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Die Stellvertreter-Ehe

Theater für Niedersachsen: Effi Briest Die Stellvertreter-Ehe

Mit einer eigenen Bühnenfassung von Theodor Fontanes Romanklassiker Effi Briest ist das TfN in Wunstorf und in Langenhagen zu Gast.

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Standesgemäß, aber fad: Baron von Innstetten (Martin Schwartengräber) und die junge Effi (Lilli Meinhardt).

Quelle: falk von traubenberg

Hannover. Effis Schicksal berührt uns bis heute. Die Regisseurin Petra Wüllenweber zeigt in ihrer Dramatisierung des Fontane-Stoffes, dass der 120 Jahre alte Roman weder verstaubt noch langweilig ist. „Die Geschichte hat Fontane vor dem Hintergrund einer untergehenden Welt der preußischen Gesellschaft geschrieben. Mich hat daran interessiert zu untersuchen, wieweit sich diese Regeln, Rituale und Ehrvorstellungen erledigt haben und welche Verhaltensmuster noch heute aktuell sind“, sagt Wüllenweber über ihren Zugriff auf das Thema. Gewiss ist das Frauenbild heute ein anderes als zur Fontanezeit. Aber auch heute gibt es Ehen, die nicht aus wahrer Liebe, sondern aus Repräsentationsgründen geschlossen werden, sowohl bei Frauen als auch bei Männern.

Schon Effis Mutter heiratete trotz großer Zuneigung nicht Innstetten, sondern entschied sich für den gesellschaftlich arrivierten Briest. Ihre Tochter macht es ihr nun zwanzig Jahre später nach. Nicht Vetter Dagobert wird von Effi erwählt, sondern der viel ältere Geert von Innstetten, der inzwischen gesellschaftlich einen guten Stand hat. So führt sie praktisch eine „Stellvertreterehe“ für ihre Mutter. Dass das nicht gut geht, wissen die Leser von Fontanes Meisterwerk.

In ihrer Bühnenbearbeitung hat Petra Wüllenweber auch noch ein weiteres, höchst aktuelles Problem freigelegt, das sie bei Fontane gefunden hat: Viel zu oft handelt der Mensch nicht so, wie er es im tiefsten Innern seines Herzens gern tun würde, sondern wie er meint, es tun zu müssen, um im Freundes- oder Bekanntenkreis akzeptiert zu werden. Daran zerbricht am Ende nicht nur die isolierte Effi. Ihre Eltern und Innstetten werden zwar gesellschaftlich geachtet, sind aber innerlich leer und unglücklich. Eine sehenswerte Theaterversion.

Gerd Muszynski

Am 16. Mai im Stadttheater Wunstorf, am 17. Mai im Theatersaal Langenhagen. Karten auch unter www.tfn-online.de.

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