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„Kollegialität ist mir wichtig“

Proben- und Logistkzentrum der Staatsoper Hannover in der Bornumer Straße „Kollegialität ist mir wichtig“

Im Gespräch mit Jürgen Braasch, Verwaltungsdirektor des Niedersächsischen Staatstheaters, über den geplanten Neubau in der Bornumer Straße.

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Jürgen Braasch

Quelle: Staatstheater Hannover

Hannover. Herr Braasch, wozu braucht das Staatstheater ein eigenes Proben- und Logistikzentrum?

Wir haben in den Häusern zu wenig Platz, um ausreichend Probemöglichkeiten zu gewährleisten. Die Aufgaben sind gewachsen, die Gebäude können aber nicht wachsen. Ein Logistikzentrum brauchen wir, weil wir etwa 120 Stücke im Repertoire haben. Denn was für die Häuser gilt, gilt auch für die Lagerkapazitäten: Wir haben einfach nicht den Platz, um alle Bühnenbilder in den Theatern zu lagern. Wir müssen sie außerhalb lagern.

Seit wann werden die Räumlichkeiten in der Bornumer Straße vom Staatstheater genutzt?

Wir haben sie 2005 angemietet. Zunächst nur einen Teil des Gebäudes, dann haben wir Zug um Zug bis 2009 das gesamte Objekt in unsere Verantwortung übernommen.

Sie verfolgen große Pläne in Bornum: Die „Premierenfabrik“ soll in den nächsten Jahren in großem Stil erweitert und modernisiert werden. Worum geht es dabei?

Auslöser des Ganzen ist der Neubau von Dekorationswerkstätten. Die jetzige Werkstatt in der Maschstraße hinter der Stadtbibliothek stammt aus den Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts. In den vergangenen 85 Jahren hat sich die Art und Weise, wie Bühnenbilder gebaut werden (und auch gebaut werden müssen), so dramatisch verändert, dass die Räumlichkeiten als Werkstätten einfach nicht mehr taugen. Abgesehen davon ist das Gebäude sanierungsbedürftig. In Bornum ergibt sich die Möglichkeit, neben unser jetziges Proben- und Logistikzentrum eine neue Dekorationswerkstatt zu bauen, die den heutigen Bühnenbildanforderungen gerecht wird.

Der Architekten- wettbewerb ist bereits in vollem Gange.

Ja, der Wettbewerb läuft europaweit. Aus dem Teilnehmerkreis wählen wir drei oder vier Büros aus, mit denen wir dann in ein sogenanntes Verhandlungsverfahren gehen. Anfang Juni werden wir den Architekten präsentieren können, der die Planung umsetzen soll.

Wann wird der Neubau fertig sein?

Im Dezember 2019 - wenn nichts dazwischenkommt. Dann schauen wir, welche weiteren Veränderungen für die Proben- und Logistikbereiche anzustreben sind. Insbesondere die Probebühnen brauchen mehr Möglichkeiten, um mit Licht, Ton und Video zu arbeiten. Dafür müssen sie aber technisch anders ausgerüstet werden als bisher.

Was kostet die neue Werkstatt?

Die Dekorationswerkstätten kosten 21,5 Millionen Euro. Der Deckel liegt fest drauf. Das ist auch zwingende Vorgabe an alle Planer und Architekten. Finanziert wird dieses Bauvorhaben aus Mitteln des Landes Niedersachsen, das uns großzügig unterstützt.

Welche Vorteile bringt der Neubau für das Staatstheater insgesamt?

Es wird deutliche Synergieeffekte geben, weil wir weniger Anlaufstellen haben und die Zusammenarbeit zwischen den Künstlern und den Dekorationswerkstätten verbessert wird. Zudem haben wir am Standort Bornumer Straße noch Freiflächen zur Verfügung, auf denen wir auch weitere Betriebsteile, die zurzeit noch ausgelagert sind, ansiedeln können. Ich denke zum Beispiel an den Kostümfundus in der Berliner Allee oder den Dekorationsfundus in der Göttinger Chaussee.

Am 6. Mai werden Sie allen Interessierten diese Zukunftspläne vor Ort erläutern. Das Thema scheint Ihnen sehr am Herzen zu liegen …

Ja, denn ich möchte für alle Menschen, die hier arbeiten, gute Arbeitsbedingungen schaffen. Das ist im Bereich der Dekorationswerkstatt mit 70 Arbeitnehmern nur durch einen Neubau möglich. Er verbessert auch die künstlerischen Möglichkeiten: Durch einen neuen Montagesaal können wir die Bühne entlasten, technische Einrichtungen schneller realisieren und so mehr Probenzeiten für die Kunst zur Verfügung stellen. Interview und Texte: Björn Achenbach

Über die Neubaupläne informiert Jürgen Braasch auch

im Rahmen des Aktionstages „In der Premierenfabrik“ am 6. Mai. Ab 12 Uhr hält er im Halbstundentakt einen Kurzvortrag zur Zukunft des Proben- und Logistikzentrums des Niedersächsischen Staatstheaters.

„Kollegialität ist mir wichtig“

Ingo Weiner, Requisiteur

Nach Abitur, Zivildienst und Studium zog es Ingo Weiner ans Theater. 17 Jahre hat er als Requisiteur in der Staatsoper gearbeitet, bevor er 2009 ins Produktionszentrum Bornum wechselte. Hier ist der 52-Jährige zuständig für verschiedene Bereiche, die vornehmlich mit Requisiten und Möbeln zu tun haben.

Meine Aufgaben: : Ich bin Ansprechpartner für die künstlerischen Teams, insbesondere für den Bereich Bühnenbild. Die Probenbetreuung mit dem Schwerpunkt Oper ist ein weiterer Bestandteil meiner Arbeit. Aber auch die Verwaltung des Fundus und die Bereitstellung der Requisiten und Möbel für Transporte gehören zu meinen Aufgaben. Die enge Verknüpfung zu den Abteilungen der Requisite in der Oper, im Schauspielhaus und im Ballhof ist wesentlich für meine Arbeit, genauso der ständige Austausch mit den Bühnenbildassistenten. Hilfreich ist dabei unter anderem die Bereitstellung von Fotos angefragter Möbel und Requisiten. Das hat sich zu einer Art Sichtung per E-Mail entwickelt. Dadurch werden viele Wege von den Theatern nach Bornum überflüssig. Trotzdem, wenn Bühnenbildner mit ihrer entstehenden Produktion erst einmal im Haus sind, nutzen sie gern den kurzen Weg in den Fundus, schauen nach passenden Objekten und lassen sich auch mal inspirieren.

Das Besondere: Hier arbeite ich mit Leuten aus dem gesamten Staatstheater zusammen und bin nicht nur auf die Oper fokussiert. Sicher fehlt mir das „Live-Erlebnis“ an der Opernbühne. Doch die Entstehungsprozesse von Theater auf unseren Probebühnen sind durchaus interessant. Außerdem ist mir Kollegialität wichtig, und die kann man hier finden.

Mein Lieblingsstück: Die Oper „La Traviata“ mit Nicole Chevalier als Violetta in der Inszenierung von Benedikt von Peter. Die Intensität, mit der sie die gesamte Vorstellung über allein auf der Bühne agiert, ist unglaublich harte Arbeit und mehr als beeindruckend.

"Es passiert immer etwas“

Ralf Meyer, Leiter Logistik

Er dirigiert die Lkw-Flotte des Staatstheaters: Ralf Meyer und seine elf Kollegen vom Transport fahren täglich die Bühnenbilder, in Container verpackt, zwischen den Spielstätten und dem Probenzentrum Bornum hin und her. Meyer, 55, ist gelernter Bauschlosser, hat die Meisterschule absolviert und Betriebswirtschaft studiert. 2008 verschlug es ihn „durch Zufall“ zum Staatstheater. Heute genießt er das Vertrauen der Verwaltungsspitze, die ihm den Spitznamen „Mister Bornum“ verpasste.

Meine Aufgaben: Wir fahren die Dekorationen für das Staatstheater, um den Spielbetrieb in den drei Häusern aufrechtzuerhalten. Ich sorge mit meinen Kollegen dafür, dass sie ordentlich gelagert werden und zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sind. Unsere Flotte besteht aus fünf Fahrzeugen: zwei speziell aufgebauten Sattelaufliegern, zwei 7,5-Tonnern und einem Unimog mit Planenanhänger für den Notfall.

Das Besondere: Ich bin bei jedem Bühnenstück praktisch von Anfang an mit dabei, nehme auch an den Besprechungen in der Werkstatt teil. Wann immer ich kann, bin ich in den Generalproben. Ich sehe uns als Dienstleister für das Theater. Nur wir zusammen mit der Bühnentechnik und den Schauspielern können das erreichen, was wir hier jeden Tag auf die Bühne stellen. Und das ist jedes Mal eine neue Herausforderung, egal, ob es der Probenbetrieb oder besondere Situationen im Theateralltag sind. Es passiert immer etwas, was du nicht in deinen kühnsten Träumen vorhersehen kannst.

Mein Lieblingsstück: „Das Mädchen Rosemarie“. Ich habe die Generalprobe gesehen, wo der Schauspieler Mathias Max Herrmann gestürzt und der Regisseur Milan Peschel als Butler eingesprungen ist. Und dann hatte ich auch noch Premierenkarten! Ich war mit meiner Lebensgefährtin da, und wir haben beide gesagt: Das ist völlig genial.

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