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Das doppelte Spiel des Camill Jammal

„Hiob“ Das doppelte Spiel des Camill Jammal

Camill Jammal spielt dasselbe Stück an zwei Theatern: Am Schauspiel Hannover steht er in Hiob nach dem Roman von Joseph Roth als Menuchim auf der Bühne – am Berliner DT als dessen älterer Bruder. Die „Spielzeit“ sprach mit dem Schauspieler über den Spagat zwischen zwei Regiekonzepten.

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Zweimal „Hiob“, zweimal Camill Jammal.

Quelle: Jeanne Degraa

Herr Jammal, zweimal „Hiob“, ist das nicht verwirrend?

Es ist schon seltsam, die Texte, die man sonst selber gesprochen hat, von jemand anderem zu hören. Ich habe auf den Proben alles immer wieder so im Ohr, wie es die Schauspieler in Hannover sprechen. Die Arbeit an „Hiob“ in Hannover hat mir schon sehr gut gefallen. Aber ich kann das bei einer neuen Inszenierung natürlich nicht einfach nachmachen. Außerdem ist der Roman so toll, dass ich bei der Produktion in Berlin unbedingt dabei sein wollte. Es wird viel über Glauben, Familienstrukturen und Immigration erzählt. Und das mit einer wahnsinnig tollen Sprache. Es ist eine Riesenfreude, das zu lesen und zu spielen.

Sie befinden sich also zwischen zwei Regiekonzepten …

Ja, eigentlich kommt noch ein drittes hinzu, die eigenen Ideen, die man als Schauspieler mit in die Arbeit einbringt. Regisseur würde ich selber nicht sein wollen. Bei „Hiob“ in Hannover bin ich auch viel mit der Musik beschäftigt. Der erste Teil ist sehr filmisch und klar. Ich bin zwar auf der Bühne, aber nicht im Film zu sehen; ich begleite diesen Teil musikalisch und mache die Geräusche des Kindes, durch dessen Augen das Publikum die anderen auf der Leinwand sieht.

War es von vornherein klar, dass Sie lange nicht auftreten, der Zuschauer die Geschichte aber durch Ihre Augen sieht?

Das ist sehr lustig, weil ich in Hannover mit der Rolle des Schemarjah angefangen habe zu proben, die ich jetzt in Berlin spiele. Die Rolle des behinderten Kindes war zunächst gar nicht vorgesehen. Aber nach einer Woche haben wir entschieden, dass es diesen behinderten Sohn geben muss und er auch Musiker sein sollte - das passte gut, da ich zu dieser Zeit anfing, mehr als Live-Musiker zu machen. Wir haben meine Rolle dann getauscht. Es wurde spontan ein Gast engagiert, der meine zuvor zugeteilte Rolle übernommen hat. Das war Jonas Steglich, der jetzt fest im Ensemble ist.

Wie kam es zu Ihrem Weg von der Leine an die Spree?

Beruflich war ich in Hannover sehr glücklich, wollte aber mehr Musik machen und drehen. Und ich wollte mehr Zeit für mich haben, weil ich, seit ich mit 16 die Schule abgebrochen habe, im Theaterstrudel drin bin. Ich ging direkt an die Schauspielschule und dann in zwei Festengagements. Im letzten Jahr hatte ich viele Gastengagements, unter anderem „100 Sekunden“ mit Christopher Rüping am DT. Das war so eine schöne Arbeit; ich hab mich dort wohl gefühlt und gemerkt, dass mir eine Form von Ensemble fehlt. Dann bekam ich das Angebot vom DT, hab mich gefreut und unterschrieben. Jetzt wohne ich in Berlin. Leider habe ich immer noch keine Wohnung und wohne bei meinem Onkel im Keller. Das ist echt kein Dauerzustand, aber es ist sehr schwer, etwas zu finden. Falls jemand also irgendwas weiß - bitte unbedingt melden!

Interview: Natalie Köhler

  • „Hiob“ in Hannover: 29. April und 10. Mai, jeweils 19.30 Uhr, Schauspielhaus; „Hiob“ in Berlin: 1., 9. und 24. April, Deutsches Theater
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