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Immer gut drauf?

Kindertheaterhaus Hannover Immer gut drauf?

Im Kindertheaterhaus wird Kai Hensels Monologstück „Welche Droge passt zu mir?“ neu in Szene gesetzt. Diesmal als Klassenzimmerstück mit der Schauspielerin Laetitia Mazzotti.

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Welche Droge passt zu ihr? Hanna (Laetitia Mazzotti) ist gern immer mal
wieder „high“.

Quelle: Joachim Giesel

Hannover. Sie sind jung, knapp unter 30, gut ausgebildet, mehr als die Hälfte hat einen Job, rund ein Drittel studiert, meist leben sie in Städten, in Partnerschaften oder in WGs. Wer Drogen nimmt, liegt nicht schon in der Gosse. Drogenkonsum heute, so der „ZEIT-online“ Drogenbericht 2015, sei eine Frage des Lebensstils.

Selbstoptimiert, angepasst, einsatzbereit. Denn wer zu Drogen greift, ist zunächst einmal gut drauf, ist high, in einem Rausch, der pusht, der das Denken verändert, Gefühle verstärkt, der scheinbar stark macht und frei - und hemmungslos. Ähnlich geht es Hanna, 32, gut situierte Hausfrau mit Kind. „Wir wollen Liebe, und Liebe kostet Kraft. Wie können wir stark sein? Ich werde Ihnen zeigen, wie Sie Kraft finden.“ Hanna ist auf Droge - und mächtig in Fahrt. Eigentlich. Mit Power und Verführungskraft beginnt ihr Monolog über ihre erschütternde Drogenkarriere.

Kai Hensels Stück „Welche Droge passt zu mir?“ stand bereits 2005 auf dem Spielplan des Klecks Theaters, damals mit Schauspielschülerin Dagmar Poppy, die Inszenierung wurde zu mehreren Festivals eingeladen. Nun nimmt Klecks-Chef Harald Schandry das bundesweit an vielen Theatern gespielte Stück (für Jugendliche ab 16 Jahren) noch einmal auf - diesmal mit der erfahrenen hannoverschen Theatermacherin Laetitia Mazzotti in der Rolle der Hanna. „Dieser Theatermonolog gehört nicht nur auf die Theaterbühne, er gehört ins Klassenzimmer. Unter Jugendlichen ist das Thema virulent. Wir spielen nicht nur, wir bleiben auch nach der Vorstellung da, um mit den jungen Menschen zu reden.“ Denn Harald Schandry weiß, wovon er spricht. Der Regisseur und Leiter des Kindertheaterhauses im Alten Magazin war Anfang der 1970er-Jahre selbst für kurze Zeit drogenabhängig. „Diese Erfahrungen können dabei helfen, mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen. Vielleicht braucht man so eine Art street credibility für diese Form der Theaterarbeit.“

Luxus-Junkie oder aus prekären Verhältnissen - fest steht: Drogenkonsum als moderne Form der Alltagsbewältigung funktioniert auf Dauer nicht. Hanna, die schicke Drogensüchtige in Kai Hensels Theatermonolog, demontiert sich selbst. Singt sie eingangs noch das „Hohelied der Drogen“, ist sie am Ende ein Wrack: Hasstiraden, Paranoia, Halluzinationen, Zusammenbruch. Das „Schöner-Wohnen-Leben“ mit Ecstasy und anderen „kleinen Helfern“ erweist sich als ein gigantisches Scheitern. Dz

Premiere am 18. Mai, 11 Uhr, im Kindertheaterhaus. Auch am 19. und 20. Mai, 10 Uhr. Danach geht das Stück auf Tour durch die Klassenzimmer. Infos und Karten unter (05 11) 81 69 81.

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