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Geheimnisvolle Wasserwesen

4. Sinfoniekonzert im Staatstheater Geheimnisvolle Wasserwesen

Beim 4. Sinfoniekonzert erklingt die selten gespielte Fantasie „Die Seejungfrau“ des Wiener Komponisten Alexander Zemlinsky. Solist ist der Cellist Maximilian Hornung.

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Maximilian Hornung.

Quelle: MarcoBorggreve

Hannover. Das Stück beginnt in der Tiefe, auf dem Meeresgrund, der lautmalerisch von aufsteigenden Figuren in den tiefen Lagen der Kontrabässe und Celli sowie von Fagotten und der Pauke evoziert wird, und erinnert an den Beginn von Wagners „Rheingold“. Im Kontrast zu dieser zunächst düsteren Seelandschaft hebt sich das von den Violinen gespielte Motiv der Seejungfrau in aller Zerbrechlichkeit ab. Der Logik des Märchens folgend ist die Verbindung zwischen Seejungfrau und Prinz zum Scheitern verurteilt, der tragische Ausgang der Liebesbeziehung absehbar. In seiner Fantasie für Orchester „Die Seejungfrau“ (1902/03) präsentiert der 1871 in Wien geborene Alexander Zemlinsky eine im ersten Satz programmatisch dem Märchen Andersens folgende Illustration der einzelnen Handlungssequenzen. Zemlinsky blieb seinen kompositorischen Prinzipien in diesem Werk für großes Orchester treu und entwickelte sämtliches musikalisches Material aus wenigen Motiven sowie deren Verkettung.

Als Inspirationsquelle für diese Fantasie wird die unglückliche Liebe Zemlinskys zu seiner ehemaligen Kompositionsschülerin Alma Schindler genannt, die kurz nach der Bekanntschaft mit Gustav Mahler - zu diesem Zeitpunkt Direktor der Wiener Hofoper - ihrer leidenschaftlichen Affäre mit Zemlinsky ein Ende gemacht hatte. Als Zemlinsky im Februar 1902 mit der Komposition von „Die Seejungfrau“ begonnen hatte, stand die Hochzeit von Alma und Gustav Mahler kurz bevor. Doch nachdem sich Alma Mahler abfällig über „Die Seejungfrau“ geäußert hatte, distanzierte sich der zutiefst verunsicherte Zemlinsky von diesem Werk, zeit seines Lebens kam es zu keiner weiteren Aufführung. In der laufenden Saison folgen nun weitere wichtige Werke des viel zu selten gespielten Komponisten an der Staatsoper Hannover - am 14. Februar im Rahmen des 4. Kammerkonzerts sowie am 16. April mit der Premiere von „Der Traumgörge“.

Felix Mendelssohn definierte „die Mesailliance“ zwischen Ritter und Wasserwesen als Sujet seiner Ouvertüre „Das Märchen von der schönen Melusine“, die 1834 in London uraufgeführt wurde, und die später zu seiner Lieblingsouvertüre avancieren sollte. Angeregt durch den Besuch einer Melusinen-Oper, widmete sich der Komponist jenem archetypischen Stoff französischen Ursprungs. Zentral für seine Konzertouvertüre war für Mendelssohn die Beschwörung der Atmosphäre des Märchens. So kommt es zu einer Gegenüberstellung der letztlich unvereinbaren Bereiche: der ruhigen Wasserwelt, musikalisch wunderschön in melodischen Motiven der Holzbläser sowie Wellenmotiven der Streicher exponiert und der spannungsgeladenen Menschenwelt.

Eine schwierige Rezeptionsgeschichte war Robert Schumanns Konzert für Violoncello und Orchester a-Moll op. 129 beschieden. Erst nach drei Anläufen fand sich ein Verleger, doch Schumann gelang es nicht, zu Lebzeiten sein Werk zur Uraufführung zu bringen. Inzwischen gilt Schumanns Cellokonzert als eines der bedeutendsten Konzerte für Violoncello. Der Cellist Maximilian Hornung gewann 2007 den ersten Preis beim renommierten ARD-Musikwettbewerb und erhielt 2012 den ECHO Klassik für die „Konzerteinspielung des Jahres“. Im August 2014 gab Maximilian Hornung mit dem Philharmonia Orchestra sein Debüt bei den Salzburger Festspielen und wurde im Oktober 2015 mit dem „Europäischen Nachwuchspreis“ der Europäischen Kulturstiftung ausgezeichnet. Steffi Mieszkowski

Konzerttipp

4. Sinfoniekonzert Felix Mendelssohn Bartholdy Konzertouvertüre »Das Märchen von der schönen Melusine« op. 32 (1833) Robert Schumann: Konzert für Violoncello und Orchester a-Moll, op. 129 (1850) Alexander Zemlinsky: »Die Seejungfrau« (1902/03) Fantasie für Orchester nach dem Märchen von Hans Christian Andersen Solist: Maximilian Hornung (Violoncello) Dirigent: Dirk Kaftan 7. Februar, 17 Uhr 8. Februar, 19.30 Uhr Kurzeinführung jeweils 45 Minuten vor Beginn im Foyer Niedersächsisches Staatsorchester Hannover

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