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Spielzeit Herrschen macht einsam
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00:00 27.05.2016
Voller Selbstzweifel: Sextus (Mareike Morr) Quelle: thomas m. jauk / stage picture
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Hannover

Welche Verhaltensregel empfiehlt sich für einen Herrscher, wenn er einem Anschlag nur knapp entronnen und der Täter gefasst ist? Sind Hochverrat und mörderische Absicht allein mit der Todesstrafe zu vergelten oder ist der Akt des Verzeihens das einzige Mittel, um Feinde zu Verbündeten zu machen? In Mozarts 1791 uraufgeführter Opera seria „La clemenza di Tito“, die einerseits die Milde als Herrschertugend zum Thema macht, findet sich ein spannungsgeladenes Beziehungsdreieck, bestehend aus dem römischen Imperator Titus, seinem Freund Sextus und dessen Geliebter Vitellia.

Freundschaft, Liebe, Eifersucht, Rache, Machtgier und Treue verstricken die drei Hauptfiguren in einem Netz aus Abhängigkeit und Schuld: Vitellia, Tochter des ermordeten Kaisers, stachelt Sextus zum Attentat auf Titus an. Da er nicht in der Lage ist, sich aus seiner emotionalen Abhängigkeit von Vitellia zu befreien, lässt er sich zu einem Mordversuch an Titus hinreißen.

Als bekannt wird, dass der Kaiser den Anschlag überlebt hat, wird Sextus von Gewissensbissen und Selbsthass geplagt. In diesem Zustand wird er seinem Kaiser gegenübergestellt. In einer privaten Aussprache versucht Titus, die Motive für Sextus’ Handeln zu ergründen. Doch der Angeklagte schweigt, gibt Vitellias Namen nicht preis. Titus sträubt sich, das Todesurteil zu unterzeichnen; Vitellia, gerührt von Sextus’ treuer Liebe, bekennt sich schuldig. Nach der Entdeckung „eines weiteren Verschwörers“ glaubt sich Titus vom Schicksal verraten, hält aber trotz allem an seinen Prinzipien fest. Er lässt Gnade walten und verzeiht allen.

Der junge Regisseur Tobias Ribitzki, der bereits mit mehreren Regiearbeiten an der Staatsoper Hannover nachdrücklich auf sich aufmerksam gemacht hat, spürt in seiner Inszenierung der Einsamkeit des Mächtigen nach. Mozart komponierte für seine Titelfigur zwar drei Arien, doch bis auf das Finalsextett ist Titus an keinem weiteren Ensemble beteiligt; seine Monologe offenbaren seine isolierte Position qua seiner Funktion.

Die Milde aus Prinzip erscheint folglich als Mittel zur Distanz, als Sicherung seiner Machtposition und in Ribitzkis Lesart auch als Mittel zum Selbstschutz: Titus macht sich gewissermaßen unangreifbar. Der Preis für diese Art von Selbstschutz ist das Fehlen von jeglicher zwischenmenschlichen Nähe - keineswegs untypisch für Herrscherfiguren. Auf einen vergleichbaren Liebesbeweis, wie Sextus ihn für Vitellia erbringt, wartet Titus vergeblich. Der Mächtigste kann keinen wahren Freund haben - inmitten des Jubelchores ist das die bittere Erkenntnis.

Steffi Mieszkowski

Musikalische Leitung: Benjamin Reiners. Inszenierung: Tobias Ribitzki. Bühne: Florian Parbs. Kostüme: Rebekka Zimlich. Licht: Peter Hörtner. Choreinstudierung: Dan Ratiu. Dramaturgie: Steffi Mieszkowski. Titus Vespasianus: Uwe Stickert Vitellia: Dorothea Maria Marx Servilia: Ania Vegry / Athanasia Zöhrer Sextus: Mareike Morr / Monika Walerowicz Annius: Hanna Larissa Naujoks Publius: Daniel Eggert Chor der Staatsoper Hannover Niedersächsisches Staatsorchester Hannover

TITUS Opera seria von Wolfgang Amadeus Mozart

Libretto von Caterino Tommaso Mazzolà Öffentliche Generalprobe Donnerstag, 2. Juni, 18.30 Uhr, Opernhaus Premiere Sonnabend, 4. Juni, 19.30 Uhr, Opernhaus

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