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„Das Leben ist ein großes Fest“

Niedersächsisches Staatsorchester Hannover: 2. Sinfoniekonzert „Das Leben ist ein großes Fest“

Mit der „Spielzeit“ sprach die Sopranistin Kelly God über die „Vier letzten Lieder“ von Richard Strauss.

Hannover. Frau God, Sie haben oft in Partien von Richard Strauss auf der Bühne gestanden, in Hannover als Marschallin im „Rosenkavalier“. Wie ist Ihre Beziehung zu seiner Musik?

Ich glaube, meine Stimme passt einfach gut zu Richard Strauss. Und ich sehe viele Passagen in seinen Opern wie ein Lied: Ich denke, man soll seine Musik mit einer bestimmten Transparenz singen.

Haben Sie die „Vier letzten Lieder“ schon einmal gesungen?

Ja, zum ersten Mal 2011 in Amsterdam, beim Ballett der „Nationale Opera“ auf eine Choreografie des berühmten holländischen Choreografen Rudi van Dantzig. Da stand ich im Orchestergraben, war also nicht beim Ballett beteiligt (lacht). Die Tänzer brauchten die Musik sehr langsam, was es für mich und die Orchestermusiker manchmal schwierig machte. Das zweite Mal habe ich die Lieder im Konzert gesungen, 2012 in Erfurt unter der Leitung von Walter E. Gugerbauer. Es war ein Traum! Dort konnte ich mich nur auf die Musik konzentrieren und brauchte keine Angst zu haben, dass wir zu schnell sind für das Ballett …

Nun stehen Sie mit dem Orchester auf der Bühne, das Sie als Ensemblemitglied der Staatsoper seit elf Jahren kennen, unter Leitung des Chefdirigenten Ivan Repušic.

Ich freue mich sehr, in „meinem“ Haus, mit „meinem“ Orchester (mit dem ich viele schöne Abende auf der Bühne erlebt habe!) wieder ein Ganzes zu werden. Das konnte ich schon bei den Wesendonck-Liedern von Richard Wagner erleben, die ich hier für das Ballett gesungen habe. Ivan Repuši und ich haben bereits beim „Fliegenden Holländer“ zusammengearbeitet. Ich bin sehr gespannt auf Richard Strauss mit ihm, aber bin mir sicher, dass auch das ein Traum wird!

Wie würden Sie die „Vier letzten Lieder“ jemandem vorstellen, der sie noch nie gehört hat?

Man soll sich auf etwas sehr Schönes, Einzigartiges gefasst machen. Die Lieder legen so viele Emotionen frei, die nicht nur in der Musik, sondern auch im Text liegen.

Richard Strauss schrieb sie am Ende seines Lebens und hat dafür Gedichte gewählt, die sich mit Abschied, Trauer und Tod beschäftigen. Wie geht es Ihnen damit?

Je älter ich werde, umso mehr verstehe ich, was mit den Liedern gemeint ist. Abschied, Trauer und Tod – das alles ist ein Teil unseres Lebens.

Haben Sie ein Lieblingslied oder eine Lieblingsstelle?

Ich habe zwei Lieblingslieder: „Beim Schlafengehn“ auf ein Gedicht von Hermann Hesse und „Im Abendrot“ nach Joseph von Eichendorff. Im Hesse-Gedicht finde ich den Text besonders schön. „Stirn, vergiss du alles Denken, alle meine Sinne nun wollen sich in Schlummer senken ...“ Ich selbst bin eher ein Denker von Natur aus, und wenn ich abends schlafen gehe, kann ich mir das mehrmals vorsagen. Die Bögen und Linien in diesem Lied sind so schön komponiert! Strauss liebte es, lange Bögen zu schreiben; dafür braucht man eine gute Atemführung. Und wie er die Musik komponiert hat zu dem Text: „Und die Seele unbewacht …“ – da spürt man wirklich, wie die Seele sich öffnet!

„Im Abendrot“ ist dann der Abschluss des Zyklus …

Der Anfang des Liedes ist eine Explosion von Farben. Wie der Klang und die Farben dann immer weniger werden, finde ich sehr besonders. Es ist wie das Leben! Man wird geboren, und das Leben ist ein großes Fest. Ein kleines Kind geht meistens singend und tanzend durch die Welt. Und hat man das Glück, alt zu werden, geht das Licht langsam aus … so höre ich das auch in diesem Lied.

Gibt es eine Aufnahme von den „Vier letzten Liedern“, die Sie besonders gern mögen?

Am liebsten höre ich Jessye Norman. Ihre Stimmfarbe und mit welcher Ruhe sie diese Lieder singt, ist wunderbar! Jedes Mal, wenn ich Jessye höre, kommen mir die Tränen.

Interview: Swantje Köhnecke

2. Sinfoniekonzert

Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 67 (1803–08)

Richard Strauss:

„Vier letzte Lieder“ (1948)

„Tod und Verklärung“ Tondichtung op. 24 (1888/89)

Niedersächsisches Staatsorchester Hannover

Solistin: Kelly God (Sopran)

Dirigent: Ivan Repuši

Sonntag, 8. Oktober, 17 Uhr

Montag, 9. Oktober, 19.30 Uhr

Kurzeinführung mit Ivan Repušic jeweils 45 Minuten vor dem Konzert

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