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„Die Kunst lebt!“

Staatsoper Hannover: Generalmusikdirektorin Karen Kamensek. „Die Kunst lebt!“

Die „Spielzeit“ sprach mit Karen Kamensek über ihre Amtszeit als Generalmusikdirektorin an der Staatsoper Hannover.

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Hört als Generalmusikdirektorin auf: Karen Kamensek.

Quelle: MAVERICK

Hannover. Frau Kamensek, Ihre Amtszeit als Generalmusikdirektorin geht zu Ende, das letzte große Konzert steht vor der Tür. Was waren für Sie die Höhepunkte in Hannover?

Als Erstes fallen mir die Neujahrskonzerte ein. Die sind so etwas wie mein Markenzeichen geworden. Als ich hier anfing, sagte ich mir: kein reines Strauß-Programm zu Neujahr! Und so entwarf ich mein erstes, ziemlich unkonventionelles Neujahrskonzert. Ehrlich gesagt, ist es das aufwendigste Konzert des Jahres - zumindest in der Vorbereitung! Ich suche die Musik selbst aus. Mein Orchesterdirektor Joachim Schwarz und der Chefdramaturg Klaus Angermann haben immer gute Tipps parat.

Gibt es sonstige Highlights? Im Bereich der Oper?

Als GMD eines deutschen Opernhauses steht fast jede Woche ein Highlight auf dem Programm, der Adrenalinpegel bleibt also konstant hoch. Ich bin außerdem ein Mensch, der nicht gern zurückblickt. Ich mache ein Projekt und lasse dann los. Dennoch möchte ich zwei Produktionen hervorheben: Brittens „Ein Sommernachtstraum“ - hier stimmte einfach alles, und die Chemie im ganzen Ensemble war einfach wunderbar - und Bernsteins „Candide“. Es hat Spaß gemacht, zusammen mit dem Orchester auf der Bühne zu stehen und ins Geschehen integriert zu sein. Alle haben an einem Strang gezogen.

Und der „Freischütz“?

Den „Freischütz“ habe ich auch genossen, und zwar die ganze Arbeit. Am Montag nach der Premiere kam ich zur Arbeit und außen an meinem Fenster im Opernhaus klebten Eier. Da wusste ich: Jetzt bist du angekommen, jetzt hast du dir in der Kunstwelt endgültig einen Namen gemacht. Ich sah es als Zeichen dafür, dass die Kunst lebt - sie war Stadtgespräch!

Was bedeutet Ihnen Hannover?

Hannover war für mich die Stadt, auf der der Fokus meiner Arbeit lag. Mein Zuhause war Hamburg, wo mein Mann und mein Hund leben. Es erinnerte mich immer ein bisschen daran, wie ich in Brooklyn lebte und in Manhattan arbeitete - die Fahrzeiten sind vergleichbar. Diese Zweiteilung hatte jedenfalls eindeutig ihr Gutes: ich konnte dadurch hier in Hannover äußerst konzentriert arbeiten! Es haben also beide Seiten profitiert, das Berufliche und das Private. Ich habe übrigens einige sehr wertvolle Freundschaften hier in Hannover geschlossen, die ich auch weiterhin bei meinen regelmäßigen Besuchen pflegen werde.

Was für Erfahrungen haben Sie mit dem Publikum in Hannover gemacht?

Am Anfang war da eine große Neugier von beiden Seiten. Dass eine Frau als GMD am Pult stand, war nur zu Beginn ein Thema. Mit meinem ersten Neujahrskonzert habe ich das Publikum dann erst einmal schockiert. Aber mit der Zeit ist das gegenseitige Vertrauen immer größer geworden, und ich habe das Gefühl, dass wir die unsichtbare Wand, die oft zwischen Publikum und Bühne oder Orchester besteht, fast permanent durchbrochen haben. Die Leute haben sich an meinen Humor gewöhnt und festgestellt - unter anderem in den Konzerteinführungen -, dass ich sehr geerdet bin. Den Mythos vom Maestro als Herrscher halte ich für überholt.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Jahrelang war ich fest engagiert, an der Volksoper Wien, am Theater Freiburg, an der Hamburgischen Staatsoper und zuletzt an der Staatsoper Hannover. Jetzt genieße ich es erst einmal, weniger administrative Verantwortung tragen zu müssen und mich ausschließlich der Musik widmen zu können. Viele spannende Projekte warten auf mich, unter anderem in Skandinavien, Spanien und Frankreich. Auch im „Cross-over“-Bereich gibt es Neues. So werde ich die von Mats Larsson Gothe neu komponierte Musik zu dem schwedischen Stummfilm-Klassiker „Körkarlen“ uraufführen sowie zur Eröffnung des Weltmusikfestivals in Oslo das Norwegian Radio Orchestra dirigieren. Außerdem möchte ich weitere Sprachen lernen und zu Hause den Stapel Bücher lesen, der sich bei mir aufgetürmt hat. Und obwohl mein Repertoire schon groß ist, möchte ich natürlich auch viele neue Stücke dazulernen. Eines genieße ich jetzt schon: meinen Terminplan endlich freier gestalten zu dürfen, sowohl in künstlerischer als auch in privater Hinsicht!

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