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Unbändige Musizierlust

Geiger Nemanja Radulović Unbändige Musizierlust

Der serbische Geiger Nemanja Radulović kehrt nach Hannover zurück – zwölf Jahre nach seinem 1. Preis beim Internationalen Violinwettbewerb.

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Startete nach dem Sieg beim Joseph-Joachim-Wettbewerb zur Weltkarriere: Nemanja Radulovic.

Quelle: Caroline Doutre

Hannover. Nicht unumstritten war die Entscheidung der Juroren, Nemanja Radulović 2003 zum 1. Preisträger des Internationalen Violinwettbewerbs Hannover zu küren. Die Herzen der Zuhörer hatte der damals 17-jährige Serbe im Sturm erobert und war zum unumstrittenen Publikumsliebling geworden. Doch der Kritiker der HAZ, Rainer Wagner, beklagte im Solo-Recital des Semifinales vor zwölf Jahren noch die „Zigeunerprinz-Attitüde“ und „Dauererregtheit“ des Geigers, mit der er die Es-Dur-Sonate von Richard Strauss zum „lautstarken Missverständnis“ gemacht habe. Das folgende Mozart-Konzert überzeugte zwar mit „Charme und Spielwitz“. Doch auch die Interpretation von Beethovens Violinkonzert im Finale fand nur teilweise Gnade in den Augen des Kritikers: „Radulović nähert sich der Musik ohne übergroßen Respekt und viel Spielfreude. Und manchmal siegt Frechheit. Beethovens Violinkonzert verlangt eigentlich nach mehr Seriosität und mehr Differenziertheit. (…) Doch die Jury setzte offenbar vor allem auf das (wohl nicht zu Unrecht vermutete) Potenzial.“

Von der Entwicklung dieses Potenzials konnten sich Kritiker und Konzertbesucher schon drei Jahre später überzeugen, als Radulović den folgenden Wettbewerb 2006 zusammen mit dem Niedersächsischen Staatsorchester Hannover und Glasunows Violinkonzert virtuos eröffnete. Im selben Jahr sprang er mit Beethovens Violinkonzert für Maxim Vengerov beim Orchestre Philharmonique de Radio France in der Pariser Salle Pleyel ein und tritt seither mit den führenden Orchestern Europas, Asiens und Amerikas auf. Seine beeindruckende Solokarriere führte ihn in die großen Musikzentren der Welt wie die Kölner Philharmonie, das Festspielhaus Baden-Baden, das Amsterdamer Concertgebouw, das Barbican Centre London, die Cité de la Musique in Paris, das Palais des Beaux-Arts in Brüssel und die New Yorker Carnegie Hall.

Nach sechs mehrfach international ausgezeichneten CD-Aufnahmen erhielt er auch den Ritterschlag der Plattenindustrie: 2014 unterzeichnete Nemanja Radulović einen weltweiten Exklusivvertrag mit der Deutschen Grammophon. Doch das erste Album, das er für das renommierte Klassik-Label aufnahm, zeigt auch die Besonderheit, die Radulović vor anderen Akrobaten des internationalen Geigenzirkus auszeichnet: Auf „Journey East“ erklingen neben Werken von Brahms, Dvořák und Tschaikowsky auch traditionelle Melodien vom Balkan. Und neben dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin spielen auch die beiden von Radulović gegründeten Klangkörper: das sechsköpfige Streicherensemble „Les Trilles du Diable“ (Die Teufelstriller) und das Streichorchester „Double Sens“ (Doppelter Sinn, Zweideutigkeit). Das Hamburger Abendblatt schrieb, das Album ähnele einer „mit Slivovitz und Paprika gefüllten explodierenden Buttercremetorte“, die Süddeutsche Zeitung war hingerissen von Radulovićs „unbändiger Musikalität und Musizierlust“.

Diese musikalischen Qualitäten werden zweifellos auch Anfang Oktober wieder zu erleben sein, wenn Nemanja Radulović – inzwischen 30 Jahre alt – nach Hannover zurückkehrt. Für das 1. Sinfoniekonzert des Niedersächsischen Staatsorchesters Hannover hat er sich ein anderes eher unbekanntes Werk des Konzertrepertoires ausgesucht: das Violinkonzert von Samuel Barber. 1939 in der Schweiz entstanden, gilt es als Schlüsselwerk in der frühen Schaffensphase des amerikanischen Komponisten. Barber entfaltet seine musikalische Fantasie in klassischer formaler Anlage, mit melodischem Reichtum, üppiger Klangpracht und virtuosem Taumel im Finale.

Um das Violinkonzert von Samuel Barber hat Generalmusikdirektorin Karen Kamensek ein Konzertprogramm zusammengestellt, das wie sie zwischen Europa und Amerika, zwischen Alter und Neuer Welt unterwegs ist. Eine weitere Facette des Orchesterschaffens von Samuel Barber ist mit seinem „Zweiten Essay“ für Orchester zu entdecken. In konzentrierter Kürze von gut zehn Minuten durchlebt darin ein einziger musikalischer Gedanke eine Metamorphose. So wie Samuel Barber der wohl europäischste unter den Komponisten Nordamerikas im 20. Jahrhundert war, so kann Antonín Dvořák als der weltläufigste unter seinen europäischen Kollegen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelten. Mit seiner 7. Sinfonie d-Moll, die als Auftragswerk für die London Philharmonic Society entstanden ist, schließt das Auftaktkonzert der neuen Konzertsaison im Opernhaus.

1. Sinfoniekonzert

Samuel Barber:

„Second Essay“ für Orchester op. 17

Konzert für Violine und Orchester op. 14 (1939)

Antonín Dvořák:

Sinfonie Nr. 7 d-Moll op. 70

Dirigentin: Karen Kamensek

Solist: Nemanja Radulović (Violine)

Termine

Sonnabend, 3. Oktober, 19.30 Uhr

Sonntag, 4. Oktober, 17 Uhr

Kurzeinführung mit Karen Kamensek jeweils 45 Minuten vor dem Konzert

In Kooperation mit dem 9. Internationalen Joseph Joachim Violinwettbewerb Hannover

Swantje Köhnecke

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