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Eine aberwitzige Odyssee

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand Sommer Hof Theater nach dem Bestselle Eine aberwitzige Odyssee

Turbulente Reise durch das 20. Jahrhundert: Für die Inszenierung Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand verwandelt sich der Theaterhof vom 12. August an in eine schwedische Mittsommernacht.

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Hartes Pflaster

Alt von außen, junger Sinn:
Allan Karlsson (Dieter Hufschmidt) nimmt Fahrt auf.

Quelle: Karl-Bernd Karwasz

Hannover. Gammal i skinnet men ung i sinnet“ - alt von außen, junger Sinn. Dieses schwedische Sprichwort nimmt sich wohl auch Allan Karlsson zu Herzen, als er am Tag seines hundertsten Geburtstags beschließt, dem Altenheim für immer den Rücken zuzukehren. Nie wieder Haferschleim und weg mit den Pisspantoffeln. Er klettert aus dem Fenster und macht sich auf den Weg zum Bahnhof, wo ihn ein unflätiger junger Mann auffordert, einen Moment auf seinen Koffer aufzupassen. Und Allan Karlsson trifft wie schon so oft in seinem Leben eine unaufgeregte, aber folgenschwere Entscheidung: Er nimmt das Gepäckstück und fährt los.

Doch der unscheinbare Koffer enthält 50 Millionen Kronen aus einem erfolgreichen Drogendeal der Never-Again-Bande, und der junge Mann namens Bolzen nimmt umgehend die Verfolgung auf. Allan lernt inzwischen Julius kennen, ein Schlitzohr und Tagedieb. Während beide noch den Elchbraten loben, wird Karlsson ausfindig gemacht, und die Rentner verpassen der Bande die erste herbe Schlappe, indem sie Bolzen in den Kühlraum sperren und dort vergessen. Der Leiche entledigt, flüchten sie mithilfe des Dauerstudenten Benny motorisiert auf den Hof von Gunilla, die das Herz am rechten Fleck hat und Geld benötigt, um ihren geretteten Elefanten Sonja zu versorgen. Allan gibt ein paar Anekdoten aus seinem Leben zum Besten, und schnell wird klar, dass der Tattergreis in Wahrheit eine herausragende historische Persönlichkeit ist.

Als Sprengstoffmeister hat er Franco das Leben gerettet, den Wissenschaftlern des Manhattan-Projektes gab er den entscheidenden Hinweis zum Bau der Atombombe, er war mit Truman befreundet, wurde von Stalin persönlich ins Arbeitslager geschickt, von Mao begnadigt und reiste mit dem angeblichen Halbbruder Albert Einsteins nach Indonesien. Nach jahrelanger Spionagetätigkeit für den CIA kehrte er nach Schweden zurück, wo er versehentlich sein Haus in die Luft sprengte. Mit Allan Karlsson sollte man sich also besser nicht anlegen, schon gar nicht, wenn er, von der kriminellen Unterwelt verfolgt, mit einem Elefanten durch Schweden reist.

Sein Debütroman „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ machte den Schweden Jonas Jonasson über Nacht berühmt. Über zehn Millionen Menschen haben das Erstlingswerk seit seinem Erscheinen 2009 in mehr als 27 Ländern gelesen. 2014 lief die Erfolgsgeschichte mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ in den deutschen Kinos.

In diesem Sommer wird der Hof zwischen Schauspielhaus und Künstlerhaus zur Bühne für dieses verrückte Roadmovie. Der Schauspieler Dieter Hufschmidt, der mit seinem eigenen Leben mehr als einen Theaterabend bestreiten kann („Mein Kopf ist ein zwitscherndes Vogelnest“), lässt in der Rolle des Hundertjährigen bedeutende historische Stationen des 20. Jahrhunderts für das Publikum Revue passieren und zeigt, wie ein schwedischer Sprengstoffmeister die Welt veränderte.

Zwischen bunten Schwedenhütten, Verfolgungsjagden und Bennys Imbissbude gibt es vor den Fenstern des Schauspielhaus-Foyers einen „historischen“ Rahmen für all diese bedeutenden Ereignisse. Eine Live-Band unter Leitung von Martin Engelbach untermalt die verschiedenen Stationen des jungen Karlsson in den landestypischen Klängen und findet auch für die Erzählstränge in der Gegenwart musikalische Themen, die am Ende zu einer großen Komposition und somit zum Soundtrack des diesjährigen Sommers verschmelzen.

Für das leibliche Wohl sorgt die schwedische Bewirtung. Neben der „Fika“, der klassischen schwedischen Kaffee-und-Kuchen-Mahlzeit, werden Sommersuppe sowie auch kalte Delikatessen angeboten. Der Regisseur Malte C. Lachmann, der am Schauspiel Hannover bereits für die Comic Trash Revue „Süd Park“ und zuletzt für den Publikumserfolg „Die Känguru-Chroniken“ verantwortlich war, inszeniert ein rasantes Theaterspektakel.Janny Fuchs

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