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Spielzeit Born to be me
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00:00 29.04.2016
Wolf List, Mathias Spaan, Philippe Goos, Carolin Eichhorst und Beatrice Frey in „Demian“ von Hermann Hesse. Quelle: Katrin Ribbe
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Hannover

Hesse hat was: Nobelpreisträger, Indienreisender, Rebell, Kiffer, Psycho-Analyse-Jünger, Lieblingsautor der Hippies. Schon immer war klar: Hesse kann man nur lieben oder hassen. Der ehemalige Schüler der hannoverschen Waldorfschule am Maschsee Joachim Fritz Krauledat, später bekannt als „John Kay“, wanderte nach Amerika aus, nannte dort seine Band nach einem Hesse-Roman „Steppenwolf“ und landete mit „Born to be wild“ einen Welthit. Das muss man erst einmal schaffen: in den 60er-Jahren als toter weißer Mann, dem gerne auch mal der Sprachcharme einer wilhelminischen Benimm-Fibel vorgeworfen wurde, die Teenager zu begeistern und subkulturell hip zu werden. Also mit Hendrix, Janis Jop-­ lin und Jim Morrison in den Pop-Olymp einzuziehen. Das gelingt nur mit jugendrelevanten Inhalten. Und pophistorisch verfrühtem Drogenkonsum. Resultat: über 120 Millionen verkaufte Bücher.

Der Roman „Demian“ wurde 1919 veröffentlicht. Hesse schreibt ihn nach einer großen Lebenskrise und einer psychoanalytischen Therapie. Er selbst ist zu diesem Zeitpunkt Anfang 40, aber reflektiert in „Demian“ seine Jugend.

Die Geschichte beginnt damit, dass Emil Sinclair von Kromer, einem Straßenjungen, wegen einer harmlosen Lügengeschichte erpresst wird. Emil weiß nicht, wie er sich aus dieser Falle befreien soll. Sein Mitschüler Max Demian hilft ihm. Er erklärt, er habe mit Kromer „geredet“. Es klingt, als ob ein Mafioso sagt: „Ich habe ihm ein Angebot gemacht, das er nicht ausschlagen konnte.“ Demian beeindruckt Emil mit seinen Ansichten über die hellen und dunklen Anteile im Menschen und predigt den freien Willen. Jeder müsse selbst entscheiden, was erlaubt und was verboten ist, schon weil sich Regeln mit der Zeit ändern. Demian wird der wichtigste Orientierungspunkt im Leben Sinclairs, der sich auf die Suche nach seinem Ich begibt. Dann bricht der Erste Weltkrieg aus …

Barbara Bürk und Clemens Sienknecht (der in der nächsten Saison in Hannover „Madame Bovary“ inszenieren wird) wurden in diesem Jahr mit ihrer gemeinsamen Inszenierung „Effi Briest - allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie“ zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen. Aber auch in Hannover kennt man Bürks kluge, unterhaltsame Arbeiten schon länger. Unter Wilfried Schulz war sie hier als Hausregisseurin tätig; ihre hannoversche Uraufführung von Lutz Hübners „Hotel Para- iso“ wurde 2005 ebenfalls mit einer Einladung zum Theatertreffen ausgezeichnet.

Bürk begegnet dem „schweren“ Stoff „Demian“ mit spielerischer Leichtigkeit und nachdenklicher Ironie. Unterstützt wird dieser Ansatz von der atmosphärischen Live-Musik Sven Kaisers und der mehrdeutigen Ausstattung Anke Groths. Die Schauspieler Mathias Spaan, Philippe Goos, Carolin Eichhorst, Wolf List und Beatrice Frey nähern sich den Figuren mit einer einerseits einfühlenden, andererseits sehr reflektierten Haltung und zeigen so ganz nebenbei: Es gibt immer verschiedene Blickwinkel. Hartmut El Kurdi

Demian von Hermann Hesse Premiere 8. Mai, 19.30 Uhr, Ballhof Eins anschl. Premierenfeier

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