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Spielzeit Im Kampf für Freiheit und Demokratie
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00:06 29.09.2017
Glück gehabt: Jemmy (Ania Vegry) nach dem Apfelschuss. Quelle: thomas m. jauk
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Hannover

Wer kennt sie nicht, die Legende des besten Schützen, der selbst beim Zielen auf den eigenen Sohn dessen Haupt unversehrt lässt und stattdessen das darauf platzierte Obst planmäßig mit dem Pfeil seiner Armbrust durchbohrt. Zahllose Schülergenerationen trafen und treffen auf ihrem ersten Ausflug in die Welt der Klassiker auf Friedrich Schillers Schweizer Helden Wilhem Tell.

Eng verwoben sind Apfelschuss und Rütlischwur mit jenem unbeugsamen Freiheitskämpfer - und ganz nebenbei mag so mancher die im Stück thematisierte Zwangsherrschaft des Tyrannen Gessler wie selbstverständlich mit der vorgeschriebenen Pflichtlektüre der kleinen gelben Heftchen gleichsetzen. Wie gut, dass sich einer der Meisterkomponisten des Belcanto dieses Stoffes angenommen und dem zuweilen trockenen Drama musikalisches Feuer verliehen hat. Schon in der Ouvertüre zieht Rossini sämtliche Register: Auf die wehmütige Klage im ersten Teil folgt ein tosender und pfeifender Gewittersturm - die Natur ist in Aufruhr. Etwas ist faul in der beschaulichen Bergidylle, die Rossini im dritten Teil der Ouvertüre in Form der „ranz de vaches“ einfing. Jene Kuhreigen, die typischen Melodien der Älpler, dienten Rossini als musikalisches Lokalkolorit für seine in der Schweiz spielenden Grand opéra.

Schenkt man der Anekdote Glauben, riefen jene charakteristischen Klänge sowohl bei den in der Fremde lebenden Schweizer Söldnern als auch bei exportiertem eidgenössischem Milchvieh derart starke Heimatgefühle hervor, dass sich Mensch wie Tier zum Desertieren hinreißen ließen. Die Tatsache, dass in Kreisen der Soldaten der Begriff „Heimweh“ den Beinamen der Schweizerkrankheit erhielt, kann man entweder als Bestätigung jenes Klischees des vaterlandsliebenden Bergvolkes oder als insgeheime Rache an einem zähen, wenn auch gleichzeitig sympathischen Menschengeschlecht lesen, deren kulinarische Produkte durchaus völkerverständigende Wirkung haben können.

Der Kampf für Demokratie und Freiheit schlägt sich im Galopp des vierten Teils der Ouvertüre nieder und zelebriert indirekt die Werte der Schiller’schen Dramenvorlage. Als Kompositionsprinzip nutzt Gioachino Rossini die ihm zur Verfügung stehenden Mittel und übersetzt Stauffachers Credo („Verbunden werden auch die Schwachen mächtig“, Friedrich Schiller, „Wilhelm Tell“, I.3) in prächtige Chortableaus. Als Gegenfigur zur zunächst noch feiernden Gemeinschaft fungiert der über die Unterdrückung sinnierende Wilhelm Tell bereits zu Beginn des ersten Aktes. Er bringt den abtrünnigen und in die österreichische Prinzessin Mathilde verliebten Arnold Melchtal wieder zur Räson und bewegt ihn schließlich zur Gründung der Schweizer Eidgenossenschaft. In seinen Mitstreitern entfacht der treffsichere Schütze die Bereitschaft, sich gegen die Habsburger zur Wehr zu setzen. Auf die Probe gestellt wird seine Entschlossenheit zum Widerstand im dritten Akt, in dem Tell dem verhassten Landvogt Gessler die auferlegte Ehrerbietung verweigert und zum berühmten Apfelschuss gezwungen wird. Tell besteht die Bewährungsprobe, sein Sohn Jemmy bleibt verschont.

Doch die Aussage des liebenden Vaters, dass er im Falle eines Fehlschusses mit dem zweiten Pfeil Gessler getötet hätte, ruft den Zorn des Tyrannen auf den Plan. Tell wird zur Gefangenschaft und zum Tode verurteilt. Im vierten Akt kommt es zum endgültigen Befreiungsschlag: Als Tell Gesslers Schiff über den sturmgepeitschten Vierwaldstätter See rudert, gelingt ihm auch das letzte Manöver: Er lenkt das Schiff zu seinem Haus, erteilt das Zeichen für den Aufstand und erhält von Jemmy seine Armbrust. Parallel zum Abschuss des tödlichen Pfeils auf den Peiniger verbreitet sich die Nachricht, dass der Sitz der Unterdrücker bezwungen sei. Mit Gesslers Tod kehrt der Frieden zurück. Konsequent verfolgt Rossini die Verzahnung von patriotischer Idee und Naturgefühl bis zum Schluss seiner Oper: Zeitgleich mit der Vernichtung des Despoten flaut im Orchester das Unwetter ab, die Natur kommt zur Ruhe und der See erstrahlt wieder in friedlichem Glanz. Steffi Mieszkowski

Musikalische Leitung Alessandro De Marchi Choreinstudierung Lorenzo Da Rio Licht Holger Klede Dramaturgie Steffi Mieszkowski Spielleitung Neil Barry Moss

Wilhelm Tell Stefan Adam Arnold Sung-Keun Park Walter Tobias Schabel Melchtal Michael Dries Jemmy Ania Vegry Gessler Shavleg Armasi Rodolphe Edward Mout Ruodi Pawel Brozek Leuthold Daniel Eggert Mathilde Dorothea Maria Marx Hedwig Monika Walerowicz/ Mareike Morr

Chor der Staatsoper Hannover

Niedersächsisches Staatsorchester Hannover

WILHELM TELL

Oper in vier Akten von Gioachino Rossini (1829) nach Étienne de Jouy und Hippolyte Louis Florent Bis nach Friedrich Schillers „Wilhelm Tell“

Premiere 31. Oktober 18:30 Uhr

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