schon teil, indem es zuschaut.“ Und Anders will offenbar auch die Arbeitsteilung zwischen Schauspielhaus und Ballhof aufbrechen: „Ich will mehr Junges in die Prinzenstraße holen, gezielt Jugendliche und junge Familien ansprechen.“

Das lässt eher aufhorchen als einige Selbstverständlichkeiten – dass ihr die Teilhabe aller am Herzen liege, dass sie junges und altes Publikum „verzahnen“ wolle und insbesondere die Arbeit des Jungen Schauspiels schätze, der ja längst bundesweit ein Ruf vorauseilt. Und, ja, auch (innen-)architektonisch will sie nicht alles unverändert lassen. „Ich könnte mir gut einen Kronleuchter im bislang so kahlen Foyer des Schauspielhauses vorstellen.“ Das heißt also, im wörtlichen wie im metaphorischen Sinn, mehr Erleuchtung im Theater.

Von Daniel Alexander Schacht

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