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Im Rausch der Nacht

Ballhof Eins: Premiere "Club Figaro" Im Rausch der Nacht

Mozart trifft Band und Club-Musik im Ballhof Eins: Die Junge Oper zeigt eine verrückte Nacht im Club Figaro.

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Ganz schön gruselig

Cherubino (Marlene Gaßner) im „Club Figaro“

Quelle: THOMAS MAXIMILIAN JAUK

Hannover. Ruhig liegt er da, der Ballhofplatz im Herzen Hannovers. Doch im Ballhof Eins tobt das Nachtleben: Dort eröffnet die Junge Oper zusammen mit Jugendlichen aus Hannover und der Region den „Club Figaro“. Mit dabei sein werden auch das Niedersächsische Staatsorchester Hannover und die hannoversche Band Jeremias – ein Line-up, das sich sehen lassen kann und einen Sound erster Güte verspricht. Zum Konzept macht sich nämlich der „Club Figaro“, Musik zu spielen, die auf Wolfgang Amadeus Mozarts unsterblichem Meisterwerk „Die Hochzeit des Figaro“ basiert. Mozart trifft also auf Band und Club-Musik; eine Synthese, die ebenso verrückt sein kann wie der legendäre Komponist selbst. Getanzt wird hier selbstverständlich, geflirtet, gelacht, gestritten. Man ist mittendrin, ohne Aufpasser.

Endlich sein, wer man ist – das ist die Hoffnung vieler, die in Clubs die Nacht zum Tage machen. Doch ist dem wirklich so? Überall nur „Love, Peace and Happiness“ – ist das nicht oft auch eine coole Fassade, hinter der sich viele Unsicherheiten verbergen? Mit dieser Frage setzen sich die Regisseurin Friederike Karig mit ihrem Team und Jugendlichen aus Hannover auseinander. In ihrem „Club Figaro“ blühen Träume auf, Sehnsüchte kommen hoch. Das Motto „Dance like nobody’s watching“ zu erfüllen wird immer schwerer, wenn einen jeder Move einen Schritt näher ans Erwachsensein bringt.

Das Ringen mit sich und anderen um den eigenen Standpunkt ist ein zentrales Thema in Karigs Konzept für „Club Figaro“, das gerade von der Figur des Cherubino verkörpert wird: „Insbesondere die Arie ‚Non sò più cosa son’, cosa faccio‘ (‚Ich weiß nicht mehr, was ich bin, was ich tue‘) will ich absolut ernst nehmen – und aus einer jugendlichen Perspektive befragen. Die Jugendlichen haben beim Casting zu diesem Aspekt der Figur schon viel gesagt: zu der Überforderung Cherubinos mit sich selbst und der Clubsituation, mit den sich überstürzenden Ereignissen und den vielen gleichzeitigen Eindrücken. Wir werden gemeinsam mit den beteiligten Jugendlichen Rollen entwickeln, die sich gleichberechtigt mit den Figuren der Sängerinnen und Sänger der Jungen Oper durch das Stück durchziehen.“

Mozarts Oper, die auf Beaumarchais’ „Der tolle Tag oder Die Hochzeit des Figaro“ basiert, ist für Karig das perfekte Werk, um sich mit jugendlich-brodelnden Hormonen auseinanderzusetzen: „Einige Probleme scheinen jahrhundertealt zu sein. Wir erforschen, wie sie damals und heute klangen und klingen: Ich will jemanden haben und bekomme ihn nicht – oder bekomme viel zu viele auf einmal und werde von allen Seiten angebaggert. In dem Duett zwischen Susanna und dem Grafen beispielsweise geht es um die Frage ‚Kommst du nun mit mir mit oder nicht?‘ Und für Cherubino gilt gewissermaßen: ‚Ich tanze hier zwar gerade durch mein Leben, aber weiß nicht, wer genau ich eigentlich bin.‘“

Der Reichtum der Musik und die Tiefe der emotionalen Zeichnungen Mozarts habe das Team auch dazu inspiriert, die verschiedenen Ebenen dramaturgisch zu nutzen, ergänzt Ludger Nowak, der neben den Bearbeitungen für Orchester auch die Club-Sounds und mit den beteiligten Jugendlichen und der Band Jeremias Songs entwickelt: „Cherubino zeigt uns eine Innenwelt, die durch die Orchestermusik, durch den Zauber der Musik Mozarts ausgedrückt wird. Diese stößt an die Ereignisse im Club, in der äußeren Welt. Diese definieren wir durch elektronische Musik mit DJ. Dadurch können wir ganz subtil atmosphärische Zustände beschreiben, auf szenische Ereignisse reagieren, Soundscapes kreieren. Außerdem werden wir mit den Jugendlichen Songs schreiben und komponieren, um die historische Vokalmusik der Oper und Singer-Songwriting von heute aufeinandertreffen zu lassen.“

Es wird also ein verrückter Tanz in die Nacht, in das Leben, den die Junge Oper und die Jugendlichen gemeinsam wagen. Viel kann im Club Figaro passieren – man sollte ihn nicht verpassen! Christopher Baumann

Musikalische Leitung Daniel Klein Musikalische Bearbeitungen, Originalkompositionen und Bandeinstudierung Ludger Nowak Inszenierung Friederike Karig Bühne Anja-Katharina Lütgens Kostüme Dennis Ennen Licht Uwe Wegner Dramaturgie Christopher Baumann Musiktheaterpädagogik Maike Fölling

Mit Ula Drescher, Marlene Gaßner, Ylva Stenberg; Gihoon Kim, Hyun-Joong Kim, Yannick Spanier, der Band Jeremias sowie Jugendlichen aus Hannover

Niedersächsisches Staatsorchester Hannover

CLUB FIGARO

Jugendproduktion frei nach Wolfgang Amadeus Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“ mit Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, Ludger Nowak, der Band Jeremias u. a.

PREMIERE 20. Oktober, 19.30 Uhr

Ballhof Eins

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