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Der Zickenkrieg wird zum Piano-Battle

Schauspielhaus: Neujahrskonzert Der Zickenkrieg wird zum Piano-Battle

Zum dritten Mal in Folge gastieren die Queenz of Piano am 1. Januar zum Neujahrskonzert im Schauspielhaus. Diesmal präsentieren die beiden Klavier-Königinnen Anne Folger und Jennifer Rüth nun ein Best-of-Programm. Mit der „Spielzeit“ sprachen sie über ihr Klavierspiel und die Belastbarkeit des Flügels.

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Quelle: Felix Groteloh [p h o t o w o r k]

Hannover. Sie beide sind Pianistinnen, die ihr Handwerk verstehen, aber auch ein bisschen mit ihrer Kunst spielen. Zumindest sieht es auf der Bühne sehr spielerisch aus. Aber in Wahrheit steckt harte Arbeit dahinter, oder?

Anne Folger: Wir haben auf jeden Fall geprobt.

Mal ehrlich: Wie viele Stunden stecken dahinter?

Jennifer Rüth: Wir haben beide mit sechs angefangen, Klavier zu spielen und schon als Jugendliche zwei bis drei Stunden täglich geübt. Während des Studiums war es dann oft auch der ganze Tag. Davon profitieren wir natürlich heute. Wenn wir jetzt ein neues Programm erarbeiten, dann ziehen wir uns zurück, besuchen uns gegenseitig und üben den ganzen Tag zusammen. Da kommt schon einiges zusammen.

Sie sind also in unterschiedlichen Städten zu Hause?

Folger: Ja, ich in Freiburg und Jennifer in München. Wir sind beide absolute Fans unserer Heimatstädte und leben gern dort. Wenn eine von uns beiden plötzlich darauf verzichten müsste, dann wäre das einfach doof.

Und das funktioniert?

Rüth: In München können wir an der Musikhochschule üben, und in Freiburg haben wir uns in ein Studio eingemietet. Außerdem kennen wir ein nettes Klavierhaus in Bonn, die lassen uns immer proben. Und manchmal ziehen wir uns für ein, zwei Wochen auf Schloss Hasenwinkel nach Mecklenburg zurück, um dort in aller Gemütsruhe unser neues Programm zu proben.

Wie muss man sich Ihren Auftritt vorstellen? Es spielt ja auch Kabarett mit hinein, manchmal fetzen Sie beide sich richtig am Klavier. Stichwort: Piano-Battle.

Folger: Das stimmt, ein Piano-Battle gehört zum Programm, aber wir brechen das natürlich. Wir spielen nicht nur schnelle, virtuose Stücke, sondern auch gefühlvolle, langsame Sachen, die sehr reduziert sind. Am Ende streiten wir uns dann in Liszts „Ungarischer Rhapsodie“ um den vorderen Platz, weil man da vom Publikum besser gesehen wird, und führen einen regelrechten Zickenkrieg auf.

Im Laufe der Show kommt sogar ein Milchschäumer zum Einsatz. Was hat es damit auf sich?

Rüth: Wir versuchen, den Flügel ganzheitlich einzubeziehen, weil wir eben auch viele nicht-klassische Stücke spielen. Mit so einem Flügel lässt sich ganz viel anstellen - nicht nur Klavier spielen. Man kann alle möglichen Sounds daraus hervorlocken. Wenn man zum Beispiel nur die Saiten zupft, dann klingt das wie eine bayerische Zither. Bei „Brazil“, einem Samba-Klassiker, spielen wir mit einem Shaker. Der Milchschäumer kommt beim griechischen Sirtaki zum Einsatz. Er imitiert die Bouzouki, ein mandolinenartiges griechisches Instrument. Das ist immer so ein kleines Highlight ganz zum Schluss.

Da zuckt man als Laie erst mal zusammen, denn man hat ja so eine Art Hochachtung vor dem Flügel - und plötzlich diese Herangehensweise, geradezu lässig …

Rüth: Das werden wir öfter mal gefragt. Also, dem Flügel passiert da nichts. Das haben wir uns auch von einem Klavierbauer bestätigen lassen. Wir hatten sogar mal die Vertriebsmanagerin von Steinway bei uns im Konzert in Hamburg. Die war danach ganz entspannt und meinte, dass wir sie gern wieder anrufen dürfen, wenn wir wieder in der Stadt sind.

Sie haben es auch mal mit einer elektrischen Zahnbürste versucht, aber die konnte offenbar nicht überzeugen.

Folger: Die hat nicht so gut geschwungen auf den Saiten, da war der Milchschäumer besser, ja.

Zum Musikrepertoire: Sie sind klassisch geprägt, doch Ihr Programm lebt darüber hinaus von einer bunten, vielfältigen Stilistik. Ist das auch Musik, die Sie selbst mögen?

Rüth: Wir selbst hören neben der Klassik auch ganz viel Popmusik und haben das dann auch in unser Programm integriert. Zum Beispiel spielen wir „Thriller“ von Michael Jackson als Klavieradaption. Oder auch Filmmusik wie „Mission Impossible“ und „Die glorreichen Sieben“ mit ganz unterschiedlichen Stilistiken.

Und zwischendurch gehen Sie in den Baumarkt und schauen, was sich vielleicht noch gebrauchen lässt?

Folger: Ja, wir haben noch andere Spielereien im Repertoire, zum Beispiel einen Chipsdeckel. Mit dem streicht man so über die Stimmstöcke, und dann klingt das wie ein Waschbrett. Außerdem gibt es noch eine Kette, die legt man auf die Basssaiten, und dann schwingt sie mit. Das hat dann einen arabischen Klang, weil es so schnarrt. Oder wenn man Kämme so in die Saiten steckt, dass sie den Klang anders abdämpfen, dann erzeugt das den Klang eines Cembalos.

Jetzt müssen wir natürlich noch über das aktuelle Programm sprechen. Was erwartet denn das Publikum am 1. Januar?

Rüth: Schöne Musik an zwei Flügeln. Musik, die für sich spricht. Zum Beispiel leidenschaftliche Tangos von Astor Piazzolla. Dann - hoffentlich witzige - Moderationen, bei denen wir uns die Bälle hin- und herschieben. Es sind auch zweistimmige Gesangsnummern mit dabei. Also, es ist ein Klavier-Entertainment-Abend.

Queenz of Piano: Best of Ein Entertainmentkonzertan zwei Flügeln Gastspiel 1. Januar 2016,20 Uhr, Schauspielhaus

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