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Zutiefst erschüttert

„Fieber“ in der Staatsoper Zutiefst erschüttert

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren beschäftigen sich in diesem Jahr nicht nur Historiker, sondern auch Kulturschaffende.

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Quelle: Symbolfoto

Hannover. Der Erste Weltkrieg gilt als Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Er brachte den Untergang der alten europäischen Monarchien und führte zu einer bislang ungekannten Dimension militärischer Gewalt. Auch die Kunst reagierte darauf, dass eine ganze Generation auf den Schlachtfeldern Westeuropas traumatisiert oder ermordet wurde. Anti-Kriegsromane von Ernst Jünger, Erich Maria Remarque oder Arnold Zweig wurden Bestseller. Die Bilder von Max Beckmann, Otto Dix und George Grosz halten die Schrecken der Schützengräben bis heute lebendig.

Das Echo in der Musik war indirekter, nur wenige Werke entstanden in unmittelbarer Reaktion auf das Kriegsgeschehen. Vier Ausnahmewerke aus drei europäischen Ländern stehen auf dem Programm des 1. Sinfoniekonzerts am 12. und 13. Oktober im Opernhaus, musikalische Reflexionen aus verschiedenen ästhetischen Perspektiven.

In der sinfonischen Dichtung „Fieber“ für großes Orchester und Tenor widmet der österreichische Operettenkomponist Franz Lehár sein musikdramatisches Talent ungewohnten Inhalten: Nur wenige Minuten braucht er, um 1916, im zweiten Kriegsjahr, die Fiebervision eines sterbenden Soldaten in eine eindrucksvolle Szene zu fassen. Ausgelöst war die Vertonung durch die Verwundung seines Bruders Anton, der jedoch - anders als der Kadett in der Tondichtung - wieder gesund wurde. Ensemblemitglied Robert Künzli, der im Opernhaus als Siegfried, Peter Grimes und vielen anderen Tenorpartien begeisterte, übernimmt den Solopart.

Der Komponist Carl Nielsen, Bürger des neutralen Dänemark, war nur indirekt vom Krieg betroffen und dennoch aufs Tiefste erschüttert. „Niemand ist derselbe wie vorher“, antwortete er auf die Frage, inwiefern der Krieg Einfluss auf die Komposition seiner 5. Sinfonie gehabt habe. Bei deren Uraufführung 1922 wurde die Auflösung des Orchesterklangs bis ins Geräuschhafte und der Ausbruch der kleinen Militärtrommel aus dem Orchestersatz als Widerhall des Krieges gehört. Sie erzielte beim zeitgenössischen Publikum eine regelrechte Schockwirkung.

Voller Begeisterung meldete sich der französische Komponist Maurice Ravel bei Kriegsausbruch als Fahrer für den Sanitätsdienst - für den Militärdienst an der Waffe war er zu klein gewachsen. Doch seine nationale Gesinnung erstreckte sich nicht auf die Kunst: „Mich kümmert es wenig, dass zum Beispiel Monsieur Schönberg Österreicher ist.“ Für den österreichischen Pianisten Paul Wittgenstein, der im ersten Kriegsjahr seinen rechten Arm verloren hatte, schrieb er sein Klavierkonzert für die linke Hand, das mit brillanter Virtuosität das vermeintliche Handicap vergessen lässt. Als Solist hierfür konnte ein international renommierter Pianist und zudem echter Ravel-Spezialist gewonnen werden: der Frankokanadier Louis Lortie.

Ravels Tondichtung „La Valse“ schließlich, als Auftragswerk der Ballets russes entstanden, widmet sich dem tänzerischen Inbegriff der Donaumonarchie: Als „eine Art Apotheose auf den Wiener Walzer“ wollte Ravel das Werk verstanden wissen, doch auf dessen Verherrlichung folgt bei Ravel auch sein Untergang.

1. Sinfoniekonzert Franz Lehár „Fieber“. Tondichtung für Tenor und Orchester Carl Nielsen Sinfonie Nr. 5 op. 50 Maurice Ravel Klavierkonzert für die linke Hand „La Valse“. Poème choréographique

Solisten: Robert Künzli (Tenor), Louis Lortie (Klavier) Dirigentin: Karen Kamensek

Sonntag, 12. Oktober, 17 Uhr Montag, 13. Oktober, 19.30 Uhr

Kurzeinführung mit Karen Kamensek jeweils 45 Minuten vor Konzertbeginn

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