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Spielzeit Die Weisheit des Körpers
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00:05 29.09.2017
Verknüpfen Traditionslininien: Yumiko Yoshioka und Minako Seki. Quelle: Peter Piontek
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Hannover

Behutsam umkreisen sich ihre Hände, tastend und zugleich vertraut. Zwei Körper, die sich langsam aufrichten, zur Seite neigen und ihre Mitte finden. Ein Paarlauf zweier Frauen, die eine Zeit lang gemeinsam auf der Bühne standen - im Ensemble der ersten deutsch-japanischen Butoh-Gruppe Tatoeba - Théâtre Danse Grotesque - und die anschließend eigene Wege gingen. 1991 war die Butoh-Gruppe mit den Tänzerinnen Minako Seki und Yumiko Yoshioka bei Commedia Futura in der Eisfabrik zu Gast und wurde mit stürmischem Beifall gefeiert.

Noch heute schwärmt Commedia-Chef Wolfgang A. Piontek von diesem Applaus. „Das war damals etwas ganz Neues. Wir waren die Ersten, die Butoh in Hannover und vermutlich auch niedersachsenweit gezeigt haben.“ Der Kontakt zu den Künstlerinnen blieb erhalten, nun bringt Piontek die Tänzerinnen auf der Bühne wieder zusammen. „Two“ heißt die Performance, die er gemeinsam mit den beiden erfahrenen Künstlerinnen erarbeitet. „Es geht um Körperbilder, in denen sich die Geschichten dieser beiden Frauen spiegeln. Denn diese Körper haben enorm viele Emotionen gespeichert, ihre Reife ist ein besonderer Schatz.“

Die Weisheit des Körpers als Markenzeichen: Dabei ist das Alter von Tänzerinnen meist ein Tabu - und ein Karrierekiller. Die beiden Butoh-Tänzerinnen hingegen gehen offensiv mit ihren Lebensjahren um. „Ich bin 56 Jahre alt. Und das ist für mich auch ein gesellschaftspolitisches Bekenntnis“, betont die in Berlin lebende Künstlerin und Dozentin Minako Seki. „Butoh ist ein Tanz des Lebens. Er entsteht im Augenblick und er verbindet Körper und Geist.“ Yumiko Yoshioka stimmt ihr zu: „Der Tanz umfasst das Dasein, er geht in die Tiefe und ist Teil der Ganzheit.“ Mit ihren 64 Jahren steht die grazile Tänzerin und Choreografin regelmäßig auf internationalen Bühnen.

Minako Seki und Yumiko Yoshioka gehören zu den Pionierinnen des Butoh-Tanzes in Europa. Diese theatrale Tanzform entwickelte sich in Japan nach dem Zweiten Weltkrieg und knüpft an die Tradition des Ausdruckstanzes an, die in Deutschland entstanden ist. Zu den Wegbereitern gehört die Tänzerin, Choreografin und Tanzpädagogin Mary Wigman, die 1886 in Hannover geboren wurde. In den 1920er-Jahren eröffnete sie in Dresden eine Schule für modernen Tanz und prägte diese Entwicklung maßgeblich.

Im modernen Japan blieb Butoh lange Zeit Männersache, in Europa hingegen konnten Frauen in den vergangenen Jahrzehnten eigene Traditionslinien des Butoh begründen. Wie sich zwei dieser Spielarten des Butoh zusammenbringen lassen, ist bei Commedia Futura in der Eisfabrik zu sehen. Die Musik steuert Michio von der Cooperativa Maura Morales bei.

„Mit Schattenbildern, die wir mit Video-Designern entwickeln, führen wir unser Publikum auch in virtuelle Welten“, verrät Regisseur Wolfgang A. Piontek. „Wir formen eine Collage aus Tanzgeschichte, Körperskulpturen und innovativem Sound.“ Dz

Die Vorpremiere ist am 7. Oktober, Premiere am 2. November. Karten unter (0511) 81 63 53.

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