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Beim Medizinmann der Nation

Eckart von Hirschhausen im Theater am Aegi Beim Medizinmann der Nation

Koryphäe und Kumpeltyp: Eckart von Hirschhausen lotet im Theater am Aegi die Grenzen der Wissenschaft aus.

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„Weiter atmen!“: Eckart von Hirschhausen im Theater am Aegi.

Quelle: Nancy Heusel

Hannover. Die Medizinerdichte ist hoch im ausverkauften Theater am Aegi. Im Zuschauerraum - und auf der Bühne auch. Dort steht der vielleicht prominenteste Doktor Deutschlands, der Medizinmann der Nation. „Ich möchte sie gut behandeln“, sagt der Arzt und Kabarettist Eckart von Hirschhausen. Den Spruch macht er seit Jahren; er ist für ihn das, was für die Stones „Satisfaction“ ist - eine Art Visitenkarte. Dann plaudert er in seinem Programm „Wunderheiler“ ein bisschen darüber, dass jeder Mensch übers Wasser gehen kann („Entscheidend ist die Außentemperatur“).

Nach genau sechs Minuten ist er endgültig bei seinem Thema angelangt: „Ein Kassenarzt hat sechs Minuten pro Patient - wär’ ich Kassenarzt, wär’ jetzt schon wieder Schluss.“ Hirschhausen führt vor, dass man mehr als zwei Stunden lang Arztwitze erzählen kann, ohne zu langweilen. Allerdings wechselt die intellektuelle Flughöhe häufig; Kalauer handelt der Medicus nach dem Prinzip „Der Nächste bitte!“ ab: Wovon leben Zahnärzte? Von der Hand im Mund! Was sagt die Hochschwangere beim Bäcker? „Ich bekomme ein Schwarzbrot!“

Solche Flachwitze wechseln mit witzigen Wortspielereien über therapeutische Methoden („Die penetrante Unterscheidung zwischen natürlich und künstlich ist natürlich künstlich“) oder philosophischen Betrachtungen über die Frage, warum ein Toast immer auf die Butterseite fällt: Wirkt da Murphy’s Law? Oder Newtons Gesetz der Schwerkraft? Dann bittet Doktor Hirschhausen den bedauernswerten Stefan aus Nienburg auf die Bühne, um ihm in einer vorgetäuschten Live-OP den Blinddarm zu entfernen - zur großen Freude aller, die auf ihren Plätzen bleiben durften.

Die Rolle des Gute-Laune-Bolzens, die er im Fernsehen meist verkörpert, spielt er auf der Bühne nicht durchgängig. Der Mann, der da vor einer meditativ hochwertigen Waldmotivtapete steht, ist im Grunde keine Rampensau. Eher eine Mischung aus Koryphäe und Kumpeltyp. Jemand, der es versteht, das Schwere leicht zu machen. Und er hat eine Mission: Esoterische Scharlatane gelten ihm als windige Erben der Schamanen; kalten Schulmedizinern hingegen wirft er vor, das Seelenleben der Patienten nicht im Blick zu haben. Die Grenze zwischen Zauberei und Wissenschaft ist in der Medizin trotzdem fließend. Als wär’s die Fackel der Aufklärung, zündet er auf der dunklen Bühne ein Streichholz an: „Vor 2000 Jahren ein echter Brüller, da hätte ich ‘ne Sekte mit aufmachen können.“ Patienten, das ist sein Credo, müssen auch die weißen Halbgötter von heute entmystifizieren; sie brauchen Aufklärermut, sich des eigenen Verstandes zu bedienen. Andererseits böten auch religiöse Übungen einen medizinischen Mehrwert - etwa regelmäßige Kniebeugen: „Orthopädisch gesehen ist der Islam uns voraus!“

Die Medizinbranche sei der größte Arbeitgeber im Land („Nicht die Automobilindustrie, die ist nur Zulieferer“). Er rechnet vor, dass viele Operationen heute vor allem deshalb gemacht werden, weil es sich lohnt: Das Fallpauschalensystem macht Ärzte zu Verkäufern. In solchen Momenten ist er viel politischer als mancher Kabarettist, der Merkel-Witze erzählt. Und einen guten Tipp, um ein hohes Alter zu erreichen, hat er auch noch parat: „Weiter atmen!“

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