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Auf der Fahrt ins Ungewisse

Cumberlandsche Bühne Auf der Fahrt ins Ungewisse

In Wolfram Lotz’ Stück "Die lächerliche Finsternis" überlagern sich Joseph Conrads Erzählung „Das Herz der Finsternis“ und Francis Ford Coppolas Film „Apokalypse now“. Die „Spielzeit“ sprach mit Milena Fischer über ihr Regie-Debüt.

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Unterwegs auf dem Hindukusch (von links): Sophie Krauß, Katja Gaudard, Philippe Goos und Mathias Spaan.

Quelle: Katrin Ribbe

Hannover. Wie sind Sie eigentlich auf Wolfram Lotz’ „Die lächerliche Finsternis“ gestoßen?

Milena Fischer: Eine Schauspielerin gab mir für unsere erste „Montagsbar“ in dieser Saison den Prolog des Stücks, die Rede des somalischen Piraten vor dem Hamburger Landgericht. Das war der erste Text, den ich von Wolfram Lotz gelesen habe - und ich fand ihn großartig. Ich habe dann alle Stücke von ihm gelesen, und nach dem ersten Lesen von „Die lächerliche Finsternis“ war mir klar, dass ich den Text auf die Bühne bringen möchte.

Die beiden Bundeswehrsoldaten Pellner und Dorsch fahren an den Hindukusch, der bei Wolfram Lotz ein Fluss ist, hinauf in die Finsternis - die „lächerliche Finsternis“. Was ist diese Finsternis für Sie?

Sie ist erst einmal das Ungewisse, das auch etwas Bedrohliches hat. Sie ist aber auch die Begegnung mit einer Sicht, die alles bisher Geltende ins Wanken bringt und alle Gewissheiten auflöst. Ganz konkret im Stück ist es die Begegnung der beiden Soldaten mit Oberstleutnant Deutinger, der die ganze Mission, „in ein Land zu gehen und Frieden zu bringen, indem man Leute umbringt“, so hinterfragt, dass die Soldaten damit konfrontiert sind, ob es nicht besser ist, sich auf die andere Seite zu schlagen. Zieht man einen Auftrag bis zum Letzten durch oder kann man ihn auf dem Weg abbrechen und eine andere Richtung einschlagen? Und auf welcher Informationsbasis fällt man eigentlich seine Entscheidungen?

Wie gehen Sie mit der Tatsache um, dass das Stück als ein Hörspiel daherkommt?

Ich sehe das als eine spannende Herausforderung an. Es gibt im Text wunderbare Regieanweisungen, die sich auf Geräusche beziehen. Im Endeffekt schlägt sich der Aspekt auch in unserem Konzept nieder. Die Raumsituation spielt damit, inwieweit man einander sieht oder nur hört. Wir erzeugen live Geräusche, und manche Momente leben von der Erschaffung bestimmter Atmosphären durch das Hören.

„Die lächerliche Finsternis“ ist Ihre erste Inszenierung. Wie haben Sie sich vorbereitet?

Ich schöpfe aus konkreten Begegnungen. Ich habe mich mit Bundeswehrsoldaten getroffen, lange mit einem Pfarrer gesprochen und bin weiteren Leuten begegnet, die für mich ein wenig die Vorbilder für einzelne Figuren sind. Ich habe dann auch die Begegnung mit Wolfram Lotz ganz bewusst gesucht, weil mich sehr interessiert hat, was für ein Mensch hinter diesem Stück steht. Er ist sehr klug, und die Begegnung mit ihm hat mich, trotz all des Humors, der im Text zu finden ist, darin bestätigt, ihn sehr ernst zu nehmen. Ich wollte dann auch meinem Team und den Spielern die Begegnung mit ihm ermöglichen. Zu Beginn der Proben war Wolfram Lotz hier in Hannover. Wir haben lange über das Stück gesprochen und dann gemeinsam gegrillt - ganz wie die Eingeborenen, denen Pellner und Dorsch mit ihrem Boot auf dem Hindukusch begegnen.

Die lächerliche Finsternis von Wolfram Lotz

Premiere 13. September, 20 Uhr, Cumberlandsche Bühne anschl. Premierenfeier in der Galerie

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