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Verbrecher aus Verwirrung

Früchte des Nichts von Ferdinand Bruckner Verbrecher aus Verwirrung

In Früchte des Nichts erzählt Ferdinand Bruckner von einer orientierungslosen Nachkriegsjugend. Die Inszenierung von Babett Grube richtet den Blick aber auch auf heutige Debatten.

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Jugend ohne Utopie: Mathias Spaan in „Früchte des Nichts“.

Quelle: Katrin Ribbe/Paul Bower

Hannover. Deutschland 1948. Der Krieg ist vorbei. Die Eltern halten sich an den Trümmern fest, ihre Kinder am Nihilismus Friedrich Nietzsches. Noch vor Kurzem haben allein Gewehrkugeln über ihre Zukunft entschieden und jeder Schritt konnte der letzte sein. Jetzt liegen viele Möglichkeiten vor ihnen, doch was ist der Sinn ihres unverhofften Weiterlebens: Drogen, Geld, Mode oder einfach nichts?

Vier Abiturienten versuchen, im zerstörten Nachkriegsdeutschland ihre Lebensentwürfe zu verwirklichen. Doch so wild sie gegen die Wünsche ihrer Eltern revoltieren, so hohl sind ihre eigenen Visionen. Kurz vor dem Abitur schmeißen sie alles hin und reisen nach Italien in der Hoffnung auf eine geistige Luftveränderung. Die Expedition scheitert, als einer von ihnen den Chauffeur erschießt. Jeder Versuch, die Tat zu erklären, misslingt. Denn das Opfer ist kein „kapitalistisches Arschloch“, wie Gert, der Schütze, zuerst annimmt, sondern ein armer Chauffeur. Weder Nietzsches Behauptung vom Glück des Schaffenden noch das Märchen vom kleineren Übel bringen die erlösende Begründung - es bleibt ein Schuss „aus dem Nichts“. Aus den sich selbst als Tatmenschen glorifizierenden Jugendlichen werden Verbrecher aus Verwirrung, nicht aus Überzeugung.

„Früchte des Nichts“ beschreibt die Lebenswelt einer krisenerprobten und orientierungslosen Generation, die unverhohlen vom Pragmatismus ihrer Eltern überrollt wird. Der Autor Ferdinand Bruckner ließ die Utopielosen noch in den heilenden Schoß der Familie zurückkehren. Im Ballhof Zwei entfaltet die Regisseurin Babett Grube stattdessen ein Panorama der aktuellen Flüchtlingsdebatte. Denn nicht die Welt ist sinnlos geworden, sondern unser Umgang mit ihr.

Mit: Christian Bayer, Martin Engelbach, Sophie Krauß, Mathias Spaan, Isabel Tetzner

Früchte des Nichts von Ferdinand Bruckner Premiere 12. Februar 19.30 Uhr, Ballhof Zwei

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