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Komplexe Verwandtschaft

"Abrahams Kinder" in der Cumberlandschen Galerie Komplexe Verwandtschaft

In seinem Monolog Abrahams Kinder verarbeitete Svein Tindberg die erstaunlichen Erfahrungen einer Jerusalem-Reise. Rainer Frank wird diese Geschichte in der Cumberlandschen Galerie weitererzählen.

Hannover. Als Svein Tindberg Mitte der Neunzigerjahre Jerusalem zum ersten Mal besucht, wird er in kürzester Zeit mit den unterschiedlichen Befindlichkeiten der Religionen konfrontiert, die dieser Ort vereint. Beim Besuch des Tempelbergs und des Felsendoms schließt er sich einer deutschen Reisegruppe an und erlebt zunächst die christliche Sicht auf Abraham, der seinen Sohn Isaak opfern wollte. Auch die Juden an der West-Mauer des Doms nennen sich die Kinder Abrahams, denn Abraham ist als Großvater Israels der erste Jude. Am selben Tag muss Tindberg erleben, wie ein palästinensischer Junge von einem israelischen Soldaten erschossen wird - an einem der heiligsten Orte der Welt herrschen Panik, Fassungslosigkeit und Trauer.

Doch er will mehr erfahren über diese Stätte und ihre Bedeutung. Ein Palästinenser wird am nächsten Tag zu seinem Führer und überrascht den Norweger mit der Erklärung, dass der Prophet Muhammed von diesem Ort aufgestiegen sei zu den sieben Himmeln. Abrahams Sohn Ismael gilt zudem als Stammvater der Muslime. Christen, Juden und Muslime verstehen sich also gemeinsam als die Kinder Abrahams.

Svein Tindberg hat diese Erfahrungen zu einem Soloabend verarbeitet, der erfolgreich im Det Norske Teatret in Oslo lief. Dessen Intendant und Regisseur Erik Ulfsby („Shockheaded Peter“) brachte die Idee mit nach Hannover. Der Schauspieler Rainer Frank, der einige Jahre seiner Kindheit in Damaskus verbrachte, nimmt sich der Fassung an. „Svein Tindberg fordert ausdrücklich dazu auf, sich den Abend wirklich zu eigen zu machen. Das bedeutet, einiges zu bearbeiten, eigene Assoziationen und biografische Bezüge einzubringen und dabei den Humor zu bewahren.“

Für die Inszenierung betrachten der Schauspieler und sein Regisseur Andreas Sigrist die Fassung nun aus der Vogelperspektive, um die Stränge der Erzählung herauszuarbeiten. Rainer Frank möchte die biblisch-orientalische Erzählweise bewahren, die Geschichte soll erlebbar sein: „Das Publikum darf sich eine utopische, naive Sicht auf die Geschichte gestatten und fragen, wie das eine aus dem anderen entstanden ist.“ Martin Engelbach wird den poetischen Ansatz dieses Abends musikalisch unterstützen.

Tanja Schulz

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