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Spielzeit Die Auflösung feiern
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00:06 29.09.2017
The Show must go on: Hagen Oechel, Hannah Müller, Katja Gaudard, Henning Hartmann und Sebastian Weiss vom “Entertainer”-Ensemble Quelle: Katrin Ribbe
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Hannover

Der britische Dramatiker John Osborne benutzt den Niedergang der populären Kunstform Music Hall als Metapher für den Niedergang eines Zeitalters. Das Stück spielt 1956. Ein Jahr später wird es am Royal Court Theatre uraufgeführt. 1956 ist ein Schlüsseljahr in der Geschichte des 20. Jahrhunderts: Die berühmte Rede Chruschtschows auf dem 20.Parteitag, die Ereignisse in Algerien, Ungarn und Polen, die Bürgerrechtsbewegung in den USA und eben die Suezkrise fallen in dieses Jahr. Das Stück spielt vor dem Hintergrund der Suezkrise, die als der Anfang vom Ende des Britischen Empires gilt. Osborne erzählt so eigentlich einen dreifachen Niedergang – den des britischen Weltreiches, der Music Hall und der Familie Rice.

Der Entertainer Archie Rice und sein Vater Billy haben noch die große Zeit der Music Hall erlebt. Doch jetzt? Die Music Hall liegt im Sterben, und dieser Niedergang ist für Osborne viel mehr als das Verschwinden des populären Showformats. Als die Tochter Jean zu Beginn des Stückes aus London in die heimatliche Provinz nach Hause kommt, kämpft ihr Vater Archie mehr schlecht als recht um das Überleben seiner Show. Jedes Mittel scheint ihm recht zu sein. Archie war Zeit seines Lebens kein Kostverächter. Seine Frau Phoebe hält geduldig aus. Jean, die am Trafalger Square an Antikriegsdemonstrationen teilgenommen und sich darüber mit ihrem Verlobten entzweit hat, ist dieses Leben fremd geworden.

Osborne zeichnet eine Welt, in der sich Familienstrukturen in Dekadenz und Alkohol auflösen. Als während der Suezkrise einer von Archies Söhnen im Kampfeinsatz in Ägypten umgebracht wird, zerbricht die Familie völlig. Am Anspruch, die Show zu retten und trotzdem das private Glück zu suchen, geht Archie zugrunde.

John Osborne greift in Struktur und Dramaturgie des Stückes die alten Showformate der Music Hall auf: Eine Revue, ein Sketch, Nummer reiht sich an Nummer – bis zum Finale. Und was macht mehr Spaß, als den Verfall lustvoll zu zelebrieren? Deshalb gibt es in der hannoverschen „Entertainer“-Version natürlich zwei Showtreppen, eine Band, Tänzerinnen und eine Gruppe von herausragenden Darstellern, die die Familie Rice jeden Abend aufs Neue zum Leben erwecken. Johannes Kirsten

Der Entertainer

von John Osborne mit Musik von John Addison

Premiere: 21. Oktober, 19:30 Uhr

Schauspielhaus

anschl. Premierenfeier

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