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Festival Klangbrücken startet

Neue Musik in Hannover Festival Klangbrücken startet

Das Festival Klangbrücken, eine Kooperation der Staatsoper mit der Hochschule für Musik, Theater und Medien und Musik 21 Niedersachsen sowie weiteren freien Musikinstitutionen Hannovers, geht in die dritte Runde. Diesmal steht ein Komponist im Mittelpunkt, der seit den 1950er-Jahren zu den bedeutendsten Vertretern der Neuen Musik gehörte: Mauricio Kagel.

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Mauricio Kagel.

Quelle: Staatsoper Hannover

Hannover. Der Argentinier Mauricio Kagel (1931-2008), der seit 1957 in Deutschland lebte und hier sofort Anschluss an die Nachkriegsavantgarde fand, nimmt wegen der Eigenart seines Schaffens bis heute eine gewisse Sonderstellung ein. Im Umkreis der seriellen Komponisten, zu deren wichtigsten Vertretern Pierre Boulez, Karlheinz Stockhausen und Luigi Nono gehören, fällt er aus dem Rahmen, weil seine Werke häufig von einem skurrilen Witz durchzogen sind, mit dem Kagel die unhinterfragten Rituale des Kulturbetriebs bloßlegt und ironisiert. Da er der Meinung war, dass „das Hören von Musik eine der extravagantesten Arten ist, sein Geld auszugeben“, erlaubte er dem Publikum auch, Spaß beim Hören der neuen Klänge zu haben. Und indem er das Augenmerk nicht nur auf die Töne lenkte, sondern auch auf die körperlichen und mimischen Begleitumstände ihrer Hervorbringung, wurde er zum Erfinder des „instrumentalen Theaters“, bei dem die Musiker auch zu Darstellern ihres Tuns werden. Gleichwohl erschöpft sich sein Werk nicht im Komödiantischen, sondern entspringt einer Ironie, die das vermeintlich Selbstverständliche und dabei unfreiwillig Komische des Konzert- und Theaterbetriebs kritisch infrage stellt.

Die Vielfalt von Kagels Schaffen, das auch Hörspiele und filmische Werke umfasst und vom großen sinfonischen Gestus bis zur Geräuschkunst und zum Happening reicht, macht es schwer, seinen Personalstil nur anhand einer spezifischen Klanglichkeit oder eines „Tonfalls“ zu definieren. Typisch ist vielmehr die Art, wie Kagel klangliche und szenische Situationen aufeinanderprallen und sich in oft absurder Weise gegenseitig bespiegeln lässt - und das auch mit ätzendem Humor, wie beispielsweise in den „Märschen, um den Sieg zu verfehlen“, die ihrem Titel alle Ehre machen. Dem oft geschmähten Begriff der Unterhaltung stand Kagel keineswegs ablehnend gegenüber, doch sein kompositorisches Ethos, das die Entwicklungen der Neuen Musik einschloss und kritisch reflektierte, bewahrten ihn davor, in bloßen Klamauk abzugleiten. Ernsthaftigkeit und Witz stellten für ihn keine Gegensätze dar, ja sie bedingten sich vielmehr gemäß seiner Maxime: „Nur diejenigen, die Humor haben, sind unerbittlich ernst.“

Mit einem umfangreichen Programm, das vom Sinfoniekonzert bis zur theatralen Aktion reicht und das Kagels Verbindung zu historischer Musik ebenso reflektiert wie die Spuren, die er in den Werken nachfolgender Komponisten hinterlassen hat, wird der Streifzug durch die labyrinthische Kunst Mauricio Kagels zu einem verwirrenden und vergnüglichen Abenteuer für alle Sinne - ein Abenteuer, das kein Expertenwissen voraussetzt.

Von Klaus Angermann

Das Programm

  • Montag, 28. März, 20.15 Uhr Kommunales Kino im Künstlerhaus: Festival-Prolog Film „Ludwig Van“, Deutschland 1970, 91 Min., Regie: Mauricio Kagel, Mauricio Kagel: Mirum für Tuba mit Ulrich Stamm (Tuba) Veranstaltung des Kommunalen Kinos in Kooperation mit Musik 21 Niedersachsen und der Staatsoper Hannover
  • Sonntag, 3. April, 16.15 Uhr Opernplatz und Opernbalkon: Eröffnung Open Air Mauricio Kagel: Eine Brise, Der Tribun Steve Karier, Tribun mit Ensemble S und Das Neue Ensemble sowie 111 Interessierten auf ihren Fahrrädern, Künstlerische Leitung: Stephan Meier Veranstaltung von Musik für heute e.V. im Rahmen von Musik 21 Niedersachsen und in Zusammenarbeit mit der Staatsoper Hannover
  • Sonntag, 3. April, 17 Uhr und Montag, 4. April, 19.30 Uhr Opernhaus: 6. Sinfoniekonzert Mauricio Kagel: Études, Ein Brief, Les idés fixes, Duodramen, Niedersächsisches Staatsorchester Hannover, Dirigent: Jonathan Stockhammer Veranstaltung der Staatsoper Hannover
  • Sonntag, 3. April, 20.30 Uhr Opernhaus / Hinterbühne: Daneben – kein Schlagzeugkonzert Mauricio Kagel: Semicolon, con voce, Bestiarium, Umzug Veranstaltung der Staatsoper Hannover
  • Dienstag, 5. April, 19.30 Uhr Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover: Kagels Spuren Klaviertrio Nr. 2 und Werke von Carola Bauckholt, Thierry de Mey und Manos Tsangaris mit Studierenden der HMTMH Künstlerische Leitung: Gordon Williamson Veranstaltung der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover
  • Mittwoch, 6. April, 11 Uhr und Donnerstag, 7. April , 11 und 18 Uhr Ballhof Eins: musica assoluta: Why? – A Tribute To Grock The Clown Szenisches Kinder- und Familienkonzert mit Werken von Mauricio Kagel (Rrrrrrr für Schlagzeug) u. a. vision string quartet und musica assoluta Veranstaltung von musica assoluta
  • Donnerstag, 7. April , 19 Uhr Sprengel-Museum Hannover: Memento Mauro, Hommage mit Kagel Szenisches Konzert, frei nach Kagel Ensemble Megaphon,Konzept: Bernhard König Veranstaltung von Blickpunkte e.V. im Rahmen von Musik 21 Niedersachsen
  • Freitag, 8. April, 19.30 Uhr Christuskirche: Nordstadt-Konzerte Mauricio Kagel: Der mündliche Verrat Regie: Charles Ebert Pro Artibus Hannover – Solisten Dirigent: Hans-Christian Euler Veranstaltung des Nordstadt-Konzerte e.V. Sonnabend, 9. April, 19 Uhr Sprengel Museum Hannover: Zeitenlabyrinth Mauricio Kagel: Kammermusik für Renaissance-Instrumente sowie Werke von Ehsan Ebrahimi, Tatjana Prelevic, Claudio Monteverdi und Francesco Landini, Ensemble Mixtura und Gäste. Veranstaltung der Hannoverschen Gesellschaft für Neue Musik
  • Sonntag, 10. April, 20.15 Uhr Kommunales Kino im Künstlerhaus: Kagel Reconstructed Mauricio Kagel: Tactil, Unter Strom (in der Rekonstruktion von Luk Vaes) MM51. – Ein Stück Filmmusik O.E.M. Consort Luc Vaes (Klavier), Seth Josel und Jona Kesteleyn (Gitarre) Veranstaltung von Musik 21 Niedersachsen in Kooperation mit dem Kommunalen Kino
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