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In der Premierenfabrik oder: Wie Theater entsteht

Zum ersten Mal öffnet das Proben- und Logistikzentrum des Staatstheaters in der Bornumer Straße sei In der Premierenfabrik oder: Wie Theater entsteht

Zum ersten Mal öffnet das Proben- und Logistikzentrum des Staatstheaters in der Bornumer Straße seine Pforten.

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Das Proben- und Logistikzentrum des Staatstheaters

Quelle: Katrin Ribbe

Hannover. Wie entsteht ein Theaterstück? Wie arbeitet ein Regisseur? Was unterscheidet eine Probebühne von der großen Bühne im Opern- oder Schauspielhaus, und was passiert in den Theaterwerkstätten?

Wer sich diese Fragen schon immer gestellt hat, sollte am 6. Mai in den Bus Nummer 500 steigen und nach Bornum fahren, wo in einem schmucklosen Plattenbau das Proben- und Logistikzentrum des Niedersächsischen Staatstheaters untergebracht ist. Ab 12 Uhr laden die Theaterleute alle Interessierten ein, die Kulissen der „Premierenfabrik“ zu erkunden und die Arbeitsplätze von Requisiteuren, Lager- und Fundusmitarbeitern, Theatermalern, Schauspielern, Sängern, Regisseuren, Bühnenbild- und Kostümassistenten und vielen anderen Mitarbeitern in Augenschein zu nehmen.

Spannend sind die Führungen durch das Bühnenbild- und Requisitenlager sowie den Kostümfundus, die Werkstätten und Probebühnen. Sie werden durchgehend angeboten, dauern etwa eine halbe Stunde und vermitteln einen Eindruck von der Weitläufigkeit des Ortes. Besonders beeindruckend: der Malsaal und die Dekorationswerkstatt, dort kann man den Theatermalern, Bühnenplastikern und Raumausstattern bei ihrer Arbeit über die Schulter blicken. Wer miterleben möchte, wie ein Bühnenbild im Modell entsteht, sollte sich eine der beiden Vorführungen des Bühnenbildaufbaus zu „Auerhaus“ mit der Bühnenbildnerin Mona Lühring vormerken. Technikfans erfahren von Bühnenmeister Markus Fricke einiges über das Zusammenspiel von Licht, Ton, Bühnentechnik und Schauspielkunst. Und wer wissen will, wie sich die Schauspieler am Anfang der Probenphase ein neues Stück aneignen, kann dies selbst einmal ausprobieren - bei einer Konzeptionsprobe zu „Hool“ mit der Dramaturgin Kerstin Behrens. Opernfans dürfen sich auf offene Proben zu Donizettis „Der Liebestrank“ freuen.

Zwischendurch empfiehlt sich ein Besuch des großen Flohmarkts, bei dem ausgediente Werbebanner, Theaterfotos und Kleinrequisiten zu günstigen Preisen verkauft werden. Ebenfalls im Angebot sind natürlich aktuelle Merchandise-Produkte von Schauspiel und Staatsoper - und mit etwas Glück auch das brandneue Staatstheater-T-Shirt. Ein fester Programmpunkt ist schließlich die Auktion früherer Opernballdekorationen mit Sänger Stefan Adam. Die Erlöse aus der Versteigerung kommen dem Zahnmobil Hannover zugute.

Für Essen und Trinken ist ebenfalls gesorgt. Es gibt Gegrilltes, kühle Getränke, Kaffee und Kuchen.

Sonnabend, 6. Mai, von 12 bis 17 Uhr, Proben-zentrum Bornumer Str. 152 a. Eintritt frei. Parkplätze sind vorhanden. Empfohlen wird jedoch die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel (Bus 500 ab Hauptbahnhof/ZOB Richtung Gehrden, Haltestelle Am Großmarkt).

Das Programm

Durchgehend

Offene Werkstätten (Malsaal, Tapezierwerkstatt, Visuelles Marketing mit T-Shirts bedrucken, Taschen gestalten, Vorführung der Druckmaschinen), Kindermalen, Flohmarkt, Coupon-Aktion für vergünstigte Tickets (Oper und Schauspiel), die Staatstheaterfreundeskreise GFS und GFO sowie das Festival Theaterformen stellen sich vor, Catering.

Führungen durch Lager, Werkstätten und Probebühnen

12.00, 12.30, 13.00, 13.30, 14.00, 14.30, 15.00, 15.30 Uhr

Kurzvortrag zur Zukunft des Probenzentrums

12.00 bis 16.30 Uhr im Halbstundentakt

Konzeptionsprobe „Hool“

12.30 Uhr

Offene Probe „Der Liebestrank“

12.00, 13.00, 14.00 und 15.00 Uhr (jeweils 30 Minuten Dauer)

Technik-Vorführung „Tod für eins achtzig Geld“

14.30 und 16.30 Uhr

Vorführung Bühnenbildaufbau „Auerhaus“

13.30 und 15.30 Uhr

Versteigerung von Opernballdekorationen

15.30 Uhr

Ein Faltplan mit detaillierten Angaben zum Programm ist vor Ort kostenlos erhältlich.

Ich liebe meinen Drucker“

Achim Körtje, Visuelles Marketing

Er sorgt für die Optik jenseits der Bühne und macht so das Theater nach außen hin sichtbar: Achim Körtje, gelernter Schaufenstergestalter, bewarb sich 1991 auf eine Anzeige beim Staatstheater und wurde genommen. Was bis vor Kurzem noch Sichtwerbung hieß, nennt sich neuerdings Visuelles Marketing. Körtje, 53, setzt die Ideen der PR-Abteilungen und die Entwürfe der Grafiker mit seinem kleinen Team praktisch um – engagiert und zuverlässig.

Meine Aufgaben: Ich betreue die Außenwerbung für das Staatstheater mit den Spielstätten Schauspielhaus, Opernhaus und Ballhof. Wir produzieren die Bilder für die Vitrinen und setzen sie ein, bestücken Werbeflächen und bauen Displays. Und wir sorgen für die Beschriftungen in den Häusern und an den Fahrzeugen. Zu meiner Abteilung gehören neben mir noch zwei Auszubildende und zwei Jahrespraktikanten. Tagsüber sind wir meist irgendwo in den Spielstätten unterwegs. Vieles passiert auch last minute.

Das Besondere: Zu meiner Zeit im Schaufenster hieß es immer: Am Theater als Dekorateur zu arbeiten, das ist wie ein „Ritterschlag“. Das habe ich geschafft. Eine Abteilung wie meine gibt es nicht an vielen Theatern. Das ist schon etwas Besonderes. Am meisten Spaß macht mir das Entwickeln von Werbemaßnahmen. Und ich liebe meinen Drucker. Wir haben hier einen Digitaldrucker bis 1,60 Meter Breite. Das geht schon sehr in Richtung digitaler Fotodruck. Inzwischen kann ich verschiedenste Materialien bedrucken und bin frei in der Zusammenstellung. Wenn wir große Sachen haben wie zum Beispiel für den Opernball, dann läuft die Maschine auch mal die Nacht durch.

Mein Lieblingsstück: Das Ballett „Don‘t think twice“. Das war ein Hammer. Ich habe darin vieles wiedergefunden, was meiner eigenen Lebenssituation entspricht. Im Schauspiel ist „Der Vorname“ mein Favorit.

"Ein Teil von mir fließt mit ein“

Rita Kuhn, Theatermalerin

Rita Kuhn hat in ihrer Heimatstadt Dresden Theatermalerei studiert, bevor sie vor anderthalb Jahren vom Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen ans Niedersächsische Staatstheater wechselte. Hier ist die 29-Jährige Teil des Malsaal-Teams, zu dem neben neun Theatermalern auch zwei Theaterplastiker und drei Maler gehören.

Meine Aufgaben: Alles, was auf der Bühne zu sehen ist und Farbe abbekommen hat, hat vorher den Malsaal durchlaufen. Auf dem Foto oben ist klassische Prospektmalerei zu sehen. Das werden große Wandteppiche für das Ballett „Henry VIII“. Aber wir tragen auch Rostschutz auf Metallteile auf oder streichen Wände von hinten schwarz, damit sie auf der Bühne keine störenden Lichtreflexe verursachen. Auch von vorn ist längst nicht alles das, für was man es halten könnte: Ach, da liegt ja eine Marmorplatte? Das ist keine Marmorplatte, die könnte man gar nicht tragen. Das ist Marmormalerei, wahrscheinlich auf Holz.

Wir haben zwei Malsäle, einen hier in Bornum und einen in der Maschstraße, bei den Schlossern und Tischlern. Dort malen wir alles, was schnell raus muss. Hier draußen in Bornum entstehen die Sahnestücke – große Stoffe, für die man Zeit und Ruhe braucht. Es gibt genug Platz und der Boden ist gut. Oft betreuen wir mehrere Produktionen gleichzeitig, dann machen wir auch mal Überstunden oder arbeiten samstags. Aber das sind Ausnahmen.

Das Besondere: Ich mag den Beruf, weil ich Teil eines großen Teams bin, das so etwas auf die Bühne stellt. Am Ende sitze ich als Zuschauerin im Saal und denke, wow, da hab ich mitgemacht. Da ist ein Teil von mir mit eingeflossen. Es ist einfach schön, dass man am Ende dieses Gesamtkunstwerk auf der Bühne sehen kann.

Mein Lieblingsstück: Für mich waren die „Känguru-Chroniken“ etwas ganz Besonderes. Es war das erste Stück, an dem ich mitgearbeitet habe, als ich hier anfing. Es gibt sehr schöne, filigrane Malereien darin, auch graffitiähnliche Sachen. Die Arbeit war toll, und ich fand auch die Inszenierung schön.

„Ich bin überall“

Michael Rimbach, „Mr. Feelgood“

Micha Rimbach ist der Mann für alle Fälle. Er begann als Aushilfe in der Bühnentechnik der Oper und wechselte 1996 in die Fahrabteilung, bis ihn ein OP-Unfall abrupt aus dem Arbeitsleben riss. Seitdem ist er schwerbehindert. Eine Zeit lang arbeitete er als Pförtner im Ballhof. Heute gehört der 56-Jährige mit dem sonnigen Gemüt (Spitzname: „Mr. Feelgood“) offiziell zur Verwaltung. Seine Aufgaben sucht er sich meist selbst.

Meine Aufgaben: Die Firma ist ein Ozean an Möglichkeiten, sage ich immer. Vor ein paar Jahren kam mir die Idee, unsere abgespielten Werbebanner zu recyceln. Wir reinigen sie, schneiden sie zu und lassen in den Hannoverschen Werkstätten die inzwischen sehr beliebten Theatertaschen daraus nähen. Jeden Freitag verkaufen mein Kollege Achim Körtje und ich die Taschen auf dem Markt in Bemerode. Man kann sie aber auch im Foyer des Schauspielhauses, im Abo-Büro oder beim Hoffest erwerben. Das ist eine super Sache: Wir vermeiden Müll, machen Werbung für unser Theater, und die Hannoverschen Werkstätten bekommen Aufträge.

Das Besondere: Ich bin überall unterwegs. Ich brauche diese Freiheit. Zum Beispiel kümmere ich mich um die Fitnessräume. Inzwischen gibt es vier davon: einen im Schauspielhaus, einen in der Maschstraße bei den Werkstätten und zwei in Bornum. Außerdem betreue ich die Seminare im Schulungszentrum und kümmere mich um alle möglichen Kleinigkeiten.

Mein Lieblingsstück: Alle Ballettproduktionen. Ich bewundere die Höchstleistungen der Tänzerinnen und Tänzer.

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