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„Eine merkwürdige Doppelbelichtung“

23 – Nichts ist so wie es scheint „Eine merkwürdige Doppelbelichtung“

Für 23 – Nichts ist so wie es scheint kehrt der Regisseur Christopher Rüping zurück an den Ort, wo sein Weg als Theatermacher begann. Im Interview mit der Spielzeit erklärt der Regisseur das  Stück.

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Quelle: Paul Bower (Illustration)

Hannover. Im Film „23 - Nichts ist so wie es scheint“ geht es um den jungen Hacker Karl Koch, der tatsächlich hier in Hannover bis zu seinem Selbstmord 1989 gelebt hat. Was interessiert Sie daran?

Eigentlich weder die Hackergeschichte noch die Achtziger, sondern die Geschichte eines jungen Menschen, der mit sensiblen Antennen durch sein Leben gegangen ist. Dinge, die mich in diesem Alter ins Theater geführt haben, führen ihn zum Hacken und zu Verschwörungstheorien. Seine Geschichte ist wirklich bemerkenswert in ihrer Stringenz. Er baut sich eine zweite Welt als Flucht oder Ergänzung zur ersten und ist schließlich sogar bereit, sein physisches Leben zu beenden.

Was hat es mit der titelgebenden 23 auf sich?

Die 23 ist ein Schlüsselmotiv in der Romantrilogie „Illuminatus“ von Robert Anton Wilson, die ein maßgeblicher Leitfaden für Karl Koch war. Angeblich lassen sich bedeutende Ereignisse in der Geschichte auf die 23 zurückführen. Jeder Mensch fragt sich zu einem gewissen Zeitpunkt, wie die Welt funktioniert. Die scheinbar überall auftauchende 23 bestätigt unsere Ahnung, dass es eine geheime Ordnung gibt. Bei Wilson ist das der Illuminatenbund, der die Weltgeschehnisse steuert.

Karl Kochs Geschichte wurde von Hans-Christian Schmid verfilmt. Erzählen Sie den Film nach?

Hans-Christian Schmid hat die komplexe Geschichte nach den Bedürfnissen des Films zurechtgeschnitten. Bei uns macht sich jemand in einer theatralen Recherchebewegung auf den Weg und erzählt Karl Kochs Geschichte. Wir versuchen, eine eigene Form zu entwickeln.

Was ist für Sie das Besondere an der Figur Karl Koch?

Er hatte die visionäre Kraft, eine ganze Theorie von virtuellen Identitäten - Avataren - zu entwickeln, zu einer Zeit, als noch niemand eine Ahnung vom Internet hatte. Er hat aus seiner Sicht eine Brücke ins Nichts und aus unserer Sicht eine Brücke zu uns geschlagen. Karl Koch war ein Träumer, ein Weltenerschaffer. Diese visionäre Kraft führt eigentlich zum Kern von Theater - von Theatermachen und Theaterschauen. Es ist auch die Geschichte vom Erschaffen, vom Denken einer Welt. Dafür ist das Theater einfach ein super Medium.

Sie sind Hannoveraner und haben hier im Ballhof als Regieassistent angefangen. Wie ist es, nach zehn Jahren wieder hier an diesem Ort zu sein?

Sehr speziell. Es fühlt sich wie nach Hause kommen an. Was wir anhand von Karl Koch erzählen wollen, ist ja die Geschichte eines jungen Menschen, der sich einen Ort sucht und beginnt, sich an diesem Ort aufzulösen. Seine Geschichte koppelt sich mit meiner Geschichte. In den Räumen, in denen wir jetzt proben, habe ich für mich eine Welt gefunden, in der ich mich aufgehoben fühlte, in der ich das Gefühl hatte, Teil von etwas zu sein, mich selbst erfinden zu dürfen. Heute bin ich noch immer Teil von dieser Welt und kehre jetzt in einer anderen Position zurück an die Orte, an denen das alles angefangen hat. Zusammen mit der Geschichte von Karl Koch ergibt das eine ganz merkwürdige Doppelbelichtung.

Theatertipp

Mit: Lisa Natalie Arnold, Philippe Goos, Mathias Max Herrmann, Daniel Nerlich

Preview: 19. Februar, 19.30 Uhr, Ballhof Eins (Eintritt 15 Euro)

23 – Nichts ist so wie es scheint nach dem Film von Hans-Christian Schmid und Michael Gutmann Premiere: 23. Februar 19.30 Uhr, Ballhof Eins

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